Bern

Der Tüftler vom Hi-Fi-Quartierladen

BernFranco Elia ist Elektrotechniker, Mozart-Liebhaber und Geschäftsinhaber: In seinem Elektronikladen am Seidenweg 2 steckt seine ganze Leidenschaft. Er repariert Geräte, statt sie zu entsorgen. Und seinen Kunden verkauft er nur das, was er selber auch kaufen würde.

Franco Elia ist einer der Letzten, die noch elektronische Geräte reparieren. Sein Geschäft ist in der Länggasse.

Franco Elia ist einer der Letzten, die noch elektronische Geräte reparieren. Sein Geschäft ist in der Länggasse. Bild: Beat Mathys

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Eigentlich hatte Franco Elia an jenem Sonntagmorgen vor gut vier Jahren am Seidenweg 2 nur ein Radio im Schaufenster gesehen, das es ihm angetan hatte. Dass er nach dem Radio ein paar Monate später auch gleich das ganze Geschäft vom alten Inhaber Fritz Wittwer übernehmen würde, hätte er sich damals nicht träumen lassen.

Zusammen mit dem Laden gehörte ihm nun ein Lager mit Hunderten von Occasionsgeräten – und viel, viel Staub. Drei Wochen lang sortierte er, entsorgte ein Drittel der Geräte und legte ein Drittel zum Reparieren weg. Das letzte Drittel war zum Verkaufen.

«Haben Sie mir einen Verstärker?» oder «Niemand will mir meine Stereoanlage reparieren. Können Sie mir helfen?» sind die häufigsten Fragen von Elias Kunden. Zu ihm kommen Leute wie jener ältere Herr, der seinen alten Verstärker in einem Hi-Fi-Discounter – «Ich nenne keinen Namen», sagt Elia – zum Reparieren abgegeben hat. Einige Zeit später erhielt er die Nachricht, dass das Gerät nicht zu flicken sei. Als er es abholen wollte, wurde ihm beschieden, dass es «schon lange entsorgt» sei und dass er doch bitte noch 80 Franken für die Umtriebe zahlen solle. Nie würde das einem seiner Kunden passieren, sagt Franco Elia.

«Normaler Quartierladen»

Elia mag es nicht an die grosse Glocke hängen, dass sein Ein-Mann-Hi-Fi-Laden aussergewöhnlich und er einer der letzten Elektrotechniker seiner Sorte ist. «Ich habe einen ganz normalen Quartierladen», sagt er und gibt nur zögernd zu, dass seine Kunden «ab und zu» auch extra aus Zürich oder aus Freiburg anreisen.

Neben den Hi-Fi-Anlagen verkauft Elia auch Elektronikspezialitäten nach Mass: etwa Lautsprecher, die aussehen wie ein gerahmtes Porträtbild, das die Kunden nach Wunsch gestalten lassen können. Oder er verkaufte eine Spezialkamera für einen Garagenbetrieb, der per SMS alarmiert werden will, wenn jemand einbricht.

Elia erzählt, wie er oft Mühe habe, in der Schweiz an Bau- und Ersatzteile zu kommen: weil es sie gar nicht gibt oder weil die Grosshändler unter 500 Franken gar nicht liefern. Elia muss deshalb in China bestellen. Noch nie habe er Probleme gehabt, dort das richtige Ersatzteil zu finden. «Egal, ob es nur 5 Euro kostet: Ich erhalte es portofrei geliefert. Und dann danken die Chinesen auch noch tausendmal für ‹the good business› und schicken zu Weihnachten die besten Glückwünsche.»

Mit den Ersatzteilen aus Asien gelingt es Franco Elia, viele Anlagen, die schon 30 oder 40 Jahre im Einsatz standen, wieder zum Laufen zu bringen. Aber Franco Elia ist keiner, der nur den alten Zeiten nachtrauert. «Es gibt sehr gute moderne Digitalanlagen», räumt er sofort ein. «Nur manchmal fehlt ihnen die Seele. Sie tönen zwar sehr sauber, aber auch trockener als eine alte analoge Anlage. Deshalb bedauert er auch: «Von den guten alten Marken wie Luxman, Cabre, Alchemist oder Grundig hört man nichts mehr.» Die Branche sei kurzlebig geworden. «Heute taucht täglich eine neue Marke auf und verschwindet wieder. Keine Firma hat mehr Interesse, Zeit und Geld in die Entwicklung eines Geräts zu investieren.»

Erst Anlage, dann Musik

Vor einigen Jahren, erinnert sich der Tüftler, interessierten ihn an einer Hi-Fi-Anlage vor allem die Kabel und Transistoren. «Mit den Jahren begann mir auch die Musik zu gefallen.» Franco Elia schwärmt: «Es ist wunderbar, einem Schlagzeugton zu folgen, wie er sich aufbaut, dann wieder leiser wird. So einen Ton kann man richtig plastisch sehen. Und es läuft einem kalt den Rücken herunter.» Und er fügt hinzu: «Aber dazu muss man eine gute Anlage haben, die richtig verkabelt ist.»

Wenn der Elektrotechniker das richtige Ersatzteilchen für einen alten Verstärker findet, ist er genauso glücklich, wie wenn er eine Mozart-Oper hört – auf einer guten Anlage, natürlich.

Esther Diener-Morscher> (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.01.2012, 07:19 Uhr

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