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Computer- statt Politprogramm
Von Andrea Sommer. Aktualisiert am 18.04.2009
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Wer eine Gemeinde führt, sollte wissen, was er tut. Dies ist jedoch leicht gesagt. Müssen sich doch die Gemeinderäte mit komplexen Aufgaben, gesetzlichen Veränderungen und steigenden Ansprüchen der Bürger auseinandersetzen. «In den Exekutiven kleiner und mittlerer Gemeinden wird vieles aus dem hohlen Bauch entschieden», sagt Christoph Miesch vom kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung. Etwa ob die Bibliothek vergrössert werden oder ob die Gemeinde für Familien attraktiver werden soll. Dies ohne genau zu prüfen, wie viele Bürger überhaupt noch Bücher lesen oder ob tatsächlich Familien in der Gemeinde Wohnsitz nehmen. «Zwar stecken sich die Gemeinderäte solche Legislaturziele», so Miesch. «Diese lassen sich in der laufenden Amtsperiode nur schwer kontrollieren, weil nicht alle nötigen Informationen sofort zugänglich sind.»
Lösung für alle Gemeinden
Das soll sich nun ändern: Ob das Schiff, sprich die Gemeinde, auf Kurs ist, soll sich den Gemeinderäten künftig mit wenigen Klicks erschliessen. Im Pilotprojekt «Führungscockpits für Gemeinden» erarbeiten Experten eine Computerlösung. Beteiligt sind die Berner Fachhochschule Technik und Informatik in Biel, die Fachhochschule Westschweiz in Siders, der Schweizerische Gemeindeverband, der Kanton Bern und verschiedene Informatikunternehmen. In sieben Pilotgemeinden, darunter Brügg, Roggwil, Stettlen und Wohlen, wird das Führungscockpit derzeit getestet.
«Die Grundidee für dieses Controllinginstrument entwickelten wir mit dem Verband bernischer Gemeinden und einigen Pilotgemeinden», erklärt Miesch. Nun soll das Instrumentarium im Pilotprojekt auf einer EDV-Plattform weiterentwickelt werden. «Dabei werden in einer Datenbank Informationen aus verschiedenen Quellen gesammelt und auf einer Website präsentiert», erklärt Urs Sauter, Projektleiter und Dozent an der Berner Fachhochschule in Biel. Zwar liefere das Führungscockpit den Exekutivmitgliedern viele für die Gemeindeführung wichtige Informationen. «Allerdings muss sich die Führungscrew über die zu erreichenden Ziele einig sein», so Sauter. Das Projekt läuft während dreier Jahre – von 2008 bis 2010 – und kostet insgesamt rund 1,3 Millionen Franken. Davon übernimmt der Bund 660000 und der Kanton Bern 60000 Franken. Für Miesch eine gute Investition: «Wir streben eine gesamtschweizerische Lösung an.» Der Prototyp wird im Juni an der Suisse Public, der Fachmesse für öffentliche Betriebe und Verwaltungen, in Bern präsentiert.
Weg vom Gärtchen-Denken
Eine der Pilotgemeinden ist Stettlen. Mit dem Pilotprojekt habe man die Chance beim Schopf gepackt, die Gemeindeführung zu verbessern, sagt Gemeindepräsident Lorenz Hess (BDP). «Wir wollen eine Unité de Doctrine erreichen.» Die Schwierigkeit beim Milizsystem liege darin, dass Leute mit den unterschiedlichsten beruflichen Erfahrungen in den Exekutiven sässen. Dies führe zu einem Gärtchen-Denken, dabei gehe der Blick fürs Ganze verloren, so Hess. Das Pilotprojekt habe in Stettlen bereits positive Effekte. «Wir haben uns mit den Geschäftsfeldern der Gemeinde befasst und waren gezwungen, unsere Arbeit zu analysieren.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.04.2009, 11:39 Uhr
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