Betax will den Taxis betagte Kunden abwerben
Von Tobias Habegger. Aktualisiert am 18.10.2011 1 Kommentar
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Betax ist trotz Defizit auf gutem Weg
«Putsch bei Betax» titelte diese Zeitung am 31.Mai 2010. An der Generalversammlung hatten die Betax-Genossenschafter die Verwaltung abgewählt und das Gremium neu besetzt. Der Grund: Während mehrerer Jahre hatte die alte Betax-Führung ein operatives Defizit von jährlich bis zu einer halben Million Franken eingefahren. Auch der Geschäftsführer musste gehen.
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Als dessen Nachfolger und Sanierer stellte die neu gewählte Verwaltung den Juristen Jürg Stampfli ein. Zwar schloss die Erfolgsrechnung 2010 mit einem Verlust von fast 23000 Franken ab. Trotzdem sagt Jürg Stampfli: «Wir sind auf Kurs. Die Sanierung soll in eineinhalb Jahren erfolgreich abgeschlossen sein.» Als die neue Verwaltung im Sommer 2010 Jürg Stampfli an Bord holte, war der Ruf der Firma mehr als angeschlagen. «Wir waren auf dem Markt total isoliert.»
Sogar der Kontakt zum Förderverein pro Betax sei unter seinem Vorgänger komplett abgebrochen, sagt Jürg Stampfli. Zudem war der Betax-Wagenpark total veraltet. «Mein Vorgänger hat kaum Abschreibungen gemacht, um die Erfolgsrechnung zu beschönigen», sagt Jürg Stampfli. «Als ich die brisante Ausgangslage realisiert hatte, fragte ich mich ernsthaft, ob ich weitermachen soll», sagt Jürg Stampfli. «Doch wegen der engagierten Belegschaft und der guten Zusammenarbeit mit der kompetenten Verwaltung habe ich weitergemacht.» Im Zuge der Sanierung verzichteten die Angestellten auf den 13.Monatslohn. Zudem mussten sie Lohneinbussen von bis zu 10 Prozent hinnehmen. Die Lohnsumme reduzierte sich so um
20 Prozent.
Dank eines Leasingmodells sowie eines Spender- und Sponsorenkonzepts für die Autos gelang es Stampfli, den Fahrzeugpark zu erneuern. «Damit können wir die Autos früher auswechseln und sind im Interesse unserer Fahrgäste stets auf dem neusten Stand der Technik», sagt er. tob
Mit dem Berner Behindertentaxi Betax geht es wieder aufwärts. Vor etwas mehr als 17 Monaten stand die Genossenschaft in einer finanziell prekären Schieflage. «Jetzt sehen wir wieder Licht am Horizont», sagt Betax-Sanierer und neuer Geschäftsführer Jürg Stampfli. «Wir wirtschaften ausgeglichen, und unser Ruf ist wieder intakt.»
Betax will künftig vermehrt auch wieder betagte Personen transportieren. Dies ist ein wichtiger Geschäftszweig. Die betagten Fussgänger haben die Rollstuhlfahrer betreffend Unterstützungsgelder von der Stiftung Behindertentransport Kanton Bern (BTB) längst überholt. Diese Stiftung subventioniert Taxifahrten von Behinderten und Betagten im Kanton Bern mit jährlich 7 Millionen Franken. «2007 haben die Fussgänger die 50-Prozent-Marke geknackt», sagt Ronald Liechti, BTB-Geschäftsführer.
Weil sich Betax bisher vor allem auf den Transport von behinderten Menschen im Rollstuhl konzentriert hatte, fiel der Umsatz bei den betagten Fussgängern eher bescheiden aus. Den grössten Teil des Kuchens (circa 1,5 Millionen Franken BTB-Gelder) teilen in Bern Bären-Taxi und Nova-Taxi unter sich auf.
Speziell geschulter Fahrstil
«Wir wollen vom reinen Rollstuhlimage wegkommen», sagt Betax-Geschäftsführer Jürg Stampfli – und wirft einen Werbespruch für seine Firma ein: «Weil unsere Fahrerinnen und Fahrer ausgebildet und erfahren sind im Umgang mit behinderten Menschen, bieten sie auch betagten Fahrgästen eine bessere Qualität als gewöhnliche Taxiunternehmen.» Betax-Fahrer würden viele Krankheitsbilder kennen. «Sie sind sensibel für die Bedürfnisse der Betagten. Und sie tragen auch mal die schwere Tasche eines Seniors aufs Bahnperron oder helfen beim Einkaufen.» Zudem würden Betax-Chauffeure speziell darin geschult, einen ruhigen Fahrstil zu pflegen. «Gehbehinderte oder ältere Menschen fühlen sich rasch unwohl, wenn man brüsk fährt», sagt Stampfli.
Keine Freude an solchen Aussagen haben die Verantwortlichen von Bären-Taxi und Nova-Taxi. «Es bräuchte in Bern eher 20 Taxis weniger als noch einen weiteren Anbieter», sagt Nova-Taxi-Geschäftsführer M. Kunz. Er hält wenig von der neuen Betax-Strategie. «Sollen wir im Gegenzug etwa Busse kaufen und Menschen im Rollstuhl befördern?», fragt er. Und was die Qualität betrifft, könne Nova-Taxi problemlos mit Betax mithalten. «Der Transport von betagten Menschen mit Rollatoren gehört für unsere Fahrer zum täglichen Brot.» Zudem würden auch Nova-Taxi-Chauffeure älteren Kunden beim Einkaufen helfen.
Auch bei Bären-Taxi betont man die Ausbildung: «Unsere Chauffeure haben gemeinsam mit Betax-Fahrern Schulungen gemacht», sagt Co-Geschäftsführer Gerhard Brunner.
Die Qualität stimme laut Kundenumfragen sowohl bei Betax als auch bei den anderen Taxis, betont BTB-Geschäftsführer Ronald Liechti. «Es ist legitim, dass Betax das Angebot ausbaut.» 2005 wurde beim Behindertentransportwesen bewusst das Monopol aufgelöst. «Seither herrscht der freie Markt.»
Betax hat neue Autos gekauft
In diesem Markt sagt Betax nun den anderen Taxi-Unternehmen den Kampf an. Für die Betagtentransporte hat Jürg Stampfli zwei neue Personenwagen bestellt. Damit besteht die aktuelle Betax-Flotte aus 16 Bussen sowie 6 Personenwagen für Fahrten mit älteren Menschen. Der Betax-Slogan auf den Personenwagen wird geändert von «Mobilität für Behinderte» zu «Betax – macht mobil». Als Nächstes schreibt Stampfli alle 5500 Personen an, die im Kanton Bern BTB-Gelder erhalten. Und er lässt Broschüren auflegen in Altersheimen. «Selbst viele Heimleiter glauben, wir transportieren ausschliesslich Menschen im Rollstuhl», sagt Jürg Stampfli. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.10.2011, 08:31 Uhr
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1 Kommentar
Als Rollstuhlfahrer und gelegentlicher Betax-Kunde wird mir die Entscheidung, mit welchen Taxi-Unternehmen ich fahre, in Zukunft noch leichter fallen. Die Haltung von Betax, dass sie weg vom "Rollstuhl-Image" wollen irritiert und beleidigt mich und ich werde wohl nicht der einzige sein der in Zukunft nicht mehr mit Betax sondern mit anderen Unternehmen wie zum Beispiel EasyCab fahren wird. H.P.M. Antworten
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