Chäslädeli sucht Nachfolger
Käse-Expertin Ursula Schenkel in ihrem Chäslädeli vor der Zähringer-Migros. Nach zehn Jahren will sie aufhören und sucht Nachfolger. (Bild: Christian Pfander)
Wer beim Eingang zur Zähringer-Migros in der Länggasse nach links geht, statt mit einem Einfränkler in der Hand zu den Einkaufswägeli zu steuern, möchte Blumen kaufen. Oder er ist ein echter Käseliebhaber. Im Chäslädeli gibt es nicht den abgepackten Emmentaler und Greyerzer, der ein paar Meter weiter in der Migros in der Selbstbedienung zu holen ist.
Im Chäslädeli beugt sich Ursula Schenkel über die Kühlvitrine, holt den Muggestutz-Mutschli oder einen Alp-Geisskäse aus dem Urbachtal heraus und schneidet exakt das gewünschte Stück vom Laib ab. Natürlich gibt es auch Emmentaler. Aber dieser ist zuvor 21 Monate in Affoltern im Käsekeller gereift.
«Viel Herzblut im Laden»
Was Ursula Schenkel in ihrem Chäslädeli anbietet, gibt es in der Migros nicht – und umgekehrt. So hat sie zehn Jahre lang ihr Geschäft im Zähringer geführt. Und so würde sie wohl auch weitere zehn Jahre der Grossverteilerkonkurrenz erfolgreich die Stirn bieten. «Doch einmal ist fertig», sagt die bald 66-jährige Ursula Schenkel. «In dem Laden steckt viel Herzblut, und ich bereue nichts. Aber ich hatte nie eine 41-Stunden-Woche, und es ist viel auf der Strecke geblieben», gesteht sie. Deshalb sucht sie für nächstes Jahr jemanden, der das Geschäft übernimmt.
Ein Anfang im Shoppyland
Ursula Schenkel, die aus einer Restaurant- und Metzgerfamilie stammt, hat 35 Jahre Käse-Erfahrung. Zuerst arbeitete sie als Aushilfe im Chäslädeli des damals neu eröffneten Shoppylands in Schönbühl. Acht Jahre später machte sie sich selbstständig. Sie kaufte das Chäslädeli im Shoppyland der Besitzerin ab, als diese altershalber aufhörte. Vor zehn Jahren eröffnete sie die «Filiale» in der Länggasse: Sie griff zu, als die Käserfamilie Geiser nach rund 30 Jahren in der Zähringer-Migros eine Nachfolge für ihren Laden suchte. Im Shoppyland hatte Ursula Schenkel bereits einige Erfahrung damit gesammelt, neben der Migros erfolgreich Käse zu verkaufen. Deshalb beklagte sie sich auch nicht, als die Zähringer-Migros vor zwei Jahren damit begann, abgepackte Offenkäse-Spezialitäten zu verkaufen.
Sie handelte: Sämtliche Sorten, die nun auch beim Grossverteiler erhältlich waren, tilgte sie aus ihrem Sortiment. Dafür holte sie sich noch mehr Spezialitäten aus den Käsereien und Sennereien der Region. Auch die Markenschokolade und das Markenbier, das sie lange verkaufte, kippte sie aus ihrem Angebot, als die Migros immer mehr Markenartikel selber anzubieten begann. Dafür gibt es jetzt im Chäslädeli Burgdorfer Bier, Entlebucher Anke, hausgemachte Brätzeli, Melonenkonfitüre und Quittensenf.
Würziger Alpkäse
«Mit dem Preis kann ich nicht konkurrieren», räumt sie illusionslos ein. «Wenn ich Greyerzer einkaufe, zahle ich mehr, als wenn ich ihn in der Migros zum Ladenpreis kaufen würde», sagt sie. «Doch geschmacklich liegen Welten zwischen den beiden Greyerzer-Sorten.» Je teurer der Käse, umso länger ist er im Keller gereift. «Heutzutage macht die Lagerdauer den Hauptanteil beim Preisunterschied aus», erklärt Ursula Schenkel.
Sie suchte jedoch nie den billigsten Käse, sondern lieber den würzigen Alpkäse, den rezenten Geisskäse und den unvergleichlichen Schafkäse. Also jene Käsespezialitäten, für welche ihre Kundschaft in der Migros lieber links abbiegt, als gleich zu den Einkaufswägeli zu steuern. (Berner Zeitung)
Erstellt: 01.09.2010, 08:16 Uhr
Kommentar schreiben
Region
Region
Meistgelesen in der Rubrik Region
Giraffen zieren die Stadt Bern. Sollen die Graffiti bleiben?
Ja
Nein
409 Stimmen





















