Das endgültige Aus für Deisswil
Von Ralph Heiniger. Aktualisiert am 14.05.2010 1 Kommentar
Artikel zum Thema
Hess: «Investorengruppe an der Angel»
Eines ist sicher: Karton wird in Deisswil nicht mehr produziert. Es gibt jedoch andere Möglichkeiten, die Fabrik zu nutzen. Für Alternativen interessiert sich neben den direkt betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die Gemeinde Stettlen.
«Deswegen hat sich die Gemeinde inzwischen mit einer namhaften, seriösen Investorengruppe verbunden, die eine Übernahme der Karton Deisswil anbietet», sagt Stettlens Gemeindepräsident Lorenz Hess (BDP). Um wen es sich dabei handelt und was diese Investorengruppe in Deisswil produzieren möchte, will Hess nicht preisgeben. «Es gibt viele Möglichkeiten für eine Nutzung», so Hess.
Nur so viel: Es handelt sich bei den Investoren um Schweizer, die vom Mayr-Melnhof-Konzern das gesamte Areal übernehmen möchten. Gemäss der Gemeinde Stettlen erstreckt sich die Kartonfabrik auf einer Fläche von 100000 Quadratmetern. Die gesamte Fläche befindet sich in einer Gewerbe- und Industriezone. Hess möchte an diesem Ort wieder Arbeitsplätze ansiedeln. Das Areal als Bauland zu verkaufen oder Loftwohnungen einzurichten, ist vorläufig keine Option.
Sozialplan: Erst ohne MM
Ab nächster Woche werden die Gewerkschaft Unia, die Betriebskommission und die Geschäftsleitung gemeinsam über den Sozialplan verhandeln. Dabei geht es aber vorläufig lediglich um einen Verteilungsschlüssel und die Beurteilung von Härtefällen. Über Geld entscheiden kann ausschliesslich der Mayr-Melnhof-Konzern.
Ein Gewitter zieht auf. Doch das ist Nestor Arrizoli und Daniel Balsiger egal. Die beiden langjährigen Mitarbeiter klettern am Mittwochnachmittag auf das Dach der Kartonfabrik Deisswil. «Es ist ein himmeltrauriger Moment», sagt Balsiger. Nach Jahren harter Arbeit folgt nun der letzte Akt, der traurige Abschluss eines Stücks Industriegeschichte. Mit dem ersten Donnerschlag, exakt um 16.27 Uhr, hissen sie auf dem Firmendach die schwarze Fahne. Es ist vorbei. In Deisswil wird nie wieder Karton produziert.
Was die meisten Mitarbeiter bereits vermutet hatten, wurde gut zwei Stunden vorher für alle zur bitteren Gewissheit. «Die Schliessung und die Massenentlassung wurde am Dienstag vom Mayr-Melnhof-Konzern (MM) bestätigt», sagte Geschäftsführer Stephan Schneider zu seinen Mitarbeitern, die sich in der Altpapierhalle versammelt hatten. Die Vorschläge für eine Zukunft der Kartonproduktion in Deisswil wurden vom österreichischen Mutterhaus abgeschmettert. Von einer Übernahme durch einen betriebsfremden Investor oder einem Management-Buyout – dem Verkauf der Fabrik an das Deisswiler Management oder die Angestellten – will MM nichts wissen. Am Montag werden die Angestellten den blauen Brief erhalten.
Enttäuschung, Ohnmacht
Auch wenn fast alle Anwesenden mit diesem Resultat gerechnet hatten, Enttäuschung und Ohnmacht waren in der Halle deutlich zu spüren. «Man hätte hier in Deisswil weiterhin Karton produzieren können», sagte Gewerkschafter Roland Herzog. «Ohne Investitionen geht es aber nicht.» Trotz der Enttäuschung rief er die Mitarbeiter anschliessend dazu auf, weiterzukämpfen. «Diese Auseinandersetzung ist bei weitem nicht fertig. Sie geht jetzt einfach in die nächste Runde.»
In dieser nächsten Runde geht es vor allem darum, einen guten Sozialplan für alle Betroffenen auszuhandeln. Es stellt sich auch die Frage nach möglichen Alternativen für eine industrielle Produktion auf dem Gelände der Kartonfabrik.
Vorwärts, nicht zurück
Es schien bei der Betriebsversammlung so, als wolle Schneider nicht mehr in die Vergangenheit zurückblicken. Stattdessen versuchte er seine Mitarbeiter auf die schwierigen Aufgaben vorzubereiten, die jetzt noch vor ihnen liegen. Für die meisten beginnt eine Phase der Neuorientierung. Die Suche nach einem neuen Job.
Um den Mitarbeitern dabei zu helfen, hat sich die Geschäftsleitung Verstärkung geholt. Ein externes Personalberatungsbüro wird ab Montag Gespräche und Kurse mit den Deisswilern durchführen. «Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, damit jeder am Ende seiner Kündigungsfrist eine Perspektive für die Zukunft hat», versprach Schneider. (Berner Zeitung)
Erstellt: 14.05.2010, 07:59 Uhr
Kommentar schreiben
1 Kommentar
Wird der Mutterkonzern MM nicht in die Verantwortung genommen? Dieses asoziale, unethisch und unmoralisch aktierende Unternehmen sollte für dessen fragwürdige Politik gerade stehen müssen. In den Worten Uderzo's: Die spinnen die MM. Mir tun die Mitarbeiter Leid. Nun ist die Politik gefragt. Unsere Bundesräte müssen handeln. Der fehlbare Konzern muss für die Untaten geradestehen und bluten. Antworten
Region
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.






