Der Pöstler singt nicht mehr
Daniel Kohler kurvt auf seinem Roller durch Büren zum Hof und verteilt die Post. (Bild: Susanne Keller)
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Der Motor des gelben Rollers surrt. Daniel Kohler fährt um die Ecken der Bauernhäuser in Büren zum Hof. Manchmal berührt ein Bein in den Kurven den Boden. Kohler steigt vom Roller. Ein Blick. Ein Griff. Dann ist die Post im Briefkasten. Und wieder surrt der Motor.
In Büren zum Hof gibt es seit sieben Jahren keine Poststelle mehr. Die Schweizerische Post hat dafür den Hausservice eingeführt. Das heisst, die Leute können ihre Postgeschäfte beim Briefträger erledigen. Dieser nimmt vormittags Briefe, Pakete oder Einzahlungsscheine entgegen und bringt sie zur nächsten Poststelle nach Fraubrunnen, das einen Kilometer entfernt ist. Laut Kohler benützt rund ein Viertel der Einwohner in Büren zum Hof den Hausservice, vorwiegend ältere Menschen. Die Schweizerische Post möchte den Dienst nun vermehrt an Stelle von Poststellen anbieten. Am Mittwoch hat sie eine Liste veröffentlicht, auf der 420 Poststellen aufgeführt sind. Diese will die Post bis 2011 überprüfen und möglicherweise in eine Agentur umwandeln oder durch den Hausservice ersetzen.
Vertrauen in den Pöstler
Der Postangestellte Daniel Kohler klingelt, Vreni Günter öffnet die Türe. Sie ist eine der wenigen Personen in Büren zum Hof, die den Briefträger Einzahlungen erledigen lässt. Wenn Vreni Günter nicht zu Hause ist, deponiert sie im Milchkasten Einzahlungsscheine, das gelbe Quittungsbüchlein und Geld – bis zu 1000 Franken. «Ich bin froh, dass ich nicht nach Fraubrunnen fahren muss, um Telefonrechnungen zu bezahlen. Ich habe Vertrauen in den Pöstler.»
Dennoch bedauert Vreni Günter, dass die Poststelle im Dorf verschwunden ist. «Die Pöstler haben keine Zeit mehr. Die Hektik ist schlimm», sagt sie. «Früher hat unser Briefträger während der Arbeit gesungen und sich Zeit genommen zum Plaudern. Heute kenne ich nicht einmal mehr die Namen der Pöstler. Immer wieder kommt ein anderer.»
«Zügig» arbeiten
Daniel Kohler fährt zu einem Einfamilienhaus. Er hält an, eilt über den Vorplatz und wirft die Post in den Briefkasten: 23 Sekunden. Kohler fährt weiter. Stopp. Er wirft Briefe in den Kasten: 12 Sekunden. Weiter. Stopp. Briefe im Kasten: 7 Sekunden. «Man hat sein Tempo. Ich versuche zügig zu arbeiten», sagt Kohler. Auch er stellt fest, dass die Arbeit der Briefträger hektischer geworden ist. Im Hausservice sieht er aber «nur Vorteile» für die Kunden, da diese nicht wie früher zur Poststelle gehen müssten und dadurch Zeit sparten.
Dieser Meinung ist auch Gaby Stampfli, die in Büren zum Hof ein Geschäft führt und biologische Produkte verkauft. Sie verschickt Pakete in die ganze Schweiz. «Früher musste ich die Pakete 500 Meter weit zur Poststelle schleppen. Heute werden sie vor meinem Haus abgeholt», sagt Stampfli. «Der Hausservice hat eindeutig eine Verbesserung gebracht.» Sie hoffe, dass die Post den Dienst nicht plötzlich abschaffe. Dann müsste sie ihre Pakete nämlich nach Fraubrunnen bringen und dort Schlange stehen.
Briefe nimmt er mit
Daniel Kohler ist beim letzten Haus auf seiner Tour angekommen. Ein Schild hängt am Briefkasten. Dies bedeutet, dass der Briefträger den Milchkasten öffnen muss. Hedy Berger hat darin einen Brief deponiert, den Kohler mitnimmt. Hedy Berger sagt: «Seit wir keine Poststelle mehr haben, bin ich froh, dass es den Hausservice gibt.» Ihre Rechnungen bezahlt sie aber nicht mehr bei der Post, sondern bei der Bank.
Das Surren des Motors hört auf, Kohler stellt seinen gelben Roller an den Strassenrand. Er sagt: «Am Anfang haben wir oft negative Reaktionen bekommen, als der Hausservice eingeführt wurde. Jetzt haben sich die Leute daran gewöhnt.»
Es ist Mittag. Beim Verteilen der Post darf Kohler nicht rauchen. Doch nun dreht er sich eine Zigarette. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.04.2009, 10:06 Uhr
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