«Die Jagd ist schädlich, unzeitgemäss, grausam»
Von Peter Steiger. Aktualisiert am 16.09.2011 21 Kommentare
Zur Person
Ernst Tschanz (78) war lange Redaktor der «Schweizerischen Gewerbezeitung».
Stichworte
Herr Tschanz, warum kämpfen Sie gegen die Jagd?
Ernst Tschanz: Weil sie nicht nur unzeitgemäss, unnötig und grausam ist, sondern auch schadet.
Und warum sind Sie so militant?
Ich kämpfe so engagiert, weil die Jäger aggressiv und arrogant sind und mir keine andere Wahl lassen. Sie beschimpfen und bedrohen mich. Erst in den letzten Jahren ist es etwas besser geworden. Die Jäger halten sich zurück, weil sie spüren, dass ein grosser Teil der Bevölkerung mit ihrem Hobby nicht mehr einverstanden ist.
Die Jäger hegen, pflegen und regulieren gratis den Wildbestand.
Das können die Wildhüter besser. Die vermeintliche Sorge um das Wohlergehen der Tiere ist bloss eine faule Ausrede. Tatsächlich leiden Jäger an einem psychischen Defekt.
Hoppla, Sie schiessen scharf, Herr Tschanz.
Die Jäger haben ihren nicht überwundenen Tötungstrieb zum Hobby gemacht.
Das gilt, wenn überhaupt, wohl nur für einige wenige. Und: Bei der Jagd haben die Tiere wenigstens eine Chance, ihrem Tod zu entrinnen. Im Schlachthof hingegen nicht.
Im Schlachthof sterben alle, immer und schnell. Auf der Jagd haben sie tatsächlich eine Chance – nämlich bloss angeschossen zu werden und dann elend zu verrecken.
Jäger sind verpflichtet, verletzte Tiere aufzuspüren und zu töten.
Glauben Sie wirklich, dass dies häufig und erfolgreich geschieht? Die Ethik der Jäger ist oft nur Fassade. Tatsächlich warten sie bloss hinterhältig im Gebüsch auf Beute.
Hassen Sie die Jäger?
Ich hasse nicht die Jäger, ich hasse ihr Hobby.
Ein grosser Teil der Bevölkerung beurteilt die Jagd positiv. Vor zehn Jahren gelang es Ihnen nicht, eine Volksinitiative zur Abschaffung zu lancieren.
Stimmt. Wir brachten statt 15'000 bloss 8000 Unterschriften zusammen. Wir scheiterten nicht am Desinteresse der Leute, sondern hatten zu wenig Erfahrung. Wir wussten nicht, wie man effektiv Unterschriften sammelt.
Wer ist wir?
Wir sind zwei Menschen, die eine informelle Interessengemeinschaft bilden. Den Namen dieser Person nenne ich nicht.
Sie haben im Frühling Inserate mit Ihren Anliegen veröffentlicht. Woher stammt das Geld?
Jemand hat uns vor mehr als zehn Jahren eine grössere Summe überwiesen. Davon zehren wir noch heute.
Wer und wie viel?
Das sage ich nicht.
Herr Tschanz, Sie sind 78 und längst pensioniert. Haben Sie neben dem Kampf gegen die Jagd denn auch noch andere Interessen?
Oh ja. Ich kümmere mich um Haus und Garten und betreue mit meiner Frau gelegentlich unsere Enkel. Und ich mache regelmässig Yoga. Das hält mich gesund. (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.09.2011, 08:44 Uhr
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21 Kommentare
Ich bin Jungjägerin aus Naturverbundenheit! Die Diskussion um die Jagd finde ich unsachlich und aggressiv. Es fehlt an Fairplay, Respekt und Anstand. Wer sich sachlicher erkundigt oder auch mal einen freiwilligen Hege-Einsatz mitmacht, erlebt das Thema Jagd aus einem anderen Blickwinkel. Wer Jagd kritisiert sollte sein Konsumverhalten ethisch hinterfragen. Freundl. Weidfrausgruss Antworten
Hr Tschanz, nein ich bin kein Jäger und trotzdem finde ich Ihre Äusserungen krank. Natürlich ist es viel humaner wenn man sein Plätzli Vacumverpackt, aus einem klinisch reinen Schlachthof mit Tiergerecht transportierten, aus selbstverständlich Tierschutzgerechter Industriemast bezieht. Ich bevorzuge jedoch das Fleisch von einem in freiheit lebenden Tier. Dieses Fleisch wirk nicht so degenerativ. Antworten
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