«Die Musik-CD wird wohl verschwinden»
Interview: Jon Mettler. Aktualisiert am 26.11.2010 6 Kommentare
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Wie haben Sie auf die angekündigte Schliessung von Jecklin reagiert?
Serge Berthoud: Schon seit Mitte Jahr gab es Spekulationen, wonach es eine Frage der Zeit sei, bis Jecklin dicht mache. Als ich dann die Meldung gelesen habe war ich nicht wirklich überrascht. Trotzdem blieb ich nicht gleichgültig. Die Schliessung von Jecklin zeigt einmal mehr, dass das Musikladensterben Realität ist. Fürs langfristige Überleben von Chop Records ist es dagegen eine gute Neuigkeit. Es gibt deshalb bei mir ein lachendes und weinendes Auge.
Was bedeutet das für die Zukunft der Musikläden?
Es ist alles eine Frage der Grössenordnung. Jecklin hat den Standort an einer gut frequentierten Lage und musste sicherlich dementsprechend Miete bezahlen. Mein Geschäft ist an einer etwas weniger zentralen Lage. Deshalb habe ich das Gefühl, dass Chop Records grössere Überlebenschancen hat.
Und welche Rolle spielen Internet-Läden wie iTunes?
Mit Bestimmtheit eine sehr grosse. Die Stärke von Chop Records ist es aber, dass wir Nischen abdecken können. Internet-Läden hingegen sind auf den Mainstream ausgerichtet. Ich habe Alben an Lager, die man nicht an jeder Ecke findet. Bei uns ist zudem auch noch Vinyl im Angebot.
Was für Kunden kommen heute noch in einen Musikladen?
Die Kundschaft ist durchmischt. Zu mir kommt der 75-jährige Rentner, aber auch das 14-jährige Hiphop-Kid.
Hat die CD überhaupt noch eine Überlebenschance?
Das ist im Jahr 2010 schwierig zu sagen. Meine Vermutung ist es aber schon, dass die CD als physischer Datenträger verschwinden wird.
Welchen Wert hat eine CD für Sie?
Ich bin jemand, der Freude hat an schönen Covers und Booklets. Ich mag es, diese Informationen zusätzlich zum Musikgenuss zu haben und eine CD in den Händen zu halten. Die ganze Downloaderei im Internet hingegen ist mir zu schnelllebig.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.11.2010, 14:27 Uhr
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6 Kommentare
Herr Berthoud sollte einmal "The long tail" von Chris Anderson lesen. Die Stärke der Anbieter wie Amazon, iTunes usw. liegt gerade darin, dass es für ein tieferes Angebot lediglich mehr Speicherplatz. Der Anbieter stellt ein paar Server mehr rein und schon ist das Angebot um das 10fache Grösser, als es jeder CD-Laden anbieten kann. Leider, denn so wird das Angebot an Läden in Städten immer dünner. Antworten
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