Berner Jungunternehmen revolutioniert die Partnersuche
Von Jürg Steiner. Aktualisiert am 28.11.2009
Inhaber Start-up-Firma Basisnote: Dominic Senn. (Bild: Susanne Keller )
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Herr Senn, seit drei Wochen ist Ihre Firma mit einem Speichel-Geruchstest auf dem Markt, mit dem Singles auf Online-Dating-Plattformen ihren Wunschpartner effizienter finden. Wie ist es, in der Wirtschaftskrise ein Unternehmen zu lancieren? Dominic Senn: Wir spüren nichts von der Krise. Die Dating-Branche boomt. Die ersten Feedbacks seit der Lancierung des Chemistry-Checks sind positiv. Wir wachsen und stellen Leute ein. Mitarbeiter zu finden, die bereit sind, zu einem nicht übermässig hohen Lohn bei uns zu arbeiten, ist jetzt, in der Krise, eher einfacher.
«Basisnote» ist erfolgreich gestartet. Ein gutes Gefühl? Ja. Aber wir können nicht stehen bleiben. Wir beginnen jetzt, weltweit Kunden zu akquirieren. Prioritär in Europa, dann in den USA. Wir haben auch lose Kontakte zu zwei, drei grossen Dating-Sites in Asien. Unsere Ambition ist es, nächstes Jahr 3, 4, 5 neue Dating-Plattformen dazuzugewinnen, die unseren Geruchstest aufnehmen.
Ihr Geruchstest nimmt der Liebessuche die Romantik. Sind Sie sicher, dass Singles, die online einen Partner suchen, das wollen? Sicher ist man nie (lacht). Ihr Verdacht, wir seien Romantikkiller, ist haltlos. Das sind wir nicht, und das wollen wir nicht sein. Unsere Vision ist es, dass man auf Dating-Sites dereinst sein Geruchsprofil so selbstverständlich dazustellt wie heute ein Foto. Es ist eine zusätzliche Information zu einer Person, die die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man zueinanderpasst. Erst der persönliche Kontakt zeigt dann, ob aus der Wahrscheinlichkeit die Realität einer prickelnden Liebe wird.
Unromantisch ist, dass die Möglichkeiten der Liebe im Geruch sozusagen vorbestimmt sind. Ja, aber es ist nicht die einzige Wahrheit. Ich ziehe einen Vergleich: Wir haben Sex, weil wir unser Genset vervielfachen wollen. Sehr unromantisch. Wir haben auch Sex, weil wir dabei Lust und Glück erleben. Sehr romantisch – und beides stimmt. Ähnlich ist es mit dem Geruch.
Wie genau? Jeder Mensch gehört zu einem bestimmten Geruchstyp. Der sagt auch etwas aus über das Immunsystem. Angezogen fühlt man sich beim anderen Geschlecht aber von einem Duft, der gegensätzlich ist zu seinem eigenen. Damit kommen zwei unterschiedliche Immunsysteme zusammen, die für den Nachwuchs einen optimalen Schutz gegen Krankheitserreger garantieren. Das ist die Basis unserer Geschäftsidee, wissenschaftlich solide nachgewiesen und damit eine Wahrheit.
Die aber nicht das ganze Geheimnis der Liebe erklärt. Genau. Wir haben einen einfachen Speicheltest entwickelt, mit dem man zu Hause seinen Geruchstyp bestimmen, als Code in sein Dating-File tippen und dann Dates suchen kann, deren Geruchsprofil möglichst weit davon entfernt sind. Das erhöht die Chance auf Liebe
...aber garantiert sie nicht. So ist es.
Ist es ideal, im internationalen Dating-Business von Bern aus zu operieren? Es ist kein Nachteil. Dass sich unsere Firma in Bern befindet, ist quasi biografisch bedingt. Der Biologe August Hämmerli, der Physiker Manuel Kägi und ich als Politikwissenschafter und Volkswirt waren alle angestellt an der ETH. Wir mochten nicht mehr jeden Tag nach Zürich pendeln, deshalb mieteten wir in Bern ein Büro, wo wir alle unabhängig voneinander an unseren Projekten arbeiteten. Die Bürogemeinschaft führte uns dann aber inhaltlich zusammen. Schritt für Schritt entwickelten wir die Idee für «Basisnote».
Ohne den Standort Bern in Frage zu stellen? Als die Firmengründung konkret wurde, stürzten wir uns in zahlreiche Weiterbildungsangebote für Start-up-Firmen. Dabei wurde uns wiederholt der Technopark Zürich als Standort empfohlen, weil dort die spannendsten Sachen abgingen. Wir überlegten aber von der Lebensqualität her: Manuel Kägi und ich haben Kinder und Partnerinnen hier, deren Nähe uns wichtig ist. In einer Stunde fährt man nach Zürich, was ich mindestens einmal wöchentlich tue. Wir sahen keinen Grund, Bern zu verlassen. Abgesehen davon gibt es einiges, was genial ist in Bern. Die kurzen Wege etwa. Oder die Nähe zur welschen Schweiz. Und wenn ausländische Gäste kommen, sind sie von Bern und den nahen Bergen immer hell begeistert.
Spüren Sie so etwas wie Berner Pioniergeist? Ich weiss nicht. Was man vielleicht sagen kann: Bern zwingt einen, stärker als anderswo an seine Idee zu glauben, sie schärfer und präziser durchzudenken. Wer hier eine Start-up-Firma gründet, braucht einen sehr fundierten Businessplan und muss bereit sein, weite Wege zu gehen. Denn die Finanzierungsinstrumente für junge Firmen sind in Bern dünn gesät.
Wie muss man mental beschaffen sein, wenn man wie Sie eine Start-up-Firma steuert? Gute Frage (überlegt). Für sehr wichtig halte ich die Fähigkeit, das halb volle und das halb leere Glas auseinanderzuhalten. Ich erlebe unsere Firmengeschichte als ungemein spannenden, aber endlosen Hindernislauf. Hat man eine Hürde übersprungen, türmt sich schon die nächste vor einem auf. Kaum hat man die Finanzierung sichergestellt, muss man es technologisch schaffen, das Produkt marktfähig zu machen. Ist man auf dem Markt, stellen sich Finanzierungsfragen für den nächsten Ausbauschritt. Bei jeder Hürde kann man stürzen, und man ist weg.
Sie klettern permanent über dem wirtschaftlichen Abgrund. Ja. Deshalb darf man sich nicht von der Höhe der nächsten Hürde schwach machen lassen. Sondern man muss stets auch im Blick behalten, was man alles schon geschafft hat. Daraus kann man ein gesundes Mass an Selbstvertrauen beziehen.
Tatsache ist, dass die Mehrzahl der Start-ups scheitert. Stimmt. Aber was heisst schon scheitern? Wir stigmatisieren das Scheitern oft zu stark und beschäftigen uns eher zu wenig mit Jungunternehmen, die auf Grund gelaufen sind. Von ihnen könnte man viel lernen. Stattdessen hören wir die Geschichten von Erfolgreichen, zu denen im Moment glücklicherweise auch wir gehören.
Was spricht denn dagegen? Man muss sich einfach bewusst sein, dass eine unternehmerische Erfolgsgeschichte zwar von guter Arbeit, guten Ideen, gutem Marketing abhängt. Aber auch von sehr viel Glück. Man kann zu früh sein mit einer Idee oder an die falschen Leute geraten. Man muss das richtige Zeitfenster erwischen, in dem ein Produkt dem Zeitgeist entspricht. Das garantieren auch der intelligenteste Businessplan und die beste Finanzierung nicht. Bis zu einem gewissen Grad bleibt der Erfolg ein Geheimnis.
Wie die Liebe? Genau.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 28.11.2009, 16:44 Uhr
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