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Das verletzliche Herzstück der Wasserversorgung muss geschützt werden

Von Christoph Aebischer. Aktualisiert am 03.08.2011 3 Kommentare

Seit letztem November ist das Herzstück der Berner Wasserversorgung nicht mehr Tag und Nacht besetzt. Der Wasserverbund will das Pumpwerk in der Schönau deshalb besser schützen. Die Projekteingabe für einen Zaun wurde vor über einem Jahr deponiert, entschieden ist noch nichts.

Bernhard Gyger setzt sich seit über einem Jahr dafür ein, dass das Pumpwerk Schönau durch einen etwa mannshohen Zaun geschützt wird. Er steht immer noch nicht.

Bernhard Gyger setzt sich seit über einem Jahr dafür ein, dass das Pumpwerk Schönau durch einen etwa mannshohen Zaun geschützt wird. Er steht immer noch nicht.
Bild: Urs Baumann

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Der Denkmalpfleger wollte keinen Zaun um das Hauptpumpwerk der Berner Wasserversorgung in der Schönau erlauben. Und der Regierungsstatthalter unterstützte ihn vorerst. Doch für den Wasserverbund steht ausser Frage: Das Pumpwerk Schönau muss besser gesichert werden. Nun scheint sich die blockierte Situation zu entspannen, wie Bernhard Gyger, Geschäftsführer des Wasserverbunds Region Bern, antönt: «Ein Zaun kommt. Die Frage ist nur noch, wo, in welcher Ausführung und wie hoch.»

Bereits Ziel eines Anschlags

«Wir fragen uns schon lange, wie krank ein Mensch sein muss, um die Wasserversorgung einer Stadt zu attackieren», erzählt Gyger. Unbestritten ist sie eine neuralgische Stelle. In Amerika gleichen Reservoirs veritablen Bunkern. Diese Überlegungen haben für Gyger mit dem Massaker in Oslo plötzlich dringende Aktualität erhalten. Die Wasserversorgung Berns war bereits einmal Ziel eines Anschlags. «Die Béliers schütteten während des Jurakonflikts im November 1972 einmal einen Kanister Öl ins Könizberg-Reservoir.»

Bis auf das Pumpwerk sind heute alle wichtigen Anlagen des 2007 geschaffenen Wasserverbunds umzäunt. Verständlich also, dass man sich Gedanken macht zum Schutz der lebenswichtigen Infrastruktur. «Von hier aus werden 186'000 Personen aus neun Gemeinden mit Trinkwasser beliefert», erläutert Gyger.

Zumal sich die Ausgangslage verändert hat: Bis im November war die frei zugängliche Anlage Tag und Nacht besetzt, weil die Leitstelle im Gebäude untergebracht war, seit neun Monaten ist das nicht mehr so: «Die Leitstellen für Gas, Elektrizität und Wasserversorgung wurden zusammengefasst», sagt Gyger.

Viel Volk rund ums Haus

«Bei schönem Wetter haben wir viele Leute rund ums Gebäude», fährt er weiter. Sie legen ihre Badetücher auf den Vorplatz, klettern an der aus rauen Blöcken gemauerten Fassade herum oder hausen gar hier, wie Gyger erzählt. «Letztes Jahr lebte monatelang ein Clochard auf dem Gelände.» Paranoid wirkt Gyger keineswegs, wenn er seine Gedankengänge weiterspinnt: «Wir können die Absicht eines Fassadenkletterers nicht ergründen.» Eventuell wolle dieser ja ins Gebäude eindringen und dort Gift ins Trinkwasser schütten. «Damit könnte er alle Bernerinnen und Berner treffen», meint er.

Deshalb leitete der Wasserverbund schon im Juli 2010 Massnahmen zum besseren Schutz der Anlage ein. Für Verwaltungsratspräsidentin Dora Andres, ehemalige Polizeidirektorin des Kantons Bern, sei dies von Anfang an einsichtig gewesen – nicht aber für die Behörden. Das Gesuch ist immer noch hängig.

Zaun ermöglicht Kontrolle

Dabei tönt Gygers Argumentation einleuchtend: «Sobald wir einen Zaun haben, können wir den Bereich dahinter mit Videokameras überwachen. Taucht darin jemand auf, ist das ein Alarmsignal», so Gyger. Im Notfall könnte die Leitstelle das Pumpwerk sofort stoppen. Reaktionszeit gibt es im Unterschied zu den Zuleitungen und Reservoirs keine.

Von Belp her braucht das Wasser beispielsweise zwei Stunden. Dort wird es laut Gyger analytisch und mit Fischen überwacht. Die Elritzen werden mit einer Kamera beobachtet. Verhalten sie sich anormal, wird Alarm ausgelöst.

Regierungsstatthalter Christoph Lerch räumt zwar ein, dass das Verfahren bereits lange dauere. Der städtische Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross habe sich gegen einen Zaun ausgesprochen, weil dieser das Erscheinungsbild des Gebäudes beeinträchtigen würde. «Wir verlangten vom Bauherrn, dass er zuerst andere Massnahmen prüft», fügt Lerch an. Doch ohne Zaun scheine es nicht zu gehen. «Der Denkmalpfleger sucht nun gemeinsam mit dem Wasserverbund eine Lösung und bat mich, noch keinen Entscheid zu fällen.» Für Lerch ist die lange Dauer des Verfahrens unschön, aber kein Versagen der Behörden. Tatsächlich komme der Einschätzung des Denkmalpflegers beinahe Vetocharakter zu. Wichtiger sei jedoch die Versorgungssicherheit. Jean-Daniel Gross sei sich seiner speziellen Stellung bewusst und nutze diese nicht aus. Der Denkmalpfleger spielt den Ball zurück an Gyger: «Wir blockieren nichts. Wenn die Bauherren mit den Plänen auf uns zukommen, werden wir relativ fix eine Lösung finden.»

Gyger vom Wasserverbund stellt klar: «Wir haben unsere Vorstellungen längst deponiert. Das Projekt wurde publiziert. Es geht uns nicht darum, das Gebäude hinter einem Maschendrahtzaun zu verbarrikadieren. Eine zwei Meter hohe Abgrenzung reicht durchaus.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.08.2011, 08:12 Uhr

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3 Kommentare

Freddy Hinz

03.08.2011, 09:08 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Schon wieder die Denkmalpflege! Die sägen und feilen überall ein bisschen, vorallem dort wo's dem Bürger schadet. Alternative Energie wäre wichtig - die Denkmalpflege verhindert Isolationen und Sonnenkollektoren. Trinkwasser ist wichtig - die Denkmalpflege verhindert den Schutz diese Lebenselixiers. ICH MEINE, ES REICHT JETZT! Die sollen Aufgaben differenzierter wahrnehmen. Antworten


Erich Stocker

03.08.2011, 10:58 Uhr
Melden 1 Empfehlung

da wird ja mal wieder panik verbreitet... alles ist heutzutage unsicher. wir sollten alle auch 2.5meter hohe zäune um unsere häuser ziehen und mit stacheldraht absichern. wie soll das bloss enden? Antworten



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