Die deutsche Stimme von Harry Potter ist in Köniz zu hören
Zur Person
zur PersonRufus Beck, geboren 1957 in Heidelberg, arbeitet seit Mitte der Neunzigerjahre als Interpret und Produzent bei Hörbuchproduktionen mit. Bekannt ist der Schauspieler, Autor und Regisseur vor allem als die deutsche Stimme von Harry Potter. Jüngst hat er das Buch «Galaktisch» des britischen Drehbuchautors Frank Cottrell Boyce vertont.
Der Protagonist Liam ist ein 11-jähriger Junge, der für sein Alter sehr gross geraten ist und deshalb von allen für einen Erwachsenen gehalten wird. Er gewinnt auf ungewöhnliche Art eine Reise ins Weltall.
Das Kibuk-Programm
Von Freitag bis Sonntag findet auf dem Könizer Schlossareal zum 4.Mal das Kinder- und Jugendmedienfestival statt.Was, wenn man für einmal im Bistro sitzt und sich eine Geschichte bestellt statt einer Cola? Nicht nur das ist dieses Wochenende am 4.Kinder- und Jugendmedienfestival Kibuk in Köniz möglich. Das Schlossareal wird zum grossen Geschichtenland. Ein Blick ins Festivalprogramm zeigt, dass die Organisatoren sich längst nicht mehr nur aufs Buch beschränken. «Literaturvermittlung findet auch andernorts statt – im Theater, im Film, in der Slam-Poetry», begründet dies Carol Rosa vom Kibuk-Team.
Am Festival können unter anderem Erwachsene mit Kindern Värsli stampfen, Ueli Schmezers Band Matter live spielt auf, der Könizer Kinderbuchautor Philipp Wilhelm erzählt in einer szenischen Lesung von Zwergen unterwegs in geheimer Mission, Figurenspielerin Susi Fux öffnet ihr Geschichtenwunschbuch, und Vorlesetalent Rufus Beck lädt zu einer multimedialen Lesung (siehe Interview oben). Geschichten erraten, Geschichten spielen oder sich als Comicautor versuchen: All dies und viel mehr ist zudem in Workshops möglich. Kinder und Jugendliche sollen nicht nur zuschauen und staunen. «Wir wollen ihre Lust am Fabulieren, Dichten und Geschichtenerzählen wecken», so Carol Rosa. Auch die Könizer Bundesrätin Simonetta Sommaruga war früher fürs Kibuk aktiv, sie richtet am Samstagmittag ein Grusswort ans Publikum.
Die Gemeinde unterstützt das Festival mit 55'000 Franken. «Wir wünschen uns, dass es vermehrt überregionale Ausstrahlung erhält – wie die Krimitage in Burgdorf oder die Literaturtage in Solothurn», sagt Gemeindepräsident Luc Mentha (SP). Das Kibuk ist etwas grösser und ist professioneller organisiert als bisher und richtet sich neu auch an Jugendliche. Am Freitag wird das Kibuk mit einem Spezialtag primär für die Könizer Schulen eröffnet. Am Wochenende findet dann das öffentliche Programm statt.lp
Kibuk: Sa/So, 3. und 4.9., 10–18 Uhr. Programm: www.kibuk.ch, Anmeldung für Workshops noch möglich.
Herr Beck, betrachten Sie ab und zu die Sterne?
Rufus Beck: Ja, natürlich. Ich glaube, jeder Mensch schaut mal ins Universum. Aus romantischen oder wissenschaftlichen Gründen oder aus Neugier. Was wir da sehen, ist längst erloschen, das hat etwas Faszinierendes. Ein bisschen kenne ich mich mit dem Thema ja aus, weil ich Kinderbücher des Astrophysikers Steven Hawking vertont habe. Er stellte die Theorie auf, wonach das Weltall sich immer weiter ausdehnt, irgendeinmal nach innen kollabiert und dabei die Erde verschlingt.
Im Universum spielt auch das Buch «Galaktisch» von Frank Cottrell Boyce, das Sie vertont haben. Worauf achteten Sie bei der technischen Umsetzung?
Ich finde, man liest nicht ein Buch vor, sondern man erzählt es. Darum geht es. Das Besondere an den Hörbüchern, die ich mache, ist ihre Ähnlichkeit mit Hörspielen. Ich gebe den Figuren mit meiner Stimme verschiedene Farben. Ausserdem sprechen sie auf unterschiedlichen Stereokanälen. Das heisst, man hört sie einmal von links, einmal von rechts. Das vereinfacht das Zuhören, weil man sofort weiss, wer mit wem spricht. So auch bei den Telefongesprächen in «Galaktisch». Ein Junge namens Liam spricht die Geschichte in sein Handy, während er mit einer Rakete im Weltall unterwegs ist. Er weiss nicht, ob er auf die Erde zurückkehren wird.
Das hat eine gewisse Tragikomik. Es ist keine typische Science-Fiction-Story wie etwa das von Ihnen vertonte Buch «Von der Erde zum Mond» von Jules Verne.
«Galaktisch» hat so einen wunderbar eigenartigen Blick auf die Erwachsenenwelt. Was passiert, wenn man ein Kind ist, aber ausschaut wie ein Erwachsener? Wenn man die kindliche Naivität, Auffassungsgabe und die Unschuld hat, aber von allen wie ein Erwachsener behandelt wird? Das gibt Konflikte, und diese Konflikte sind komisch. Genau solche Werke suche ich mir immer aus: berührende Geschichten. Bücher, die Jugendliche, Kinder und Erwachsene lesen können.
Die meisten kennen Sie als Sprecher von Jugendbüchern wie «Harry Potter».
Jugendbücher? Ich kenne dieses Genre nicht.
In Bern lesen Sie aber an einem Festival für Kinder- und Jugendmedien.
An meine Vorstellungen kommen immer mehr Erwachsene als Kinder oder Jugendliche, zumindest ist es in Deutschland so. In der Schweiz mag das anders sein. Hier bin ich beruflich eher selten.
Sie vertonen immer wieder Bücher, in denen es ums Reisen geht, etwa «Bummel durch Europa» von Mark Twain.
Reisen ist ein Teil meiner Arbeit. In jedem Schauspieler steckt auch ein Nomade. Wie der Dalai Lama sagte: «Einmal im Jahr sollte man an einen Ort gehen, wo man noch nie gewesen ist.» Das kann eine Stadt sein, ein Wald. Es geht darum, die Sicherheit zu durchbrechen, neugierig zu sein, nicht zu wissen, was auf einen zukommt. Mir passiert das im Jahr bestimmt hundertmal.
Auch in der Schweiz? Mark Twain zum Beispiel ist entzückt von den Alpen.
Eine Freundin in Zürich spricht mit mir konsequent Schweizerdeutsch, und ich verstehe sie erstaunlicherweise sehr gut. Was mich auch wundert und ich nicht ganz verstehe, ist die Unsicherheit der Schweizer den Deutschen gegenüber. In Zürich höre ich immer wieder, man habe Angst, dass die Stadt von Deutschen überschwemmt werde. Dabei haben wir doch dieselbe Kultur, denselben Sprachstamm, einen gemeinsamen christlichen Hintergrund.
Diese angebliche Angst wird teilweise auch von der Politik geschürt.
Wenn das immer wieder in homöopathischen Dosen geschieht, verfestigt es sich auch im Denken. Die schweizerische Zurückhaltung gegenüber den Deutschen ist wohl auch geschichtlich bedingt. Deutschland war schon immer der riesengrosse Nachbar der Schweiz. Aber solche Unterschiede sind doch gerade spannend.
Wie meinen Sie das?
Ich komme in die Schweiz – und es ist anders. Der Kaffee schmeckt anders, die Häuser sind anders. Da denke ich mir: Das ist doch toll! Es gibt ein wunderbares Bonmot des österreichischen Schriftstellers Karl Kraus, mit dem er das Verhältnis der Österreicher und der Deutschen vergleicht. Er sagte: «Das Einzige, was uns unterscheidet, ist die gemeinsame Sprache.» Das gilt auch ein bisschen für die Schweizer und die Deutschen.
Rufus Beck präsentiert am Sonntag, 4.September, um 11 Uhr am Kibuk in Köniz eine multimediale Lesung aus seinem neuen Hörbuch «Galaktisch». (Berner Zeitung)
Erstellt: 31.08.2011, 13:07 Uhr
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