Dank strengen Regeln weniger illegale Prostituierte

Von Andrea Sommer. Aktualisiert am 10.02.2010 11 Kommentare

Mehr Aufwand, bessere Kontrolle: die positive Bilanz der Behörden, seit im Sexgewerbe die Melderegeln verschärft wurden.

Neue Meldepraxis soll Prostituierte besser schützen.

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Jeden Monat legen etwa 37 osteuropäische Prostituierte bei der Fremdenpolizei der Stadt Bern ihre Karten auf den Tisch. Mit Businessplan, Mietvertrag, AHV-Ausweis, Anmeldung bei der Steuerverwaltung und anderen Unterlagen müssen sie beweisen, dass sie selbstständig erwerbend sind. Nur dann erhalten sie eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung. «Seit letzten Oktober die Bewilligungspraxis verschärft wurde, haben wir bei Kontrollen keine illegalen Prostituierten mehr angetroffen», zieht Fremdenpolizeichef Alexander Ott positive Bilanz.

Kontrolle fördert Vertrauen

Auch Florian Düblin, Leiter des kantonalen Migrationsdienstes, ist mit der neuen Regelung zufrieden. Das Amt ist für Gesuche aus Gemeinden zuständig, die über keine eigene Fremdenpolizei verfügen. Die neue Praxis sei gut angelaufen, bedeute jedoch einen grossen Mehraufwand für seine Mitarbeiterinnen, so Düblin. Diese führen mit jeder Gesuchstellerin ein etwa einstündiges Gespräch und überprüfen die mitgebrachten Unterlagen. Ein Aufwand, der sich laut Düblin lohnt: «Zwischen unseren Mitarbeiterinnen und den Frauen entsteht ein Vertrauensverhältnis. Auch haben wir mittlerweile einen besseren Überblick über das Rotlichtmilieu.»

«Weniger Illegale»

Seit letztem Oktober gingen beim Kanton 117 Gesuche von osteuropäischen Prostituierten ein. Laut Florian Düblin wurden 55 davon abgelehnt, weil sie den neuen Meldekritierien nicht entsprochen hätten. Von den restlichen 62 Gesuchen wurden 36 bewilligt. Seit Anfang Jahr lehnte der Kanton 15 der 30 eingereichten Gesuch ab. Beschwerden gegen negative Entscheide sind laut Düblin noch keine eingegangen. Bei Kontrollen im restlichen Kantonsgebiet habe die Kantonspolizei seit letztem Oktober wesentlich weniger illegale Prostituierte aufgegriffen, so Düblin. Verlässliche Zahlen kann er derzeit keine nennen.

Xenia kritisiert Behörden

Die verschärften Melderegeln für osteuropäische Prostituierte gelten im Kanton Bern seit fünf Monaten. Damit wollen die Behörden die Frauen vor Gewalt und Ausbeutung schützen. Bei den Betroffenen, den Bordellbetreibern und bei Xenia, der Beratungsstelle für Prostituierte, löste die Regeländerung jedoch Entrüstung und Bedenken aus. Die neue Praxis sei «katastrophal» und dränge die Frauen in die Illegalität, erklärte die Beratungsstelle.

Heute ist Xenias Kritik zwar etwas leiser geworden, aber nicht verstummt. Der beträchtliche administrative Aufwand lasse die Frauen in Kantone mit liberalerer Praxis ausweichen, sagt Jacqueline Suter. Prostituierte, die vor Oktober 2009 noch legal im Kanton Bern arbeiten konnten, reisten nun ein und stellten fest, dass sie plötzlich illegal seien. «Für viele der Frauen hat sich die Situation verschlechtert.»

Die verschärfte Bewilligungspraxis hat auch Xenia Mehraufwand gebracht. «Wir sind dabei, unsere Beratung an die neuen Regeln anzupassen», so Suter. Dies sei kein Leichtes, weil die nötigen Unterlagen von Fall zu Fall variierten. So verlange die städtische Fremdenpolizei einen Kontoauszug, beim Kanton ist sei dies nicht nötig. Frepo-Chef Ott dazu: «So wollen wir sichergehen, dass die Frauen nicht von der Fürsorge abhängig sind.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.02.2010, 14:19 Uhr

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11 Kommentare

Stefan Scherer

10.02.2010, 11:11 Uhr
Melden

...da lachen die Hühner! Wer in der Gemeinde Rapperswil überprüft wohl den "Businessplan" der anschaffenden Damen auf Inhalt und Richtigkeit? Wird die Einhaltung des "Businessplans" mittels Stichproben überprüft und werden Erstellung und Umsetzung des "Businessplans" unter kundiger Anleitung eines horizontalen Sachverständigen in Workshops vermittelt? Antworten


David Meili

10.02.2010, 12:41 Uhr
Melden

Ein generelles Verbot der gewerblichen Prostitution liegt doch in der Luft, nur wagt sich keine der führenden Parteien an dieses Thema. Keine Frau prostituiert sich ohne Not selbst. Die "Praxis" der Gemeinde Rapperswil ist letztlich menschenverachtend, und auch die Organisation Xenia findet ihre Existenzberechtigung letztlich nur durch das soziale und gesundheitliche Elend von Ausgebeuteten. Antworten



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