Bern

Buddhisten eröffnen die Nacht der Religionen

Bern«Bewusst(er)leben» lautet das Motto der diesjährigen Nacht der Religionen, die am Samstag in Bern zum fünften Mal stattfindet. Den Auftakt machen die Buddhisten. Mönch Bhante Anuruddha erläutert sein religiöses Verständnis von Achtsamkeit.

Mönch Bhante Anuruddha eröffnet heute die Nacht der Religionen, an der sich 16 Religionsgemeinschaften beteiligen.

Mönch Bhante Anuruddha eröffnet heute die Nacht der Religionen, an der sich 16 Religionsgemeinschaften beteiligen. Bild: Urs Baumann

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Sein leuchtend senfgelbes Gewand und seine ausladenden Bewegungen machen aus ihm eine stattliche Erscheinung. Seine Stimme klingt ruhig und besonnen. Mönch Bhante Anuruddha (41) stammt aus Sri Lanka, gehört zu den Singhalesen und betreut von Lenzburg aus die Gemeinschaft der Theravada-Buddhisten in der Deutschschweiz. In der Nacht der Religionen am heutigen Samstag bestreitet er gemeinsam mit einem tibetischen Mönch die Eröffnungsfeier. Mit ihrem Credo der Achtsamkeit passt die buddhistische Religion bestens zum Motto «Bewusst(er)leben».

Schon als Kind im Kloster

Anuruddhas Engagement für die Nacht der Religionen ist kein Zufall: Seit fünf Jahren steht er in engem Kontakt mit dem Verein Haus der Religionen – Dialog der Kulturen. «Das Haus der Religionen finde ich ideal, um Leute zusammenzubringen und mit Respekt zusammenzuarbeiten», erklärt er. Bhante Anuruddha stammt aus einer kinderreichen Familie. «Bei sechs Kindern haben meine Eltern gesagt, einer der Söhne solle Buddha dienen», sagt er lachend. Mit acht Jahren begann seine Unterweisung in einem Kloster. An der Universität von Colombo vertiefte er sein Wissen zur Religion und schloss mit einem M.-A.-Titel ab. Seit 2003 lebt er in Lenzburg.

Was kann der Buddhismus zum Thema «Bewusst(er)leben» beitragen? «Im Zentrum unseres Denkens und Handelns steht die Achtsamkeit», erklärt Anuruddha. «Dies bedeutet, dass wir uns im Hier und Jetzt bewegen sollen, statt mit den Gedanken voraus- oder zurückzuspringen», erläutert der Mönch. Er erklärt es anhand einer roten Ampel: Wer es eilig habe und in letzter Sekunde wegen einer roten Ampel abbremsen müsse, ärgere sich oder werde nervös, dass er oder sie das Ziel nicht rechtzeitig erreichen wird. «Das ist negative Energie. Achtsam sein heisst, sich der Situation und dieses Gefühls in diesem Moment bewusst zu werden.» Dies sei wichtig, um wieder zu sich zu kommen. Letztlich gehe es darum, zu jedem Zeitpunkt den inneren Frieden zu finden und die negative Energie im Griff zu haben. «Unzufriedenheit bedeutet Leiden, und egoistisches Denken behindert den Weg zum eigenen Gleichgewicht.»

«Die Schweiz ist vorbildlich»

Konkrete Anwendung findet dieser Grundsatz laut Bhante Anuruddha auch in Politik und Wirtschaft. «Wer aus dem Leiden anderer Profit schlägt, findet keinen Frieden, er betreibt Machtmissbrauch und Unterdrückung.» Klimawandel und das heutige Ungleichgewicht in der Weltwirtschaft seien deshalb problematisch. «Das ist kein Plädoyer gegen den Kapitalismus, aber eine Aufforderung, den Mitmenschen und der Natur gegenüber Respekt zu zollen und Verantwortung zu übernehmen», hält er fest. «Die Schweiz ist vorbildlich mit den zahlreichen Vereinen, in denen sich Menschen ehrenamtlich gegenseitig unterstützen», sagt er. Phänomenal sei auch der Bundesrat mit seinen sieben gleichwertigen Mitgliedern und dem jährlich wechselnden Turnus des Bundespräsidiums. «Die Gefahr einer Machtkonzentration ist da sehr klein.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 10.11.2012, 09:44 Uhr

Das Programm

Auftakt bei den Buddhisten

Die Nacht der Religionen beginnt heute Samstag um 18 Uhr in der Uni Bern auf dem Von-Roll-Areal an der Fabrikstrasse 6. Dieses Jahr organisiert die buddhistische Gemeinschaft die Eröffnungsfeier.

Unter dem Motto «Bewusst(er)leben» beteiligen sich dieses Jahr 16 Religionsgemeinschaften und das Haus der Religionen. Die verschiedenen Traditionen gehen davon aus, dass es in unserem Leben Wertvolleres gibt als alles Gold in der Welt. Die unterschiedlichen Glaubensrichtungen haben entsprechend vielseitige Formen spirituellen Lebens entwickelt. In den Kirchen, Tempeln, einer Moschee und der Synagoge finden um 20, 21 und 22 Uhr Veranstaltungen zum Thema statt, und zwar in Form von Vorträgen, Interviews, Konzerten, Meditationen, Ritualen und Gebeten. Die Abschlussfeier findet um 23 Uhr in der Heiliggeistkirche statt.

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