Bernaqua bleibt auf unbestimmte Zeit zu
Von Wolf Röcken, Mirjam Messerli. Aktualisiert am 22.09.2011 5 Kommentare
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Der Deckeneinsturz
Am Abend des 12.April krachten im Erlebnisbad Bernaqua im Westside über dem Schwimmbecken Teile der Decke aus zehn Metern Höhe zu Boden. Zwei Badegäste wurden verletzt. Zum Zeitpunkt des Einsturzes befanden sich rund 1000 Besucher im Komplex.
Die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Experten der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) führten Abklärungen zur Ursache des Deckeneinsturzes durch. Totalunternehmer Strabag/Rhomberg stellte sich aber auf den Standpunkt, dass der Bericht der Empa nicht genüge, und strengte gerichtlich weitere Beweisaufnahmen an. Solange diese laufen, darf die Betreiberin Neue Brünnen AG die Reparaturarbeiten in der Schwimmhalle nicht weiterführen. Mirjam Messerli
Korrektur-Hinweis
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Herr Gäumann,wird das Erlebnisbad Bernaqua in diesen Herbstferien wieder eröffnet?
Anton Gäumann: Das kann ich nicht sagen. Wir warten auf die Abklärungen des Vorfalls, den wir immer noch sehr bedauern. Solange diese Abklärungen nicht abgeschlossen sind, gilt die Verfügung, dass wir die Decke nicht ersetzen dürfen. Wir warten einerseits auf den Bericht der Experten, die das Handelsgericht eingesetzt hat, und andererseits auf den Bericht der Empa (siehe Kasten).
Weshalb braucht es zwei Berichte?
Den Bericht der Empa gab der Untersuchungsrichter nach dem Vorfall in Auftrag. Diese Untersuchungen vor Ort sind abgeschlossen. Der Totalunternehmer Strabag/Rhomberg wiederum, der das ganze Westside in unserem Auftrag gebaut hat, stellt sich aber auf den Standpunkt, dass der Empa-Bericht nicht genügt. Deshalb strengte er gerichtlich zusätzlich eine vorsorgliche Beweisaufnahme an. Das Handelsgericht hat nun zwei Experten damit beauftragt. Bis diese mit ihrer Arbeit fertig sind, dürfen wir die angefangenen Arbeiten in der Badehalle nicht fortsetzen.
Wenn diese Berichte vorliegen und den Einbau der neuen Decke erlauben sollten, wird das Erlebnisbad umgehend wieder eröffnen?
Nein, für die Herbstferien wird es kaum reichen. Wir brauchen eine Vorlaufzeit von gut vier Wochen, um den Betrieb wieder hochzufahren.
Im Oktober wollte das Einkaufs- und Freizeitzentrum Westside sein 3-jähriges Bestehen feiern. Hat der Vorfall im Bernaqua daran etwas geändert?
Ja, wir haben diesen Jubiläumsanlass nun auf Anfang November verschoben. In der Hoffnung, dann gleichzeitig auch Bernaqua wieder eröffnen zu können. Dafür brauchte es aber einen Entscheid der Behörden bis Ende September, Anfang Oktober. Wir möchten das Fest zum 3-Jahr-Jubiläum am liebsten mit all unseren «Kindern» durchführen. Aber das Fest wird auf jeden Fall stattfinden – mit oder ohne Bad.
Einige Wochen nach der Schliessung im April sagten Sie, die Existenzfrage stelle sich nicht für das Bad. Stellt sie sich jetzt?
Die Existenzfrage stellt sich auch auf einer Zeitachse von ein, zwei Jahren nicht. Immerhin sind der Spa-, Fitness- und Saunabereich sowie das römisch-irische Bad uneingeschränkt geöffnet. Das Problem ist ein anderes: Je länger ein Angebot wie das Erlebnisbad vom Markt ist, desto schwieriger wird es, es nachher wieder zu positionieren. Aber es ist klar, dass wir wieder eröffnen, sobald wir dürfen.
Beim Vorfall im April gab es Verletzte. Stehen Sie mit diesen in Kontakt?
Betroffen ist vor allem ein Mann, der verletzt wurde. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut, und er kommt auch wieder in die geöffneten Bereiche von Bernaqua. Aber natürlich leidet er noch unter den Folgen seiner Verletzung. Wir sind mit ihm im Gespräch.
Fast ein halbes Jahr ist das Bad nun schon geschlossen. Wie hoch ist der finanzielle Schaden?
Wir sprechen von einem Ausfall in zweistelliger Millionenhöhe. Einzelheiten wie die Schuldfrage oder die genaue Höhe der Schadensumme werden sich aus den Untersuchungsberichten ergeben.
Der Vorfall im Bernaqua kam für Westside zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt – in einer Phase, in der das Zentrum nach wie vor seine Position sucht.
Das ist so. Bei einem solchen Zentrum sind fünf Jahre nötig, um sich zu etablieren und zu positionieren. Im Jahr 2010 legten wir im Gesamtbereich um mehr als 8 Prozent zu.
Nun kam es mitten in dieser Positionierungsphase zu diesem Zwischenfall der dazu führt, dass Westside nicht auf Kurs ist?
Wir sind trotzdem auf Kurs. Aber man kann nichts schönreden. Sicher ist die Schliessung von Bernaqua nicht förderlich für den Standort Westside. So ein Vorfall macht das Ganze nicht einfacher.
Was werden Sie unternehmen, um das Image des Zentrums wieder zu stärken?
Wir haben schon direkt nach dem Vorfall am 12. April offen informiert. Bereits am Abend konnten Journalisten vorbeikommen und sich vor Ort ein Bild machen. Wir wollen auch weiter offen informieren und alles dafür tun, damit die neue Decke den höchsten Sicherheitsanforderungen entspricht.
Ohne Bernaqua fehlt dem Freizeit- und Einkaufszentrum Westside ein Zugpferd. Wie reagieren andere Mieter darauf?
Bernaqua ist ein wichtiger Frequenzbringer, das stimmt, aber es nicht der einzige. Wir haben zwei weitere publikumsintensive Bereiche: Den Shoppingbereich und den Kinobetrieb, der nicht nur in den letzten kälteren Tagen sehr gut gelaufen ist.
Aber es bleiben Badegäste und damit Kunden aus. Wie reagieren andere Mieter darauf?
Wir sind ständig im Kontakt. Es ist eine Tatsache, dass zwischen 1000 und 2000 Tagesbesucher des Erlebnisbads fehlen, darunter auch Familien. Das spüren Mieter, welche dieses Segment ansprechen.
Wie reagieren Sie?
Wir nehmen die Sorgen der betroffenen Mieter sehr ernst und teilen diese. Deshalb werden wir allfällige Forderungen unsererseits und seitens der Mieter als Privatkläger in einem späteren Verfahren einbringen.
Mussten sie Mitarbeiter von Bernaqua entlassen?
Es sind immer noch alle Bernaqua-Mitarbeiter beschäftigt.
Waren Bernaqua und Westside insgesamt ein zu risikoreicher Bau mit zu knappem Zeitplan? Immerhin wurde der Komplex in nur drei Jahren erstellt.
Wir als Neue Brünnen AG hatten einen Vertrag mit dem Totalunternehmer Strabag/Rhomberg. Der Vertrag enthielt selbstverständlich auch Terminpläne inklusive Reserven. Es lag in der Verantwortung des Totalunternehmers, diesen Zeitplan einzuhalten.
Gab es denn während des Baus Anzeichen, dass der Termindruck zu gross war?
Uns wurde vom Totalunternehmer nie angezeigt, dass die Zeit nicht ausreiche. Beim Bau von Bernaqua lagen die Arbeiten 2007 zeitweise sogar vor dem Zeitplan. Der Totalunternehmer war für uns der Ansprechpartner. Es ist bei einem solchen Grossprojekt zumindest vorstellbar, dass gewisse Partner des Totalunternehmers zeitweise unter Zeitdruck kamen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 22.09.2011, 08:31 Uhr
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5 Kommentare
Auch vor dem Deckeneinsturz gab es relativ viele Unfälle, wegen dem rutschigen Boden. Ich war etwa 1 Monat vor dem Einsturz dort und war nicht sehr begeistert. Die Vielfalt ist zwar schön, aber mit Kindern muss man sehr vorsichtig sein. Nach diesem Vorfall aber ist mir klar, dass ich dort nie wieder hingehen werde, es sei denn, man behebt die anderen Mängel -Ausrutschgefahr und vielen Kanten- auch Antworten
Er darf natürlich nicht sagen, dass der Bauträger unheimlichen Druck hatte. Das oft nur das billigste genommen wurde. Pfusch am Bau halt auch hier. Westside ist eine Fehlplanung. In 2 Jahren können sie die ganze Fassade renovieren da sie schrecklich aussieht. Ich frage mich immer wie bezahlen die teuren Läden die Mieten, Haben die Knebelverträge das sie nicht schliessen ? Antworten
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