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Die Berner Tramgeschichte begann 1890 mit neun Drucklufttrams

Von Adrian Zurbriggen. Aktualisiert am 09.12.2010

Nächsten Sonntag wächst das Berner Tramnetz von 17 auf 24 Kilometer und von drei auf fünf Linien an. Damit beginnt für die Strassenbahn in Bern eine zweite Blütezeit. Eine neue Publikation rollt die Berner Tramgeschichte seit 1890 auf.

1/6 Eine schweizweite Besonderheit: 1890 bis 1901 fuhren auf der ersten Berner Tramlinie Drucklufttrams (hier beim Bärengraben).
Bild: zvg/Broschüre Tram Bern West

   

Bümplizer forderten schon 1914 ein Tram

Der Kampf für ein Tram in Berns weiten Westen begann viel früher, als man es wohl vermuten würde: 1914 stellte die damals noch selbstständige Gemeinde Bümpliz ein Gesuch für den Bau eines Trams. 1920 wurde das Projekt zurückgestellt, ebenso jene für Tramlinien nach Ostermundigen und Köniz . Die Stadtfinanzen waren schon damals klamm, teure Strassenausbauten hatten Priorität. Bümpliz erhielt 1924 eine Busverbindung, Bethlehem 1948.

1969 stellte das Stadtplanungsamt fest, dass die wachsenden Quartiere im Westen nur mit einem Tram ideal erschlossen werden können.Bereits 1971 lag ein Vorprojekt über 34,6 Millionen Franken auf dem Tisch. Weil das Volk 1978 die Stadterweiterung Brünnen ablehnte, verschwand das Tramprojekt in der Schublade.

Anfang der Neunzigerjahre kramten die Stadtverantwortlichen die Idee wieder hervor. Der Rest ist jüngere Vergangenheit: 2004 lehnten die Stimmberechtigten des Kantons ein 153-Millionen-Projekt mit 50,35 Prozent der Stimmen ab. 2006/2007 hiessen die Stimmberechtigten von Stadt und Kanton ein um 20 Millionen abgespecktes Projekt klar gut.

Am 10. April 2008 erfolgte der Spatenstich. Am 12. Dezember 2010, nächsten Sonntag, gehen die Linien in Betrieb.

Broschüre und Fest

Broschüre Tram Bern-West. Von Urs und Jürg Aeschlimann. 112 Seiten, über 100 Bilder. 25 Franken. Prellbock Verlag Leissigen.
Vernissage: Freitag, 10.12., 17 Uhr, Buchhandlung Sinwel, Lorrainestrasse 10.

Tram-Bern-Fest: Die Broschüre wird am nächsten Sonntag, 12.12., an verschiedenen Standorten verkauft, u.a. im Bienzgut und im Tscharnergut.

Am Anfang stand das Tram. Betrieben mit Druckluft und Dampf. Am 1. Oktober 1890, nach weniger als einem Jahr Bauzeit, befuhr das erste Drucklufttram der Berner Tramway-Gesellschaft die 3 Kilometer lange Linie I zwischen Bärengraben und Bremgartenfriedhof.

1894 folgte die Linie II, Dampftramloks verkehrten mit Anhängern von Wabern in die Länggasse und zurück. In Wabern hatten die Kurse Anschluss nach Kehrsatz – als Transportmittel diente der Pferdeomnibus. Diesen hatte das Tram aus der Stadt verdrängt: Von 1879 bis 1894 endete die von Eduard Benteli ins Leben gerufene Pferdeomnibus-Linie auf dem Bärenplatz.

1908: Vier Tramlinien

Ab Juli 1901 zirkulierten für die mittlerweile verstaatlichte Städtische Strassenbahn Bern (SSB) die ersten elektrischen Trams auf der Linie III zwischen Breitenrain und Burgernziel. In den nächsten Monaten wurden die zwei anderen Linien elektrifiziert. 1908 ging die Linie IV zwischen Bahnhof und Brückfeld in Betrieb.

Wenn am kommenden Sonntag mit der Eröffnung der beiden Strecken des Trams Bern-West der Linienplan des Tramnetzes kräftig durcheinandergewirbelt wird, dann ist das nichts Aussergewöhnliches – das hat vielmehr Tradition. So wurden 1912 nach diversen Gleisausbauten die Linien erstmals neu verknüpft und auch gleich umbenannt: Die Linie A fuhr zwischen Bärengraben und Bremgartenfriedhof, B zwischen Morillon und Papiermühlestrasse, C zwischen Länggasse und Burgernziel, D zwischen Brückfeld und Wabern.

1930: Zwölf Tramlinien

Dieses System hielt nur kurz: Noch im selben Jahr begann die Umstellung auf die grundsätzlich heute noch gültige Liniennummerierung. Dabei führte man aber eine Besonderheit ein, die es heute nicht mehr gibt und die erklärt, warum noch bis nächsten Sonntag keine geraden Tramliniennummern durch Bern kurven: Pro Strecke gab es zwei Liniennummern, eine für den Hin- und eine für den Rückweg. So fuhr die Linie 1 vom Bärengraben zum Friedhof, die 2 vom Friedhof zum Bärengraben.

1923 wurde die Strecke ins Fischermätteli eröffnet und mit der Linie ins Brückfeld verknüpft, das Wabern-Tram, schon damals die Linie 9, endete am Bahnhof. Nach dem Umbau des Bubenbergplatzes wurde der Linienplan 1930 erneut durchgeschüttelt. 12 Linien, so viele wie nie mehr, führte die Städtische Strassenbahn Bern (SSB).

18,2 Kilometer lang war das Schienennetz damals, diese Rekordlänge von 1932 sollte für 78 Jahre Bestand haben: Mit der Eröffnung der Linien nach Bümpliz und Bethlehem nächsten Sonntag wächst das Tramnetz auf 24,2 Kilometer an; zählt man die in Zukunft auch von Trams befahrene RBS-Strecke vom Egghölzli nach Worb dazu, sinds sogar knapp 32 Kilometer.

1939: Neun Buslinien

Mit den Dreissigerjahren endete der Siegeszug des Trams in Bern. Zur Erschliessung der Vororte stellte sich die Strassenbahn als zu teuer heraus (siehe auch Kasten). Schon 1924 nahm die Stadt-Omnibus Bern (SOB) ihren Betrieb auf: Die Linie O fuhr nach Ostermundigen, die Linie B nach Bümpliz. Ein Jahr später folgte die Linie G nach Gurten-Gartenstadt und 1926 die Linie K nach – ja, genau – Köniz. 1939 gabs bereits neun Buslinien.

1965: Drei Tramlinien

Zwei Jahre später begann die Demontage des Trams: Trolleybusse ersetzten ab 1941 die älteste Tramstrecke der Stadt, die Linie 1 vom Bahnhof zum Bärengraben, die dafür bis in die Schosshalde verlängert wurde. Ab 1959 ersetzten Busse die Trams in die Länggasse, 1965 fuhr die letzte Strassenbahn auf der Linie 11 zwischen Güterbahnhof und Brückfeld. Danach mass das Tramnetz noch knapp 13 Kilometer, befahren von den noch bis nächsten Sonntag aktuellen drei Tramlinien 3, 5 und 9.

Schon 1947 reduzierten die im aus der Fusion von SSB und SOB entstandenen Städtischen Verkehrsbetriebe Bern (SVB) das Berner Tramangebot auf symbolischer Ebene: Sie gaben die nach Fahrtrichtung getrennte Liniennummerierung auf. Folge: Die geraden Linien verschwanden für lange, lange Zeit – für 63 Jahre, um exakt zu sein: Ab nächsten Sonntag fährt eine Linie 6 vom Fischermätteli nach Worb und eine Linie 8 vom Saali nach Brünnen Westside.

1973: Eine neu Strecke

Zwar verlängerte die Städtische Strassenbahn Bern (SSB) 1946, im letzten Jahr ihres Bestehens, die Linie 5 vom Burgernziel um 700 Meter bis zum Ostring. Doch erst die SVB konnten 1973 wieder ein zünftiges Stück Tramstrecke eröffnen: Die Linie 3 erschloss vom Burgernziel her die neu gebaute Hochhaussiedlung im Saali. Immerhin fast zwei Kilometer neue Tramschienen kamen damals hinzu.

So betrachtet ist die anstehende Inbetriebnahme der neuen Tramlinien mit 7 Kilometern Neubaustrecke wahrlich ein historischer Moment für Bern. In 120 Jahren Berner Tramgeschichte ist das Netz nie auf einen Ruck so stark gewachsen.

2017: Das nächste neue Tram?

Spätestens mit diesem Augenblick beginnt die zweite Blütezeit des Berner Trams: Bereits in Planung ist die Umstellung der überfüllten Buslinie 10 Ostermundigen–Köniz auf Trambetrieb, welche für 2017 vorgesehen ist. Danach steht eine Tramlinie für die Achse Länggasse–Wyler auf der politischen Agenda.

Hier fängt die Zukunft an. Zuvor wagt Bern am Sonntag den Schritt in die Gegenwart (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.12.2010, 07:49 Uhr

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