Demonstranten randalierten, die Polizei setzte Pfefferspray ein
Von Christoph Aebischer. Aktualisiert am 23.01.2012 9 Kommentare
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Die ersten Personen landeten schon kurz nach 13 Uhr im Festhalte- und Warteraum im P+R Neufeld, die nächsten um 14 Uhr. Da lief noch alles wie am Schnürchen. Nach rund einer Stunde waren sie bereits wieder draussen. Doch im Verlauf des späteren Nachmittags trafen mehrere Kastenwagen und zwei Cars voller festgenommener Demonstranten ein. 171 insgesamt, wie die Polizei gestern in einem Communiqué vermeldete. Die Identifizierung und «Abarbeitung» kam ins Stocken. Das Prozedere, bis die Arretierten im Gitterkäfig sassen, wo Toiletten, Wasser und ein Schokoriegel warteten, dauerte plötzlich viel länger.
Grenadiere stürmen Käfig
Um 17.30 Uhr rückten plötzlich Grenadiere mit Blaulicht an. Drinnen, stellte sich nachträglich heraus, machten Arretierte Zoff. Ein 25-jähriger Mann aus dem Wallis, einer der Festgenommenen, berichtet am Tag danach: «Sie stürmten einen Käfig und setzten Pfefferspray ein.» Die Polizei habe provoziert, unter anderem hätten Festgehaltene stundenlang im Bus ausharren müssen. «Weil jemand nicht auf die Toilette durfte, machte er sich in die Hose», erzählt er. Polizeisprecher Michael Fichter weiss von keinem solchen Vorfall. «Wer fragt, wird auf die Toilette begleitet», sagt er grundsätzlich.
Fichter bestätigt aber die Ausschreitungen im Festhalteraum: «Demonstranten rüttelten am Gitter. Nach mehrmaligem Aufruf zur Mässigung drangen Polizisten ein, setzten Pfefferspray ein und fesselten einzelne Personen.» Die Aggressionen seien «wellenartig» aufgetreten. Um ein Uhr nachts waren laut Communiqué sämtliche Personen wieder auf freiem Fuss. 153 werden angezeigt, gegen 140 war verfügt worden, dass sie sich 24 Stunden von der Innenstadt fernzuhalten hätten.
Doppelt so viel Platz
Der Festhalte- und Warteraum ist Teil des Polizeistützpunktes im P+R Neufeld. Neben fixen Installationen wurde er vorige Woche um ein Provisorium erweitert . Es stand etwa doppelt so viel Platz zur Verfügung. Die arretierten Personen kommen gefesselt an. Die Kabelbinder werden vor der Leibesvisitation in geschlechtergetrennten Kabinen entfernt. «Ausziehen müsste sich nur jemand, bei dem eine Waffe gefunden würde», erläutert Ralph Ryser, Chef der Regionalfahndung, bei einem vorgängigen Besuch der geheizten Anlage. Jede Person erhält ein Merkblatt. Nach fünf Minuten sollte sie in den nach Geschlecht und Alter getrennten Gitterkäfigen landen. «Von dort werden die Personen zur Befragung abgeholt», sagt Laura Marinello, Chefin der Spezialfahndung 5 der Kriminalpolizei. Jugendliche würden prioritär behandelt. Nachdem geregelt ist, ob jemand angezeigt wird und/oder eine Fernhalteverfügung erhält, werden die Festgehaltenen freigelassen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 23.01.2012, 06:37 Uhr
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9 Kommentare
Ich fand den Einsatz der Polizei gerechtfertigt. Mir geht es langsam auf den Sack, mich um meine Gesundheit fürchten zu müssen, nur wenn ich in der Altstadt einkaufen gehen will... Man hätte ALLE Teilnehmer dieser unbewilligten Demo einige Tage in Gewahrsam nehmen sollen. Antworten
Tragisch wirklich tragisch, er machte sich in die Hose. Meine Güte dieser ganz arme Demonstrant. Wahrscheinlich hatte er aber vorher Petarden dabei und wollte damit andere, sprich unschuldige Zivilisten, gefährden. Man muss auch nicht auf die Strasse, er hätte ja auch daheim arbeiten können, nur kennt der gute Mann dieses Wort wahrscheinlich nicht. Schade ging man nicht noch härter gegen sie vor! Antworten
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