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Die Reitschule bietet von Heavy Metal bis Power-Yoga alles

Von Lucie Machac. Aktualisiert am 24.09.2010 2 Kommentare

«Wir bieten mehr»: So wirbt die Reitschule in eigener Sache im Vorfeld der Abstimmung über die SVP-Initiative. Doch was genau bietet die Reitschule? Viel alternative Kultur für relativ wenig Geld von der öffentlichen Hand.

1/6 Ein hoher Eigenfinanzierungsgrad.
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Kultur ohne Subventionen gibts kaum

Gute Kultur sei Kultur, die sich selber finanziert, also ohne Subventionen auskommt: So wirbt SVP-Grossrat Erich Hess für seine Initiative zur Schliessung der Reitschule. So betrachtet müsste praktisch jeder Kulturbetrieb in Bern schliessen. Allen voran die hoch subventionierten Häuser der Hochkultur: So deckte zum Beispiel das Stadttheater letzte Saison bloss 21,5 Prozent seiner Aufwände mit eigenen Erträgen; den grossen Rest machen die Subventionen von 23,8 Millionen Franken aus. Die Reitschule mit ihren 665750 Franken Subventionen weist demgegenüber einen Eigenfinanzierungsgrad von über 50 Prozent aus. Auch mit der Reitschule vergleichbare Häuser geschäften weniger rentabel: Die Dampfzentrale etwa erreicht einen Eigenfinanzierungsgrad von 44 Prozent. azu

«Die Reitschule bietet mehr.» Es ist die ideale Antwort auf die SVP-Initiative, die die Reitschule an den Meistbietenden versteigern will. Gleichzeitig schreit dieser flotte Werbespruch geradezu danach, das kulturelle Angebot in der Reitschule genauer unter die Lupe zu nehmen. Heisst «mehr bieten» einfach «Kultur bieten»? Oder bietet die Reitschule gar mehr Kultur als andere Berner Veranstalter? Das Kulturangebot der Reitschule ist jedenfalls breit gefächert – von Konzerten über Stangentanz bis zu Kinderveranstaltungen –, und das Reitschule-Gebäude ist weitläufiger, als manch einer ahnen mag. Eine Übersicht:

Dachstock: Bis zu 750 Leute können hier Konzerte und Partys besuchen. Schweizer Rock-, Pop- und Hip-Hop-Grössen treten genauso wie internationale Bands auf, und angesagte Berner Musiker, zuletzt Steff La Cheffe und Greis, taufen hier ihre Platten. Jährlich finden rund 100 Veranstaltungen statt, die von 50'000 Leuten besucht werden.

Tojo-Theater: Hier erhält der Schweizer Nachwuchs aus den Sparten Theater, Tanz, Performance und Kleinkunst eine Plattform. Letztes Jahr kamen über 10'000 Zuschauer. Die meisten Aufführungen sind Gastspiele.

Kino Reitschule: In diesem kleinen Kinosaal werden thematische Filmzyklen gezeigt, wobei der Fokus auf heimischem Schaffen und dem Dokumentarfilm liegt. Zurzeit läuft die Krimireihe «Tatort Reitschule». Auch Filmfestivals finden hier statt, etwa das schwul-lesbische «Queersicht».

Rössli-Bar: Das Musikprogramm ist eher experimentell, meist finden im Rössli Konzerte der etwas exzentrischen Art statt, von Heavy Metal über Worldmusic bis Hip-Hop.

Frauenraum: Zwar gibt es nach wie vor Veranstaltungen speziell für Frauen (Disco), aber die meisten Konzerte, Lesungen, Theater oder Performances sind für beide Geschlechter offen, sowohl auf der Bühne wie im Zuschauerraum.

Grosse Halle: Dieser Raum bietet Platz für 2300 Leute. Er kann gemietet werden und wird entsprechend multifunktional genutzt: Grosse Technopartys und Konzerte (Kraftwerk, Chemical Brothers) gehen hier genauso über die Bühne wie Stummfilmvertonungen, Veranstaltungen für Kinder und Flohmärkte. Im letzten Jahr hatte die Grosse Halle rund 30'000 Besucher.

Dojo: Auch Sport gehört in die Reitschule – von Selbstverteidigung Wing Tsun über Power-Yoga bis Pole-Dance, dem trendigen Tanz an der Stange.

Sous le Pont: Das kollektiv betriebene Restaurant serviert bioausgerichtete Küche.

Schreinerei/Druckerei: Kleinere Unterhaltsarbeiten werden in der hauseigenen Schreinerei erledigt, die auch externe Aufträge annimmt – wie die Druckerei, wo die Hauszeitung «Megafon» gedruckt wird.

Infoladen: Neben Infomaterial findet man hier eine kleine Bibliothek und kann Vorträge besuchen.

Hohe Eigenfinanzierung

All dies kostet die städtischen Steuerzahler rund 665'000 Franken jährlich, wovon der grösste Teil an die Mietkosten geht, die die Stadt übernimmt. Der Eigenfinanzierungsgrad der Reitschüler ist mit über 50 Prozent entsprechend hoch – auch im Vergleich zu anderen Berner Kulturinstitutionen. Wie ist das möglich? Während zum Beispiel das Berner Symphonieorchester Eigeneinnahmen in erster Linie aus Eintritten und Sponsoring generiert, kann sich die Reitschule überdies mit der Raumvermietung und dem Barbetrieb finanzieren. Letztere Einnahmen werden hausintern möglichst solidarisch aufgeteilt. Zudem arbeiten viele Freiwillige im Reitschule-Betrieb mit.

Für jüngeres Publikum

Bleibt die Frage nach der Konkurrenz. Denn insbesondere mit der Dampfzentrale und dem Veranstalter bee-flat bestehen im Konzertbereich Überschneidungen. Sabine Ruch vom Dachstock der Reitschule ist sich dieser Situation bewusst. Doch gleichzeitig betont sie: «Wir graben uns gegenseitig nicht das Publikum ab. Die Konkurrenz beschränkt sich auf einige wenige Musikacts, und meist sprechen wir uns im Vorfeld untereinander ab.»

So betrachtet ist der Slogan «Die Reitschule bietet mehr» vielleicht etwas kühn. Tatsache aber ist, dass es in Bern keinen anderen Ort gibt, der so viele verschiedene Kultursparten unter einem Dach vereint. Vor allem für ein jüngeres Publikum bietet die Reitschule ein attraktives Angebot, und dies – verglichen mit anderen Berner Kulturinstitutionen – für relativ wenig Steuergeld. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.09.2010, 11:12 Uhr

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2 Kommentare

Andreas Tase

07.09.2010, 11:31 Uhr
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Das klingt ja alles gut und recht, was ist aber mit der Autonomen Volxbibliothek? Dort finden sich Werke die ganz offen mit toalitären Systemen kokettieren (und damit ist kein sog. faschistisches System gemeint, sonder ein stalinistisches Regime). Man stelle sich mal vor, was es für einen Aufschrei gäbe, würde es eine solche Bibliothek bei der PNOS geben... Antworten


Thom Weidmann

25.09.2010, 08:06 Uhr
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Ein bisschen zu spät jetzt noch die Vorzüge der Reithalle aufzulisten. Wer sie kennt, weiss das schon lange. Die Diffamierungskampagne der SVP besteht aus politischem Kalkül. Und wie immer werden die Aengste vieler geschürt und genutzt. Diese Partei benutzt Halblügen und Lügen um ihre Wähler auf Trab zu bringen. Lasst die Reithalle wie sie ist! Antworten



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