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Der lange Winter verzögert die Räumungsarbeiten

Von Simone Wölfli. Aktualisiert am 13.03.2010

Bis Ende Mai müssen die Oldtimerwracks auf dem Grundstück von Franz Messerli in Kaufdorf endgültig weggeräumt sein. Bleibt es länger so kalt, kann diese Frist einmal mehr nicht eingehalten werden.

Witnerschlaf: Diese Autos wurden zwar ersteigert, warten aber noch auf die Abholung durch die Besitzer.

Urs Baumann

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Zwei gefleckte Katzen streunen zwischen rostigen Metallteilen. Dann erforschen sie die zerschlissenen roten Kunststoffpolster in einem Autowrack. Ein grosser, schmutzig-weisser Eisbär aus Stoff lehnt an einer ausgehöhlten Kühlerhaube. «Den fanden wir in einem Autowrack», erzählt Roger Linder, Angestellter der Messerli Abbruch GmbH, der der Autofriedhof in Kaufdorf gehört. Linder ist seit dem Herbst letzten Jahres mit der Räumung des Abbruchplatzes beschäftigt. Bis Ende Mai müssen sämtliche Schrott- und Autoteile auf dem Areal abtransportiert sein.

Der 50-Jährige sitzt täglich in seinem gelben Kran, fährt zu den ausgehöhlten, rostigen Oldtimern und hängt sie an den schweren Haken. Er zieht so Wagen um Wagen nach vorne zum Eingangsbereich, wo die ehemaligen Liebhaberstücke auf den Abtransport warten. 144 Autowracks sind unverkauft, 64 warten in Kaufdorf auf ihre Besitzer.

Metallene Skelette

Durchschnittlich fünf Wagen pro Tag könne Linder in dieser Jahreszeit transportieren. «Die Wetterbedingungen sind schwierig», sagt er und zeigt den grossen Abstellplatz hinter dem Betriebsgebäude. Zahlreiche Autowracks sind am Boden festgefroren. Wie metallene Skelette stehen die Wracks zwischen den Bäumen. Einige Räder sind mit dem Boden verwachsen, andere liegen bereits frei. «Falls die nächsten Tage wärmer werden, können wir den Räumungstermin wohl einhalten. Sonst wird es schwierig.» Ideal sei ein fester, aber nicht gefrorener Boden, «möglichst kein Pfludi».

«Hier steckt noch ein Stück Golf Variant», sagt Linder und zeigt auf einen Baum. Die Sonne lässt das metallene Teil der Stossstange aufblitzen, das im Laufe der Jahrzehnten mit dem Stamm eins geworden ist.

«Abholmoral ist schlecht»

Nicht nur das Wetter, auch Käufer, die ihre ersteigerten Oldtimer-Wracks lange nicht abholen, bescheren Linder Mehraufwand. «Die Käufer haben zum Teil eine schlechte Abholmoral.» Zahlreiche Wagen stünden im Eingangsbereich bereit und versperrten dringend benötigten Platz.

«I take pictures?» Ein Mann mit einer Kamera in den Händen nähert sich mit zögernden Schritten. Der Besucher heisst Mark Declercq und kommt aus Belgien. In seiner Heimat habe er vom Autofriedhof gelesen. «Meine Freunde haben mich beauftragt, hierherzukommen und Fotografien zu machen», sagt der 42-Jährige auf Englisch. Seine Freude am Autofriedhof ist offensichtlich. Diese Wagen seien wunderbare Kostbarkeiten, sagt er mit Begeisterung. Manch einer erinnere ihn an seine Kindheit oder – mit Blick auf einen Mustang – an seine Traumautos.

Keine Fristverlängerung

Frost hin oder her. Für den Kaufdorfer Gemeindepräsidenten Markus Borer (SP) ist die Räumungsfrist bis 31.Mai endgültig. «Eine Fristverlängerung kommt nicht mehr in Frage.» Anfang Juni werde die Gemeinde das Areal kontrollieren. Wenn Franz Messerli den Termin nicht einhalte, würde eine Räumung durch die Gemeinde und zu seinen Lasten es erfolgen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.03.2010, 13:15 Uhr

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