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Den Berner Ladendieben auf den Fersen

Von Urs Wüthrich. Aktualisiert am 09.12.2011 1 Kommentar

In der vorweihnächtlichen Zeit sind viele Langfinger unterwegs. Detektiv Pavel Müller und sein Team stöbern in Bern Ladendiebe auf – in Geschäften und auf der Gasse.

1/4 Ausschau nach potenziellen Dieben. Detektiv Müller hat so seine Erfahrungen, wer als Ladendieb infrage kommen könnte.
Bild: Urs Baumann

   

1425 Diebstähle

City-Spion ist eine Dienstleistung der Detektei Müller. Kunden werden von professionellen Detektiven regelmässig und täglich frequentiert. Ladendiebe werden diskret und nach den Vorgaben des Gesetzes angehalten. Die Dienstleistung kostet monatlich zwischen 500 und 3500 Franken. Pavel Müller konnte mit seinem Einsatz die Inventurdifferenz eines Grossverteilers innert zwei Jahren von 1,3 auf 0,7 Prozent senken, das heisst den Verlust durch gestohlene Waren von ursprünglich 65'000 auf 35'000 Franken mässigen. In der Innenstadt wurden durch die Detektei in den letzten zwei Jahren 1425 Diebstähle aufgedeckt, Waren im Wert von über 125'000 Franken. 375 Diebstähle wurden von Frauen begangen, 1050 von Männern. Beliebteste Diebesgüter sind: Parfüms und Kosmetika, Fleisch, Computergames, Schuhe, Bekleidung, Sonnenbrillen. In der Weihnachtszeit auch Champagner und Wein.

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«Der Typ dort mit der schwarzen Kapuze hat eine ganz spezielle Masche», sagt Pavel Müller und zeigt am Bahnhofplatz auf einen jüngeren Mann, «der klaut bei Grossverteilern, den habe ich auch schon erwischt.» Die spezielle Masche will Müller nicht erklären. «Jetzt trinkt er Bier, und ich lasse ihn in Ruhe.»

Pavel Müller (29) ist Detektiv. Er lässt Ladendiebe auffliegen. 12 Geschäfte in der Innenstadt, zumeist Grossverteiler, Mode- und Warenhäuser, nehmen die Dienste seiner vor zwei Jahren gegründeten Detektei in Anspruch. Müller hat ein spezielles Konzept entwickelt, den City-Spion. Seine Methode besteht darin, Langfinger nicht nur in den Geschäften aufzuspüren, sondern potenzielle Täter bereits auf der Strasse zu erkennen. «Ich habe so meine Erfahrungen, wer als Ladendieb infrage kommt», sagt er. Zudem sieht er täglich Leute in der Stadt, die er bereits einmal- oder gar mehrmals erwischt hat. Wer ihm verdächtig erscheint, verfolgt er durch die Gassen. Betritt ein Dubioser ein Geschäft, folgt ihm Müller auf dem Fuss.

«Das Verhalten ist typisch»

Der Detektiv ist gelernter Polymechaniker, war dann in einem Geschäft als Hausdetektiv tätig und hat seinen Erfolg im heutigen Job vor allem dem Learning by Doing sowie verschiedenen Ausbildungen zu verdanken.

Pavel Müller ist in Zivil gekleidet, damit er bei seinen langen Märschen und Beobachtungen durch die Gassen nicht auffällt. «Ich komme täglich auf rund 30 Kilometer, ich habe das mittels Schrittzähler ausgerechnet.» Und bereits nach wenigen Metern sagt er: «Dort steht einer, den ich kenne – er klaut, weil er Hunger hat. Ich gehe ihm nach.» Müller betritt den Verkaufsladen, versteckt sich hinter einem Regal und beobachtet den Verdächtigen. «Das Verhalten von Ladendieben ist typisch», sagt der Detektiv, «sie konzentrieren sich mehr auf die Umgebung als auf die Produkte.»

Doch der Verdächtige verlässt den Laden nach kurzer Zeit, ohne dass er etwas gekauft oder geklaut hätte. Wer erwischt wird, wird von Müller und seinen Leuten angehalten. «Wenn der Warenwert 300 Franken übersteigt oder die Diebe keinen Ausweis auf sich tragen, müssen wir die Polizei einschalten.» Andernfalls werden die Langfinger nach Aufnahme der Personalien «entlassen». Aber dann sind sie noch lange nicht aus den Augen der Detektive verschwunden. Sie werden verfolgt und beobachtet, ob sie gleich im nächsten Geschäft abräumen. Dank dieser Verfolgermethode konnte Müller unlängst eine professionelle Diebesbande überführen. City-Spione verfolgten zwei Frauen in verschiedene Geschäfte, wo sie Kleider stahlen und die Waren nach jedem Beutezug einer Komplizin übergaben, die in einem Café wartete und das Diebesgut in einem Kinderwagen versteckte. Bei der dritten Übergabe – Müller hatte inzwischen die Polizei avisiert – wurde das Trio dingfest gemacht. Es kamen Kleider im Wert von mehreren Tausend Franken zum Vorschein. «Wir erwischen fast täglich jemanden, in den ersten Dezembertagen haben wir bereits 23 Diebstähle verhindert.» Es gebe auch Tage, die ruhig verlaufen. Müller und seine Angestellten bewegen sich im Gebiet zwischen Bubenbergplatz und Zytglogge. Auf schnellen Fersen besuchen sie ihre Kunden und machen im Laden mehrmals täglich die Aufpasserrunde.

Manche werden handgreiflich

Die Verkäuferinnen kennen die Detektive, aber sie grüssen einander nicht. «Das wäre auffällig», sagt Müller, der inzwischen in einem Überwachungsbüro in einem Warenhaus sitzt und die Bildschirme betrachtet. Ihm fällt nichts Aussergewöhnliches auf. Er spielt ein Video ein, das einen Tag zuvor aufgenommen wurde. Zu sehen ist ein junges Pärchen, das den Laden betritt und wenig später geklaute Kleider in eine Tasche steckt. Draussen vor der Tür werden sie von Müllers Leuten abgefangen. Die Frau kehrt ohne Umstände zurück ins Geschäft, der Mann wird handgreiflich, hat schliesslich aber keine Chance, zu entkommen. Müller verlässt den Laden, marschiert zu einem anderen Kunden, läuft Regalen entlang, schaut auf Spiegel, die er an Decken montieren liess. «Dort hinten steht eine Frau, die eine teure Körpercreme in die Hand genommen hat», sagt er.

Der Griff ins Gestell entpuppt sich als Fehlalarm, die Kundin legt das Produkt nach einigen Minuten des Abwägens wieder zurück. Auch Müller ist wieder zurück, in einem Geschäft, das er bereits vor einer Stunde besucht hatte. Hier werden Computerspiele und DVDs angeboten. «Diese Dinge stehen bei Ladendieben ganz oben auf der Liste», sagt er. Und er demonstriert einen simplen Trick, wie man die Alarmanlage beim Ausgang übertölpeln kann. Dann weiter, in ein Kleidergeschäft. Müller geht in die Umkleidekabinen und schaut hinter die Spiegel. «Da stecken jeweils die Etiketten der gestohlenen Kleider.» Er findet nichts. Es ist ein ruhiger Tag. Detektiv Pavel Müller geht essen. Das Telefon klingelt – er springt auf und rennt los. Die Bilanz der Spione an diesem Tag: Sie haben vier Diebstähle verhindert und einen der Täter gleich in zwei Geschäften überführt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.12.2011, 11:15 Uhr

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1 Kommentar

Fritz Flury

09.12.2011, 18:04 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Intressante Einblicke die uns da in eine Überwachungssoftware gewährt werden. Das aktuelle Datum oben scheint der 7.12. zu sein, während Clips noch vom 28.11. gespeichert sind! Da scheinen gesetzliche maximale Speicherzeiten von 24Std oder 7 Tagen schlichtweg nicht beachtet zu werden! Antworten



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