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Die SP zeigt, wo Bern nachts gefährlich ist

Von Tobias Habegger. Aktualisiert am 21.05.2011 4 Kommentare

SP-Politiker haben die Gefahrenzonen der Stadt Bern besucht. Fünf Sicherheitsexperten äusserten sich an fünf Standorten zu fünf brennenden Themen.

1/5 Berns Ausgehmeile: «Die Aarbergergasse ist eher berüchtigt als berühmt.»
Bild: Urs Baumann

   

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Normalerweise debattieren die Politiker weit weg von der Gasse über die öffentliche Sicherheit. Hinter den Rathausmauern entscheiden sie, ob es draussen mehr Polizisten oder sogar öffentliche Überwachungskameras braucht.

Das 33-jährige SP-Mitglied Stefan Müller von der parteiinternen Arbeitsgruppe Sicherheit hat am Donnerstagabend Stadträte und Behördenvertreter von ihren Aktenbergen weggelockt und direkt an die Brennpunkte der Stadt Bern geführt.

«Viele Politiker sind um 23 Uhr nicht mehr in der Aarbergergasse unterwegs», sagt Stefan Müller. Auf dem Stadtrundgang zur Sicherheitspolitik sollen sie vor Ort erleben, was in der Hauptstadt abends wirklich abgeht.

«Bern hat keine No-Gos»

Sogenannte No-go-Areas, also Orte, die für Normalsterbliche zu gefährlich seien, gibt es laut Stefan Müller in Bern keine. «Doch ich verstehe, dass die Menschen aus verschiedensten Gründen ein mulmiges Gefühl haben.» Ihn selber beschleiche ein solches Gefühl, wenn er spät in einer dunklen Seitengasse auf alkoholisierte Nachtschwärmer treffe.

Um das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen in der Stadt zu stärken, brauche es Präsenz – von der Polizei, aber auch Zivilcourage aus der Bevölkerung, sagt Stefan Müller. «Mit der Annahme des Gegenvorschlags zur Sicherheitsinitiative im Frühling 2010 hat das Stimmvolk einen wichtigen Schritt dazu getan.»

Angst auf dunkler Treppe

Sie wird kommen – auch in der Stadt Bern: die Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Dies hat das Stadtparlament im Herbst beschlossen. Ein Ort, der immer wieder als möglicher Hotspot für Überwachungskameras genannt wurde, ist die Fricktreppe, die vom Münsterplatz runter ins Mattequartier führt. Er verstehe, wenn sich Passanten auf dieser Treppe nachts unsicher fühlen, sagt Mario Flückiger, Datenschutzbeauftragter der Stadt Bern. «Der Ort ist dunkel und verlassen.» Doch laut Gesetz sind Kameras nur dort erlaubt, wo Straftaten begangen werden. «Viele Abhängige konsumieren harte Drogen hier», sagt Manuel Willi, Chef der Regionalpolizei Bern. Worauf der Datenschützer anfügt: «Somit wären Kameras hier erlaubt.» Bereits jetzt gibts mehrere Hinweis-schilder mit der Aufschrift: «Achtung Videoüberwachung». Doch weit und breit ist keine Kamera zu sehen . Pinto-Leiter Silvio Flückiger klärt auf: «Die Schilder wurden von einer Kita aus der Matte aufgehängt – zur Abschreckung der Drogensüchtigen, die manchmal ihre Spritzen auf der Treppe liegen lassen.»

Brutalität steigt

Auch acht Jahre nach dem brutalen Raubüberfall in der Postgasse auf einen damals 40-jährigen Lehrer löst die Erinnerung daran noch immer Schaudern aus. «Dieser Angriff auf ein zufällig ausgewähltes Opfer hat uns wachgerüttelt», sagt Jugendanwältin Beatrice Lavater. Doch seit dem Jahr 2007 seien die Übergriffe von Jugendlichen rückläufig. «Die Strafen und Massnahmen wirken», sagt die Jugendanwältin. «Wenn die Leaderfigur einer Gruppe in eine Institution kommt, gibts meistens Ruhe im entsprechenden Dorf oder Quartier.» Zwar schlagen Jugendliche weniger oft zu als auch schon. Doch die Brutalität ihrer Attacken hat laut Beatrice Lavater zugenommen. Ein Grund dafür sieht Polizeichef Manuel Willi im Konsum von Drogen (Kokain) und Alkohol. «Viele jugendliche Täter agieren unter Drogeneinfluss – ihre Hemmschwelle ist deshalb tief.» Doch auch die Opfer von Jugendgewalt seien oft betrunken. «Solche Opfer sind leichter auszunehmen.» Passanten, welche Schlägereien beobachten, sollen über die Nummer 117 die Polizei alarmieren und die Patrouille per Handy an den Tatort lotsen.

Banden mieten Kinder

Was hat die organisierte Bettelei mit dem Thema Sicherheit zu tun? Diese Frage stellt eine Teilnehmerin des Stadtrundgangs zur Sicherheitspolitik. «Es gibt Menschen, die fühlen sich verunsichert durch Bettler», antwortet SP-Stadträtin Giovanna Battagliero. Und Alexander Ott, Bereichsleiter Migration und Fremdenpolizei, fügt an: «Die organisierte Bettelei ist Menschenhandel, also strafbar.» Frauen, Kinder, ja sogar Babys würden von Hintermännern aus dem Osten in die Städte Westeuropas geführt. «Es gibt Orte, da können die Banden Kleinkinder mieten für 250 Euro pro Tag», sagt Alexander Ott. Wenn diese dann 600 Euro erbetteln, rechne sich für die Hintermänner das Geschäft. Seit die Gewerbepolizei in der Stadt Bern die bettelnden Frauen und Kinder «reinnimmt», sind die Banden nervös. «Mittlerweile meiden sie deshalb die Hauptstadt», sagt Ott. Die Kinder und Frauen kehren mithilfe einer Organisation via Wien in die Heimat zurück. Dort werden sie von Fachleuten betreut. «Viele Kinder sehen dann zum ersten Mal im Leben ein Schulzimmer.»

Fans sind gefordert

Egal wie die Polizei gegen Hooligans an Sportanlässen vorgeht – sie erntet Kritik. «Wie im Sport wissen auch bei der Polizeiarbeit immer alle Beobachter, wie man es besser hätte machen sollen», sagt Manuel Willi, Chef Regionalpolizei Bern. Fakt ist: Seit Jahren steigen die Polizeikosten rund um die Spiele von YB und des SCB. Im Jahr 2010 betrugen diese 4,2 Millionen Franken. YB-Fanorganisationen und linke Politiker fordern via Medien: «Die Polizei soll ihr übertriebenes Aufgebot überdenken.» Dazu Polizeichef Willi: «Ich würde mir nicht einmal anmassen, der Zürcher Polizei vor einer Partie zwischen dem FCZ und Basel dreinzureden.» Das Aufgebot hänge von vielen Faktoren ab, die Aussenstehende oft übersehen würden. Das Gewaltpotenzial aus der Fussball-fanszene habe in diesem Frühling mit dem Angriff von YB-Fans auf einen Thun-Fan-Zug voller Familien mit Kindern eine neue Dimension erreicht. Die friedlichen Fans und die Vereine seien gefordert, sagt Willi. «Doch vor allem beim Fussballverband ist das Problembewusstsein gering.»

Deals und Schlägereien

Gleich zwei Problemgruppen belasten die Aarbergergasse. «Durch den Tag durch sind es Drogensüchtige und Dealer. In der Nacht das Alkohol konsumierende Partyvolk», sagt Pinto-Leiter Silvio Flückiger. Er und die Pinto-Organisation sind von den Stadtbehörden bezahlt, um «professionelle Zivilcourage» zu leisten. Sobald sich in der Aarbergergasse ein Drogendeal abzeichnet, bleiben die Pinto-Leute stehen, manchmal eine halbe Stunde lang. «Dann schreiten wir ein und sagen, dass Deals hier nicht erwünscht sind», sagt Silvio Flückiger. Auch im Nachtleben habe er durch Zureden im richtigen Moment schon Schlägereien verhindert. «Wenns aber wirklich losgeht, alarmieren wir die Polizei.» Rolf Bähler, Geschäftsführer des Bonsoir-Klubs in der Aarbergergasse, sagt: «Im Moment ist diese Ausgehmeile eher berüchtigt als berühmt.» Doch die Gasse sei weniger gefährlich als ihr Ruf. «Unbeteiligte geraten selten in eine Schlägerei.» Trotzdem müssten die Nachtklubbetreiber auf die Problematik eingehen. Von den Behörden fordert Bähler «endlich ein Konzept, wo und in welcher Form das Nachtleben stattfinden soll». (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.05.2011, 09:51 Uhr

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4 Kommentare

Martin Kirschner

22.05.2011, 12:20 Uhr
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Wieder einmal sieht man, dass die obgenannten Politiker offenbar keine Ahnung von den no go's haben. Gerade letztes Wochenende wurde ja ein Mann wieder spitalreif geschlagen..... wo? natürlich bei der Reithalle. Aber dort ist man ja sowieso auf einem Auge blind. Natürlich ist es viel einfacher in punkto Gewalt wieder mal auf die YB-Fans loszugehen. Besonders zu Wahlzeiten! Antworten


Ronald Lack

22.05.2011, 13:14 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Wieder mal typisch ROTE-Politik: anstatt etwas gegen diese Orte zu unternehmen, spazieren Sie wie Gutmenschen in der Stadt umher und streuen damit dem Volk Sand in die Augen, etwas zu machen Fehlanzeige, anscheinend goutiert man diese ROTE-Politik in Bern. Antworten



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