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Das Haus der Religionen macht den Dalai Lama glücklich

Bern«Ermutigt» war der Dalai Lama nach seinem Besuch im Haus der Religionen. Das Berner Beispiel müsse Schule machen, findet er.

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Der Dalai Lama hat Ver­spätung. Vor einer Viertelstunde hätte im Haus der Religionen in Bern der «in­terreligiöse Dialog» mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter beginnen sollen. Aber der Da­lai Lama nimmt sich Zeit auf seinem Rundgang. «Oh! Ich fühle mich wie in Südindien», ruft er beim Besuch im Hindutempel aus und will die farbenfrohe Ze­remonie gar nicht mehr verlassen. Und wer wollte «seine Heiligkeit» hetzen?

Der Dalai Lama gibt bei seinem Besuch in Bern das Tempo vor. Er entschleunigt – und dies, obschon sein Programm eng getaktet ist. Erst am Vormittag ist er aus Riga in die Schweiz geflogen. Das ge­meinsame Mittagessen mit der Stadtregierung ist vegetarisch: Pilzsuppe oder Spinat mit Kokosnuss werden serviert. Andere 81-Jährige würden nach der Pannacotta mit Rosenwasser wohl ein Nickerchen machen. Er nicht.

«Wenn der Dalai Lama den Saal betritt, stehen wir alle auf», lautete die Regieanweisung. Also stehen alle auf, als der drahtige kleine Mann hereinkommt – um­schwirrt von Fotografen, Bodyguards und Offiziellen. «Sit down, sit down», ruft der Ehrengast, und alle lachen. Er sei auch nicht «your holiness», unterbricht der Dalai Lama einen muslimischen Gesprächsteilnehmer und greift nach dessen Hand: «Just call me brother.» Denn die Kernbotschaft aller Religionen sei dieselbe, sagt der Dalai Lama: «Liebe, Toleranz und Selbstdis­ziplin.»

Der Dalai Lama ist nach seinem Rundgang durch das Haus der Religionen «glücklich und ermutigt», wie er sagt. Als buddhistischer Mönch habe er eine grosse Verpflichtung: Er versuche, Harmonie zwischen den Religionen hervorzubringen. «Das habt ihr hier an diesem wunderbaren Ort bereits geschafft.» Eine Gruppe aus Bern sollte diese Botschaft in die Welt hinaustragen, findet er.

Aleviten, Buddhisten, Christen, Hindus, Muslime, Juden, Bahai und Sikhs setzen sich ne­ben den Dalai Lama aufs Sofa. Ihre Fragen gehen in die gleiche Richtung: Weshalb gibt es religiöse Konflikte? Wie können sie überwunden werden? Der Dalai Lama holt weit aus, kommt ins Erzählen. Eine Bernerin will es genau wissen: die Leiterin der Schule Schwabgut in Bümpliz.

Was soll sie tun, wenn die Schüler mit ihren verschiedenen religiösen und kulturellen Hintergründen aneinandergeraten? «Konflikte dürfen nicht unter den Tisch gewischt werden», sagt der Dalai Lama. Das brauche Geduld. Immer und immer wieder müsse man den Dialog suchen und aufzeigen, dass Gewalt keine Lösung sei. «Seine Antwort hat mich be­stärkt», sagt die Schulleiterin nach der Veranstaltung.

Zig Schaulustige warteten während des Rundgangs vor dem Haus der Religionen, um einen Blick auf den Dalai Lama zu erhaschen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.10.2016, 21:51 Uhr

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