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Die Feuerwehr kämpfte gegen die Flammen – und das Eis in den Schläuchen

Von Stephan Künzi. Aktualisiert am 07.02.2012

Das Bauernhaus in Hinterfultigen war nicht zu halten, das Kleinvieh starb im Feuer. Die Kälte hatte den Einsatz der Feuerwehrkräfte noch schwieriger gemacht.

1/4 Der Brand in Hinterfultigen: Personen kamen beim Brand vom Sonntag keine zu Schaden.
Bild: zvg Kantonspolizei Bern

   

Bei Kälte brennt es häufiger

Auch wenn die Feuerwehr noch so schnell ist: Gefriert das Wasser in den Schläuchen wie in Hinterfultigen, ist es schwierig. Damit dies nicht passiert, lässt die Berufsfeuerwehr Bern bei langen Löscheinsätzen bei tiefen Minustemperaturen das Wasser laufen, damit es nicht gefriert. Und um vereiste Hydranten aufzutauen, führen die Feuerwehrleute Bunsenbrenner mit, wie Franz Märki, Mediensprecher der Berufsfeuerwehr gegenüber Bernerzeitung.ch sagte. Allerdings rät Christoph Lienert Privaten dringend davon ab, mit dieser Technik gefrorene Leitungen aufzutauen. «Das sollte man Profis überlassen», sagt der Leiter Prävention und Intervention der Bernischen Gebäudeversicherung. Dass Löschwasser in Feuerweihern, Bächen und zuletzt in den Schläuchen gefriert, sei tatsächlich ein grosses Problem, so Lienert. Oft führt die Feuerwehr aber Wasser in Tanklöschfahrzeugen mit, die in der warmen Garage standen. Und zum Glück verlaufen unterirdische Wassernetze unterhalb der Frostgrenze.

Dass es in vergangenen Kälteperioden etwas mehr Brände bei Holzheizungs- und Kaminanlagen gab, bestätigt Christoph Lienert.

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Den älteren Leuten in Rüeggisberg war das Phänomen nicht neu. Immerhin hatte es schon vor Jahren einmal im tiefsten Winter gebrannt. Den jungen Feuerwehrleuten, die am Sonntagmorgen in die Hügel zwischen Vorder- und Hinterfultigen gerufen wurden, stellte sich das Problem aber zum ersten Mal: Als sie die 1,2 Kilometer Wasserleitung vom brennenden Bauernhaus zum nächsten Hydranten oben an der Durchgangsstrasse gebaut hatten, fror schon nach kurzer Zeit das Wasser in den Schläuchen ein. Kein Wunder bei zwanzig Grad unter null.

Trotzdem betont Beat Muhr, der den Ersteinsatz geleitet hat: Auch ohne diese Erschwernis wäre der Brand nicht anders verlaufen. «Sogar wenn wir ab Hydranten vor Ort Wasser bezogen hätten, wären das Haus und die Tiere nicht zu retten gewesen.»

Das Eis herausklopfen

Zudem gingen die Feuerwehrleute die Sache ja aktiv an, wie Muhr ausführt. Sobald der Wasserfluss ins Stocken geriet, hieben sie den Schlauch an der verstopften Stelle mit einem Beil entzwei. Meist war dies nahe einer Verschraubung der Fall, und mit leichtem Klopfen gelang es dann, dort das Eis zu lösen. Jetzt musste nur noch ein neues Stück Schlauch eingesetzt werden, schon konnte das Wasser wieder fliessen.

Bemerkt hat den Brand die betroffene Familie selber. Die Bäuerin kam am Sonntagmorgen gerade von der Käserei zurück, wo sie die frische Milch abgeliefert hatte, als sie rund um ihr Haus ungewöhnlich viel Rauch feststellte. Alarm schlagen konnte sie schon nicht mehr vom eigenen Telefon aus, der Weg dazu war ihr verwehrt. So verstrichen weitere Minuten, bis sie von den Nachbarn aus Hilfe anforderte – «als ich vor Ort ankam», erinnert sich Muhr, «war der Schnee auf dem Dach in der Hitze geschmolzen, über dem Haus hatte sich ein Nebel gebildet». Das Feuer war nicht mehr einzudämmen.

Die Feuerwehr verlegte sich in der Folge darauf, das Stöckli und den neuen Stall zu halten. Letzteres war insofern nicht ganz einfach, als der Abstand zum Bauernhaus gerade mal sechs bis sieben Meter betrug. Umso wichtiger war in dieser Situation, dass auch die Kollegen aus Riggisberg zu Hilfe eilten. Am Ende standen alles in allem über achtzig Leute im Einsatz, dazu zwei Tanklöschfahrzeuge, die gezielt für die zwei Nebengebäude eingesetzt werden konnten.

Vierzig Milchkühe gerettet

So gelang es, die knapp vierzig Milchkühe im neuen Stall zu retten, ebenso drei Pferde und ein paar Schafe aus dem alten Stall des brennenden Gebäudes. Für den Grossteil des Kleinviehs, das dort lebte, reichte die Zeit aber nicht mehr. Gegen fünfzig Stück fielen den Flammen zum Opfer, vom Bauernhaus selber blieben auch nur noch Trümmer übrig.

Der Brand ist der zweite Schicksalsschlag innert kurzer Zeit für die betroffene Familie. Erst vor gut einem Jahr ist der Bauer an einer schweren Krankheit gestorben. Seither trägt die Bäuerin mit ihren drei schulpflichtigen Söhnen die alleinige Verantwortung für den Betrieb, der zu den grossen in der Region gehört.

Die Gemeinde ruft derweil zur Solidarität auf. Naturalspenden können in der Gemeindeverwaltung Rüeggisberg abgegeben und Geldspenden auf ein Konto der örtlichen Ersparniskasse eingezahlt werden.

Spendenkonto: Ersparniskasse Rüeggsiberg, IBAN CH26 0851.9020.8410.4214.8, Postkonto 30-38193-9, Vermerk Brandfall Hinterfultigen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.02.2012, 06:22 Uhr

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