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Berner Museum gibt Steinfigur an Bolivien zurück

BernDer Streit zwischen dem Historischen Museum in Bern und Bolivien um die Steinfigur Ekeko ist beigelegt. Das Museum hat die Figur an Bolivien zurückgegeben.

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«Ekeko» ist zurück in Bolivien: Das Bernische Historische Museum hat die Steinfigur nach längerem Hin und Her dem Nationalmuseum für Archäologie in La Paz übergeben. Das teilten das Berner Museum und die bolivianische Botschaft in Berlin am Donnerstag mit.

Geld sei bei der Einigung nicht im Spiel gewesen, betonte der Berner Museumsdirektor Jakob Messerli auf Anfrage. Man sei mit den bolivianischen Partnern einfach überein gekommen, dass die Figur nach La Paz gehöre - dort finde sie grössere Beachtung als in Bern, auch unter Wissenschaftern.

Die beiden Museen wollen die Verantwortung für die Figur künftig gemeinsam tragen. Sie vereinbarten deshalb eine Zusammenarbeit in den Bereichen Konservierung, Forschung und Vermittlung.

Die Einigung wird im Communiqué als «Win-win-Lösung» bezeichnet. Denn die Zusammenarbeit könnte dazu führen, dass das Berner Museum eine Ausstellung über die präkolumbianischen Kulturen des Andenhochlandes zeigen kann. Eine Berner Delegation will noch dieses Jahr zu ersten Gesprächen über die Kooperation nach La Paz reisen.

Die 16 cm hohe Steinfigur gilt eines der besterhaltenen Zeugnisse der Pukara-Kultur, die bis 200 nach Christus auf der Nordseite des Titicacasees beheimatet war. Das Gebiet gehörte im 19. Jahrhundert zu Bolivien, heute liegt es in Peru. Auf der Südseite des Titcacasees befindet sich die Ruinenstätte Tiwanaku, einer der bedeutendsten archäologischen Komplexe Boliviens.

Für eine Flasche Cognac

In Schweizer Besitz gelangte die Steinfigur im Jahr 1858. Damals erwarb sie der Naturforscher Johann Jakob von Tschudi im Andenhochland - gegen eine Flasche Cognac. Seine Nachkommen verkauften die Statue 1929 ans Bernische Historische Museum.

Erst vor knapp zwei Jahren, im Februar 2013, meldete Bolivien erstmals Ansprüche auf die Steinfigur an. Im April dieses Jahres besuchte dann Aussenminister David Choquehuanca die Schweiz; auch er pochte auf die Rückgabe von «Ekeko» an sein Land.

Unterschiedliche Interpretationen

Dass die Figur ein wichtiger Teil für die Geschichte und Kulturen des ganzen Andenhochlandes sei, steht auch für das Bernische Historische Museum ausser Frage. Deshalb sei man ja bereit gewesen, die Figur zurückzugeben, sagte Direktor Messerli.

Dass es sich um eine Darstellung der Ekeko handelt, wird hingegen in Bern bezweifelt. Laut Experten, auf die sich das Berner Museum beruft, dürfte es sich vielmehr um eine weibliche Gestalt darstellen. Die Fachleute widersprechen damit dem bolivianischen Dekolonisationsministerium und Vertretern indigener Völker.

Kein Präzedenzfall

Dass die Rückgabe der Figur die Begehrlichkeiten anderer Länder wecken könnte und «Ekeko» zum Präzedenzfall werden könnte, glaubt Messerli nicht. Zwar könne es solche Besitzansprüche immer wieder geben. «Wir müssen jeden Einzelfall genau ansehen.»

Ein Präzedenzfall wäre es laut Messerli gewesen, wenn das Berner Museum anerkannt hätte, dass es sich bei der Steinfigur tatsächlich um eine Darstellung der Gottheit Ekeko handelt. «Dann hätte künftig jedermann eine Rückgabe erwirken können mit dem Argument, es handle sich um die Darstellung einer Gottheit.» (tag/sda)

Erstellt: 30.10.2014, 09:54 Uhr

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