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Die Oberwiler trotzen der Krise und modernisieren Käserei
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Das Innere der Oberwiler Dorfkäserei ist eine Baustelle. Inmitten des Trubels steht Jakob Beer, Mütze auf dem Kopf, Füsse in den Stiefeln, seit 20 Jahren Käser im Dorf, und freut sich auf den Tag, an dem er in der neuen Käserei mit modernen Geräten wieder Käse produzieren kann.
Die Käserei gehört der Käsereigenossenschaft Oberwil. Insgesamt 23 Genossenschaftsbauern verkaufen Ernst Beer ihre Milch. Rund 90 Prozent der 2,4 Millionen Liter Milch pro Jahr verarbeitet Jakob Beer mit zwei Mitarbeitern zu 120 Kilogramm schweren, runden, gelben Emmentaler-Switzerland-AOC-Laiben, die er an den Käsehändler Fromalp in Zollikofen weiterverkauft. Aus dem Rest entstehen Biokäse und Spezialitäten, an denen Jakob Beer laufend weiter tüftelt. Diese verkauft er im Laden der Dorfkäserei oder an Marktfahrer.
In Krisenzeiten günstig
Weshalb die Oberwiler Genossenschafter gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten so viel Geld investieren, erklärt Ernst Bandi, der Präsident der Käsereigenossenschaft: «Die Einrichtung entsprach nicht mehr den Anforderungen», sagt er, «wir wussten schon lange, dass wir etwas unternehmen müssen.»
Dabei kam ihnen das Käsereisterben paradoxerweise entgegen: «Weil so viele Käsereien in den letzten Jahren aufgegeben wurden, konnten wir Geräte zu günstigen Preisen erwerben.» Beispielsweise den Dampfkessel. Jakob Beer nennt ihn «das Herzstück» der Käserei.
Das Gerät erzeugt die Energie, die es braucht, um die Milch in den Kesseln auf bis zu 50 Grad zu erwärmen. Dank neuer Technik wird erreicht, dass keine Energie verlorengeht, sondern weiterverwendet wird; mit der Abwärme wird die Wohnung von Jakob Beer beheizt. Weiter geholfen haben den Genossenschaftern laut Bandi die Tatsache, dass derzeit Bankkredite günstig zu haben sind und auch zinslose Darlehen der vom Bund unterstützten Stiftung Agrarkredite.
Jakob Beer kann sich noch an die Zeit vor 20 Jahren erinnern. Damals habe noch jedes Seeländer Dorf seine Käserei gehabt; die Bauern hatten sich schon viel früher zu Genossenschaften zusammengeschlossen, um ihre Milch mit vereinten Kräften zu vermarkten. Dann ging die Zahl der Bauernbetriebe mit Milchproduktion Jahr um Jahr zurück. Der Preisdruck zwang viele zum Aufgeben, die ihre Betriebe nicht vergrössern konnten, um den Verlust mit der Menge wettmachen zu können.
Kampf dem Preisdiktat
Inzwischen verarbeiten gemäss Christian Oesch, Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Organisation Bern (Lobag), rund die Hälfte der Milchbauern ihre Milch nicht mehr in Käsereigenossenschaften, sondern sie verkaufen sie direkt an Milchverarbeitungsorganisationen.
Dabei holt ein Tankwagen jeweils morgens die Milch beim Bauern ab. Oesch sagt, derzeit bestehe wegen hoher Überproduktion ein massiver Preisdruck bei der Industriemilch. Mit anderen Worten: Die Milchverarbeiter haben es in der Hand, den Milchpreis zu bestimmen. «Dadurch ist der Milchbauer einer Abhängigkeit ausgesetzt, gegen die er praktisch wehrlos ist», sagt Samuel Otti, Sekretär der Käsereigenossenschaft Oberwil. Denn, so Otti, «wenn der Bauer den Preis nicht akzeptiert, riskiert er, dass seine Milch nicht abgeholt wird und verdirbt».
Eigenständig bleiben
Genau das wollen die Oberwiler Bauern vermeiden. «Indem wir unsere eigene Käserei betreiben, sind wir dem Preisdiktat nicht so stark unterworfen», sagt Samuel Otti. Die Genossenschaftsmitglieder handeln einmal jährlich mit Jakob Beer den Milchpreis aus. Dieser liege über dem üblichen Preis für Industriemilch. Denn für Biokäse und Markenkäse wie den Emmentaler Switzerland AOC ist vorgeschrieben, dass die Kühe nicht mit Silage gefüttert werden dürfen. Die Milchverarbeitung in der Dorfkäserei hat laut Otti noch einen weiteren Vorteil: «Käse verdirbt nicht so schnell wie Milch.» So bewahren sich die Oberwiler Milchbauern, die alle eher kleine Betriebe bewirtschaften, ein gewisses Mass an Eigenständigkeit. «Und das ist uns sehr wichtig», sagen alle drei übereinstimmend.
Brigitte Jeckelmann
> (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.03.2010, 07:55 Uhr





