Betroffene Gemeinden haben keine Freude an Fusionsidee
Von Stephan Künzi. Aktualisiert am 03.02.2012 12 Kommentare
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Eine Politlandschaft ohne die Gemeinde Münchenbuchsee? Nein, für sie ist ein solches Szenario undenkbar, ja eigentlich sogar «schlimm». Gemeindepräsidentin Elsbeth Maring sagt offen, was sie vom Vorschlag hält, die Zahl der Berner Gemeinden von aktuell 382 auf 39 zu reduzieren. Auf einer Karte präsentierte die BZ-Redaktion gestern ihre Idee eines Kantons der grösseren Einheiten. Als Berater amtete Ernst Zürcher, langjähriger Gemeindespezialist der kantonalen Verwaltung – und siehe da: Die 21 heute noch eigenständigen Dörfer aus dem oberen und mittleren Teil des früheren Fraubrunnenamts verschmolzen flugs zu einem einzigen Gemeinwesen.
Mit Fraubrunnen als tonangebendem Zentrum und Namensgeber, womit, eben, die Gemeinde Münchenbuchsee von der Bildfläche verschwand. Ungeachtet dessen, dass sie mit ihren rund 9700 Einwohnerinnen und Einwohnern doch die grösste der beteiligten Partnerinnen war.
Lieber mit Zollikofen
«Ich bin hier aufgewachsen und verwurzelt, und schon meine Mama war eine waschechte Buchserin», erklärt Maring ihre spontane Abwehr. Nicht dass sie sich Neuem verschliessen würde, wie die SPlerin gleich nachschiebt, im Gegenteil. Bei diesem Thema gelte es aber zu bedenken, «dass nicht jede Fusion Sinn macht». Und vor allem auch, «dass eine Fusion von unten wachsen muss, nicht mit dem Holzhammer von oben verfügt werden kann».
Für ihre Gemeinde kann sich Maring ohnehin nur Partnerinnen aus der engeren Region vorstellen. Diemerswil, Deisswil und Wiggiswil zum Beispiel, die Anfang Jahr ihre Feuerwehren mit jener von Münchenbuchsee vereinigt haben, dazu auch Zollikofen, das in der von der BZ vorgeschlagenen Fusion aussen vor bleibt. Dabei sei gerade mit den Nachbarn im Süden eine enge Zusammenarbeit denk- und wünschbar, sagt die Gemeindepräsidentin – wen wunderts, wo doch die zwei Gemeinden im Allmendquartier schon heute baulich zusammengewachsen sind. Allerdings: «Für eine Fusion ist bei uns die Zeit noch nicht reif.»
Wie wichtig es ist, dass sich ein solcher Prozess organisch entwickelt, weiss Ivo Bravin aus eigener Erfahrung. Der Gemeindepräsident aus Grafenried setzt sich an vorderster Front dafür ein, dass der geplante Zusammenschluss von acht Gemeinden um Fraubrunnen auch wirklich zustande kommt. Eine erste grosse Hürde hat das Vorhaben im November genommen, als Fraubrunnen, Grafenried, Büren zum Hof, Etzelkofen, Limpach, Mülchi, Schalunen und Zauggenried deutlich Ja zu konkreten Fusionsverhandlungen sagten.
Möglich geworden sind diese Mehrheiten auch deshalb, «weil wir die kritischen Einwände aufgenommen und im Gespräch aus der Welt zu schaffen versucht haben». Bravin redet von der Angst, dass mit einer Fusion die einzelnen Dörfer ihre Identität verlieren und davon, dass man dieser Gefahr mit speziellen Dorfleisten entgegenwirken wolle. Trotzdem gebe es nach wie vor Leute, für die die 32 Quadratkilometer Fläche der fusionierten Gemeinde zu gross seien – und wieder ganz allgemein: «Vor zehn Jahren wäre unser Vorhaben wohl undenkbar gewesen.» Wenn nun der Beweis gelinge, dass ein Gebilde aus heute acht Gemeinden effizient arbeite, werde vielleicht irgendwann eine Fusion im noch grösseren Rahmen möglich.
Schon mal zusammen
Gar keinen Anlass, an eine Fusion zu denken, sieht Rudolf Burger. Der Gemeindepräsident aus Bolligen gewinnt der BZ-Idee, seine Gemeinde mit Ittigen und Ostermundigen zu vereinen, nicht viel mehr als ein müdes Lächeln ab. Dabei weiss er sich von der Bevölkerung getragen, die sich gerade erst in einer Umfrage mit einer klaren Mehrheit von über 77 Prozent für die weitere Eigenständigkeit ausgesprochen hat.
Dass das neue Gebilde auf der Karte den Namen Ittigen trägt, «ist sowieso historisch falsch», so Burger weiter. Tatsächlich – denn bis Ende 1982 bildeten die drei Gemeinden schon einmal eine Einheit. Unter dem Namen Bolligen.
Hier finden Sie die vollständige Karte. (Berner Zeitung)
Erstellt: 03.02.2012, 06:19 Uhr
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12 Kommentare
"Wenn du einen Sumpf austrocknen willst, frage nicht die Frösche, was sie davon halten". Selbstverständlich gewinnen die Gemeindepräsidenten dieser Idee nichts ab. Wer verliert schon gerne einen Teil seines Königreiches? Letztendlich müssen sich diese Fusionen finanziell lohnen, sonst lassen wirs bleiben. Wieviel würde sich der Steuersatz ändern? Über den Geldsäckel holt man sich den Zuspruch. Antworten
Das Thema wg. Identifikation betrachte ich nicht so dramatisch: jemand, der heute in Wabern, Niederwangen, Thörishaus oder im Liebefeld wohnt, fühlt sich sicher immer noch als jemand aus diesen Orten und nicht als Könizer. Veraltete Gemeindegrenzen (dort, wo Orte z.Bsp. zusammengewachsen sind) sollten wirklich mal genauer unter die Lupen genommen werden wg. Fusion. Antworten
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