Region
«Das Buskers ist auf Bern zugeschnitten»
Von Mirjam Messerli. Aktualisiert am 05.08.2009
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Vor fünf Jahren habt ihr das erste Buskers-Festival eröffnet. Was ging euch damals durch den Kopf?
Christine Wyss: Ich war neugierig, ob wir den Nerv der Zeit getroffen haben. Wir wussten nicht, ob überhaupt jemand ans Festival kommen würde.
Lisette Wyss: Wir hatten keine Zeit, um viel zu überlegen. Wir waren «im Seich», wie man so schön sagt.
Christine Wyss: Es war eine Mischung aus naiver und hektischer Euphorie. Wir stürzten uns «gringsvoraa» hinein.
Lisette Wyss: Aber uns war klar: Das muss beim ersten Mal hinhauen, sonst lassen wir es.
Es hat hingehauen. Inzwischen gehört das Buskers zu Berns renommiertesten Festivals. Hättet ihr euch diesen Erfolg je träumen lassen?
Christine Wyss: Ein solcher Erfolg war ja nicht unbedingt unser Ziel.
Lisette Wyss: Doch! Klar, war das unser Ziel! (Beide lachen.)
Christine Wyss: Wir hatten eine Idee, und wir bekamen von der Stadt relativ unkompliziert Geld zugesprochen. Ich hatte den Eindruck, dass man in Bern froh war um dieses pfannenfertige Projekt. Dann konnten wir gar nicht mehr zurück. Aber wir waren auch überzeugt von unserer Idee, wieder näher ans Publikum zu gehen mit der Musik.
Gross ist das Buskers geworden. Es gibt sogar Kritiker, die sagen, es sei inzwischen zu gross.
Christine Wyss: Dieser Eindruck täuscht, das Festival ist gar nicht grösser geworden. Wir haben immer noch gleich viele Gruppen im Hauptprogramm wie vor fünf Jahren. Das Rahmenprogramm ist aber umfangreicher. Dadurch wirkt alles dichter.
Manche Besucher sagen, man sehe und höre die Bands nicht mehr, weil so viele Leute in den Gassen seien.
Christine Wyss: Wenn man fünf bis zehn Minuten vor Beginn einer Darbietung hingeht, steht man in der ersten Reihe. Das bedingt aber eine gewisse Planung mit dem Programmheft. Man kann nicht einfach an ein Konzert hinzulaufen und erwarten, zuvorderst stehen zu können.
Lisette Wyss: Am besten zieht man mit jemandem rum, mit dem man viel zu plaudern hat, und nimmt ein Klappstüehli mit. Wenn ich zum Beispiel an die Museumsnacht gehe, habe ich auch das Gefühl, man habe nirgends mehr Platz. Aber meistens stehe ich ja auch draussen rum und quatsche – und verpasse darum das offizielle Programm. Trotzdem wars dann ein toller Abend.
50'000 Besucherinnen und Besucher kommen jeweils ans Buskers. Wie habt ihr da die Kontrolle, ob alle ein Festivalbändeli kaufen?
Christine Wyss: Unsere Statistik zeigt, dass ein Viertel bis ein Drittel der Leute ein Bändeli kaufen. Das geschieht auf freiwilliger Basis. Wir können und wollen die Altstadt nicht absperren. Da müssen auch Leute hin, die nicht ans Buskers gehen.
Es wird also nie möglich sein, dass 100 Prozent der Gäste Eintritt zahlen.
Lisette Wyss: Nein. Das ist aber zum Beispiel am Gurtenfestival auch nicht so. Da schleichen sich mehr rein, als man denkt.
Christine Wyss: Aber es ist für uns schon ein grösseres Problem. Wir sind extrem wetterabhängig. Wenn es regnet, kommen weniger Leute, und wir verkaufen weniger Bändeli. Andere Festivals sind im Voraus ausverkauft, und die Ticketeinnahmen sind auch bei Regenwetter gesichert. Darum wären wir natürlich froh um eine Defizitgarantie (Lacht.) So ist es immer ein wahnsinniges Zittern.
In Bern hat sich das Buskers etabliert. Habt ihr Expansionsgelüste auf andere Städte?
Christine Wyss: Nein. Ein solches Festival muss in der Stadt eingebettet sein. Bern eignet sich gut dafür. Ich glaube, in Zürich wäre das Buskers nicht möglich.
Aber es kommen doch auch viele Besucherinnen und Besucher aus anderen Städten.
Christine Wyss: Das schon. Wir merken an den Onlinebändelibestellungen, dass die Leute aus der ganzen Schweiz anreisen.
Lisette Wyss: Aber das heisst nicht, dass man ein Festivalkonzept nehmen und einfach einer anderen Stadt überstülpen kann. Es müsste von jemandem organisiert werden, der dort lebt. Man muss die örtlichen Besonderheiten kennen. Sonst wird es ein Retortenprodukt ohne Stimmung. Das Buskers ist auf Bern zugeschnitten.
Seid ihr heute voll akzeptiert in der Altstadt?
Christine Wyss: Du musst die «Könige» der Altstadt schon kennen. Im ersten Jahr bin ich vor allem von Café zu Café gewandert und habe für unser Festival geworben, erklärt, beruhigt.
Lisette Wyss: Heute ist es einfacher. Man muss nicht mehr erklären, dass es auch qualitativ hoch stehende Strassenmusik gibt, die nicht als Belästigung, sondern als Bereicherung empfunden wird. Die meisten haben den Wert des Buskers erkannt und wissen, dass sie auch davon profitieren können.
Christine Wyss: Wir haben ein anderes Selbstvertrauen und treten anders auf. Schliesslich vermarket Bern Tourismus das Buskers als Topevent. Es gibt Touristen, die extra an diesem Wochenende nach Bern kommen. Wir bieten etwas für Bern.
Ihr habt Erfolg mit dem Buskers. Besteht nicht die Gefahr, dass ihr euch zurücklehnt und findet: Nun können wir es einfach laufen lassen?
Lisette Wyss: Wir könnten. Aber bei uns besteht diese Gefahr nicht. Wir haben beide den Anspruch, immer wieder etwas Neues zu bieten, künstlerisch und organisatorisch besser zu werden.
Christine Wyss: Den Leuten wäre es wohl auch recht, wenn wir jedes Jahr wieder das gleiche machen würden. Viele hätten trotzdem Freude. Aber das wollen wir nicht. Wir wiederholen maximal fünf Gruppen. Sonst wäre es langweilig.
Ihr habt das Buskers sehr geprägt. Könnt ihr das Festival überhaupt jemals einem Nachfolger übergeben?
Christine Wyss: Das Buskers ist schon etwas unser Kind. Wir haben auch den Anspruch, dass wir gewisse Sachen bestimmen. Und dennoch muss man es so organisieren, dass man Dinge abgeben oder sich auch mal zurückziehen kann. Es darf nicht passieren, dass das Buskers stirbt, wenn wir es mal nicht mehr machen können oder wollen.
Was ist euer Wunsch für das Buskers 2009?
Schönes Wetter!
(Berner Zeitung)
Erstellt: 05.08.2009, 08:41 Uhr
WRITE A COMMENT
Region
- 22:02Die Bernische FDP sucht Wege aus der Krise
- 21:54Arbeiter bei Brand auf ehemaligem Cardinal-Areal verletzt
- 17:49Mühleberg: Missverständnis führte zu Schnellabschaltung
- 17:29Bahnstrecke bei Konolfingen unterbrochen - Schienenbruch
- 16:00Sozialhilfe: Kanton stellt sich hinter Erlass des Grossen Rats
- 15:2481-jährige Frau wird vermisst
Emil Frey AG Autocenter Bern
Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.








