Behinderte leisten präzise Arbeit, damit es rund läuft
Von Hannah Einhaus. Aktualisiert am 19.07.2011 1 Kommentar
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Der Weg vom Empfang in die Velowerkstatt des Blinden- und Behindertenzentrums Bern führt durch weiss getünchte Gänge, an weissen Türen vorbei, die mit schwarzen Buchstaben und Zeichen der Blindenschrift Braille beschriftet sind. In den meisten Räumen sorgen breite Glasfronten für Tageslicht. Hier wird geflochten, gebündelt, verpackt, gesägt, montiert und zusammengesteckt. In der Velowerkstatt sitzen an mehreren Tischen sechs Männer konzentriert vor einer Vorrichtung, auf der sich ein Velorad vertikal drehen lässt. In Teilschritten produzieren sie hier Räder, die Topqualität aufweisen müssen.
Die Velowerkstatt des Blinden- und Behindertenzentrums Bern erwirtschaftet pro Monat einen Umsatz von rund 6000 Franken. Beim Endprodukt wird die Herstellung der Räder im Zentrum nicht speziell erwähnt. «Wir wollen den sozialen Faktor des Produkts nicht hervorheben», sagt Yvonne Uhlig, Verantwortliche Kommunikation. «Was zählt, ist die Qualität.»
Bekannte Kunden
Bei der Laufradmontage setzen die Männer mit einer Behinderung zwischen Nabe und Felgen Speiche um Speiche ein. Um eine regelmässige Spannung zu erreichen, wiederholen sie kleine Drehungen von Schräubchen. Nach einer Runde testen sie an einer Vorrichtung, ob auch Nabe und Felgen präzise eingesetzt sind. Nach dieser Grobmontage folgen Messungen und Anpassungen mit Präzisionsinstrumenten.
Alle Elemente müssen am Schluss im Promillebereich exakt aufeinander abgestimmt sein, bevor sie zur Qualitätskontrolle bei Gruppenleiter Stefan Ege kommen. Erst mit dessen kritischer Überprüfung am Computer ist das Produkt ISO-tauglich und bereit zur Auslieferung an die Kunden. Diese heissen unter anderem Biketech, Thömus Veloshop oder GPR, die neben Fahrrädern auch Elektrovelos herstellen. Da ist kein Fahrrad unter 2000 Franken und kein E-Bike unter 5000 Franken zu haben.
Ein Gewinn für alle
Jedes Rad ist handgefertigt – eine aufwendige Arbeit. In der Privatwirtschaft würde dieselbe Arbeit mehrere Hundert Franken pro Rad kosten. Deswegen lassen die meisten Veloproduzenten solche Räder in Asien herstellen. Die Werkstätten des Zentrums verlangen für dasselbe Produkt deutlich weniger als hundert Franken. «Das ist eine Win-win-win-Situation», erwidert Yvonne Uhlig auf die Frage, ob dies nicht eine Form von Ausbeutung sei. Die Kunden erhielten ein Topprodukt zu einem erschwinglichen Preis, hergestellt in der Region. Das Blinden- und Behindertenzentrum Bern mache damit Umsatz. Die Mitarbeitenden mit einer Behinderung wiederum hätten nebst der IV-Rente ein Einkommen, das ihnen weitgehend ein selbstständiges Leben in einer eigenen Wohnung ermögliche. Dazu kämen Erfahrungen von Teamarbeit und Weiterbildungen.
Die Montage der Hightech-räder ist nur eine von vielen Dienstleistungen und Produkten in den Werkstätten. Eine lange Tradition hat die Herstellung von Spezialbürsten. Neben Reinigungs- und Schuhbürsten werden auch firmenspezifische Produkte hergestellt wie feine Bürstchen für Nespresso-Maschinen. Bei den Sesselflechtern erhalten Bistrostühle mit einem neuen oder reparierten Geflecht die nötige Spannung. In der Schreinerei entstehen unter anderem Möbel und Serienprodukte für die Industrie, und in der technischen Montage werden Airbagfedern abgefüllt. (Berner Zeitung)
Erstellt: 19.07.2011, 06:30 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
1 Kommentar
Da bekomme ich doch geradewegs einen dicken Hals! Von wegen keine Ausbeutung: Behandelt uns Behinderte endlich mit Respekt. Und: Wenigstens bekommen diese Ausgebeuteten überhaupt eine IV-Rente, es gibt solche wie mich, die eine kaufmännische Ausbildung absolviert haben, aber seit drei Jahren arbeitslos sind und keinen Rappen von der IV erhalten: Den Rollstuhl darf man sowieso auch selber bezahlen. Antworten
Region
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Bitte warten




