Behördliche Schönfärberei zu Sozialhilfemissbrauch
Von hu/mus. Aktualisiert am 15.11.2008 22 Kommentare
Gegen Artikel «vehement interveniert»: Regierungsstatthalterin Regula Mader. (Bild: Urs Baumann)
Links
- Ursprüngliche Version: Statthalterin bestätigt Missbrauch in 38 der 97 Dossiers
- Version nach Intervention: Statthalterin beschränkt sich auf Kategorisierung
- Der Untersuchungsbericht
Artikel zum Thema
- Sozialhilfedossier: Für Parteien bestätigt Bericht Existenz von Missbrauch
- Verbaler Schlagabtausch um Sozialhilfe-Bericht
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«Statthalterin bestätigt Missbrauch in 38 der 97 Dossiers» titelte die Depeschenagentur ihre erste Meldung, die sie um 11.30 Uhr an die Medien verbreitete. Im Text wurde kurz dargestellt, dass der Untersuchungsbericht von Regierungsstatthalterin Regula Mader zum Schluss gekommen sei, dass die Missbrauchsvermutung bei 38 von 97 Dossiers berechtigt gewesen sei. 30 Minuten später bat die SDA die Redaktionen, die Meldung «nicht zu verwenden». Sie müsse umgeschrieben werden. Kurz nach 13 Uhr meldete sich der Informationsbeauftragte der Stadt Bern, Walter Langenegger, auf der Online-Redaktion der Berner Zeitung an und bat, den besagten Artikel von der Website zu entfernen. Die publizierten Zahlen würden ein falsches Bild vermitteln, sagte er.
Kurz vor 15 Uhr folgte dann eine völlig veränderte Berichterstattung mit der Ueberschrift: «Statthalterin beschränkt sich auf Kategorisierungen». Auffälligstes Merkmal: das Wort «Missbrauch» wurde darin wortreich umschifft.
Regierungsstatthalterin Regula Mader habe nach Publikation der ersten Meldung «vehement interveniert» erklärte SDA-Chefredaktor Bernard Maissen auf Anfrage. Die zuerst verbreitete Meldung sei aber «inhaltlich korrekt». Deshalb sei die erste Fassung nicht im eigentlichen Sinn zurückgerufen worden und es handle sich bei der zweiten Version auch nicht um eine «Berichtigung», sondern um eine «neue Fassung». Diese sei aber zugegebenermassen vorsichtiger formuliert, während die erste Fassung eher «zugespitzt» worden sei. Walter Langenegger von der städtischen Verwaltung wiederum erklärte, er habe bei der SDA lediglich die «Präzisierung» eines Zitats verlangt und die Online-Redaktoren der Berner Zeitung darauf aufmerksam machen wollen.
bernerzeitung.ch publiziert beide Fassungen der SDA-Meldung, damit sich die User ein eigenes Urteil bilden können.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.11.2008, 15:02 Uhr
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22 Kommentare
Nun also doch! Wenn nun sogar schon SP- Regierungsstatthalterin Mader Mängel feststellt und die Arbeit des verwaltungsinternen Inspektorates als "grösstenteils vage und auch unsystematisch" bezeichnen muss, liegt die politische Schlussfolgerung doch auf der Hand: verwaltungsexterne Kontrolle ist angesagt, und das so bald als möglich. Dies braucht es, um Missbrauchsfälle wirksam zu verhindern. Antworten
Der Parteienfilz innerhalb der Linken funktioniert, sodass zum jetzigen Zeitpunkt so kurz vor den Wahlen keine Details an die Oeffentlichkeit dringen. Es darf auch bezweifelt werden, ob auf Grund des Berichtes Aenderungen zu erwarten sind. Auch die "Sozialindustrie" hat ihr Lobby, wie jede andere Branche auch. Antworten
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