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Der «stille Superstar» besucht die Bundesstadt

Von Andreas Saurer. Aktualisiert am 07.09.2010

Christian Wulff, der neue deutsche Bundespräsident, ist «ein stiller Superstar» mit dem «diskreten Charme der Seriosität». Am Mittwoch kommt der 51-Jährige für einen zweitägigen Staatsbesuch nach Bern.

Am Mittwoch empfängt Bern den deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff. (Bild: Keystone )

Bern sperrt einige Strassen

Nach gut zwei Monaten im Amt besucht der deutsche Bundespräsident Christian Wulff mit Ehefrau Bettina Körner die Schweiz. Am Mittwoch werden Wulff und die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard in Bern mit militärischen Ehren empfangen. Anschliessend stehen ein Gespräch und ein Treffen mit Wirtschaftsvertretern auf dem Programm. Zu den Gesprächsthemen dürften der Fluglärmstreit und die Verhandlungen über ein neues Doppelbesteuerungsabkommen gehören. Am zweiten Tag führt die Reise nach Lausanne, wo Wulff die Eidgenössische Technische Hochschule besuchen wird. Wegen des Staatsbesuchs bleiben am Mittwoch in Bern mehrere Strassen und Plätze zeitweise gesperrt, etwa die Bundesgasse, die Kochergasse und die Amthausgasse. sda/phm

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Christian Wulff hat einen fulminanten Start als deutscher Bundespräsident hingelegt: Am 2. Juli wurde er im Bundestag vereidigt. In den drei darauffolgenden Wochen absolvierte er Antrittsbesuche in nicht weniger als sechs Ländern.

Bei seinem Abstecher an die Fussballweltmeisterschaft nach Südafrika sagte Wulff spontan, dass Bundestrainer Joachim Löw den Verdienstorden der Bundesrepublik bekomme und stellte den Nationalspielern das Silberne Lorbeerblatt in Aussicht. Etwas überstürzt, wie sich kurz darauf zeigte, denn der Weg zu derartigen Ehrungen ist in Deutschland langwierig und stark bürokratisiert. Ohne den Einbezug der betroffenen Bundesländer etwa geht da gar nichts.

Ferien bei Maschmeyer

Dann ging auch Wulff mit Frau Bettina und Kind in die Ferien. Als bekannt wurde, dass der Präsident in der Villa des schillernden und schwerreichen Finanzunternehmers Carsten Maschmeyer auf Mallorca logierte, löste das in seiner Heimat einen ersten kleinen Entrüstungssturm aus. Natürlich bezahlte Wulff seinen Aufenthalt, trotzdem aber bleibt für den «Spiegel» die «Sache anrüchig». Die Partys von Maschmeyer, der seit letztem Jahr mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert ist, sind in Hannover legendär. Maschmeyer ist Gründer des Finanzdienstleisters AWD, den er 2008 an Swiss Life verkauft hat.

Insgesamt aber sind die Medien bisher nachsichtig mit Wulff. Er bezahle Lehrgeld im neuen Amt; das sei der Übereifer des Musterschülers. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) tut Wulffs Fauxpas als «Stilfragen» ab, druckt allerdings trotzdem eine grosse Story über «die Erbfreundschaften von Hannover» und das Konfliktpotenzial, das in der überschaubaren niedersächsischen Hauptstadt lauert, in der Wulff seit 2003 als Ministerpräsident wirkte. «In Hannover pflegt die Prominenz eine Kumpanei hart an der Grenze zur Anrüchigkeit», schreibt die FAZ.

«Am Ziel der Träume»

«Gekonnte Unauffälligkeit» liest der80-jährige Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger im Gesicht des Bundespräsidenten. Er trifft damit im «Zeit-Magazin» in bemerkenswerter Kürze, was Beobachter und Kommentatoren seit Jahren über die Qualitäten und Defizite von Deutschlands jüngstem Bundespräsidenten schreiben. Er sei ein «stiller Superstar» mit dem «diskreten Charme der Seriosität» konnte man in der deutschen Presse schon 2003 lesen. Wulff selbst sagte damals, als Ministerpräsident von Niedersachsen sei er «am Ziel seiner politischen Träume» angelangt. Umfragen wiesen ihn zeitweise gar als beliebtesten Politiker Deutschlands aus.

Macht- und Familienmensch

Vor zwei Jahren stellte der Jurist Wulff in einem Stern-Interview klar, ihm fehle «der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles andere unterzuordnen». Es waren ihm zum wiederholten Mal Ambitionen aufs Kanzleramt nachgesagt worden. Kurz zuvor hatte er auch privat die Weichen neu gestellt: Nach seiner Scheidung heiratete er im März 2008 die 15 Jahre jüngere Pressereferentin Bettina Körner, mit der er inzwischen einen gemeinsamen Sohn hat.

Nie explizit ausgeschlossen hat Wulff dagegen die Präsidentenrolle. «Zusammenführen, Gräben zuschütten, Brücken bauen, Zwischentöne beachten», zählte er kurz vor der Wahl in der «Welt» die Qualitäten, die er für dieses Amt mitbringe, gleich selber auf. Dass Wulff einst einer der «jungen Wilden» war, die gegen die erstarrten Parteistrukturen in der CDU unter Helmut Kohl kämpften, kann man sich heute nur schwer vorstellen. Der neue deutsche Präsident gilt als Politiker der sanften Töne, als verlässlich und ehrlich.

Auf Augenhöhe

Kurz vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung in Berlin sagte er im Juni dem Schweizer Fernsehen: «Ich bin ein engagierter Anhänger von sehr guter Nachbarschaft zu allen unseren Nachbarn.» Und zum deutsch-schweizerischen Verhältnis erklärte er: «Die Schweiz und Deutschland können viel voneinander lernen und sollten sich auf Augenhöhe begegnen.»

Dass er erst im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten gewählt wurde, kommentierte Wulff augenzwinkernd: «Es ist wie immer bei mir, im dritten Versuch klappt es dann doch.» Tatsächlich ist es ihm auch erst im dritten Anlauf gelungen, Ministerpräsident von Niedersachsen zu werden. 1994 und 1997 war er dabei Gerhard Schröder unterlegen, der natürlich auch zu den guten Freunden von Carsten Maschmeyer gehört.

Der Schweiz-Besuch aber klappt nun ausnahmsweise beim ersten Versuch. Und überraschend schnell – weil Wulff die Einladung von seinem am letzten Mai-Tag Hals über Kopf abgetretenen Vorgänger Horst Köhler sozusagen geerbt hat. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.09.2010, 07:06 Uhr

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