Ausbau Bahnhof: Pläne sind verbesserungswürdig

Aktualisiert am 16.06.2009 8 Kommentare

Die Kosten und Nutzen beim geplanten Ausbau des Bahnhofs Bern stehen noch nicht in einem angemessenen Verhältnis. Zu diesem Schluss ist ein Experte gekommen, der die bisherigen Planungsarbeiten unter die Lupe genommen hat.

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Kommentar: Besser spät als nie

Das Positive zuerst: Barbara Egger hat die richtigen Schlüsse aus der Tatsache gezogen, dass der überlastete Bahnhof Bern eine wichtige Drehscheibe im nationalen Zugverkehr ist. Endlich stellt sie die Interessen des RBS zurück – zu Gunsten der vernachlässigten SBB.
Dieses Einlenken war nötig. Denn ohne Bundesgelder ist der dringend nötige Ausbau des Berner Bahnhofs gefährdet. Und diese Bundesgelder würden weniger stark – oder gar nicht – fliessen, hätte Barbara Egger weiterhin auf stur geschaltet. Das hatte sie zuvor getan. Die Pläne wurden seit langem kritisiert. Doch Kritiker hat sie ignoriert und Journalisten wegen ihrer Berichte abgekanzelt.

Nun müssen Egger und ihr Team die Pläne überarbeiten, die sie mit ein wenig Gehör früher hätten überarbeiten können. Der Bahnhofsausbau verzögert sich um mindestens eineinhalb Jahre. Und während Zürich bereits den zweiten Tiefbahnhof baut, fällt Bern im Standortwettbewerb der Metropolen weiter zurück.
tobias.habegger@bernerzeitung.ch

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Professor Ulrich Weidmann von der ETH Zürich bestätigte aber auch, dass die vorgeschlagenen Lösungsansätze im Grundsatz richtig und ein Ausbau des Bahnhofs Bern nötig sei. Der Bahnhof müsse am heutigen Standort bleiben.

Die dem Projekt zu Grunde liegenden Nachfrageerwartungen hält Weidmann indessen für etwas gar «offensiv». Er rechnet mit einem verhaltenerem Anstieg der Nachfrage.

Daneben seien in der Region Bern ÖV-Projekte aufgegleist, deren Auswirkungen noch zu wenig mitberücksichtigt worden seien. Dadurch könnte beispielsweise auf eine Verlängerung des Regionalverkehrs Bern-Solothurn nach Westen verzichtet und die Kosten etwas gesenkt werden.

Nicht zurück auf Feld eins

Die Projektverantwortlichen, darunter auch Regierungsrätin Barbara Egger, zeigten sich erfreut, dass der Experte das Projekt im Grundsatz als machbar und notwendig beurteilt habe. «Wir müssen nicht zurück auf Feld eins», sagte Egger am Montag vor den Medien in Bern.

Das Projekt werde weitergeführt und die Empfehlungen Weidmanns in der nun beginnenden, nächsten Planungsphase aufgenommen, führte Egger aus. Die Anregungen des Gutachters seien willkommen, sagte auch Philippe Gauderon, Leiter SBB Infrastruktur.

Bahnhof platzt aus allen Nähten

Für die SBB stünden in einem nächsten Schritt vor allem die Publikumsanlagen im Fokus, denn der Bahnhof platze hinsichtlich der Pendlerströme aus allen Nähten. Für die Jahre nach 2030 bleibe auch ein Tiefbahnhof für die S-Bahn eine Option.

Der Bahnhof Bern ist mit seinen täglich 150'000 Passagieren der zweitgrösste Bahnhof der Schweiz. Er stösst zunehmend an Kapazitätsgrenzen. Besonders prekär ist die Situation beim bestehenden Tiefbahnhof des Regionalverkehrs Bern-Solothurn.

Dieser war ursprünglich für rund 16'000 Reisende pro Tag geplant, heute zwängen sich 54'000 Reisende pro Tag durch den RBS-Bahnhof. Sofortmassnahmen sollen für die nächsten paar Jahre etwas Entlastung bringen. Sie könnten allerdings einen Kapazitätsausbau nicht ersetzen, betonte RBS-Direktor Hans Amacker.

Gegen drei Milliarden

Das Gesamtprojekt Zukunft Bahnhof Bern (ZBB) sieht einen neuen RBS-Tiefbahnhof, einen neuen Westzugang zum Hauptbahnhof und eine verbreiterte Hauptpassage im Bahnhof Bern vor. Eine längerfristige Option ist der von Gauderon angesprochene Tiefbahnhof für die S-Bahn.

Die Kosten für ZBB werden auf 2,5 bis 3 Mrd. Franken geschätzt. Solche Kosten wären nur angemessen, wenn beim Nutzen ein Quantensprung erzielt werden könnte, hielt Weidmann in seinem Gutachten fest. Ein solcher sei aber bei ZBB nicht zu erwarten.

Das Projekt ZBB wurde im vergangenen November vorgestellt. Um sich für das Jahrhundertprojekt abzusichern hatten die Beteiligten beschlossen, es schon in einem frühen Stadium von unabhängiger Seite prüfen zu lassen. (mau/sda)

Erstellt: 16.06.2009, 08:04 Uhr

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8 Kommentare

Rudolf Burgener

15.06.2009, 16:04 Uhr
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Im RBS-Bahnhof Bern hat es eine Schiene zuviel, nämlich für die Linie Bern Unterzollikofen. Das ist die kürzeste Linie. Diese könnte heute schon aufgehoben werden und ab Worblaufen würde Busse fahren. Das gäbe es Platz, die übrigen 3 Schienen werden neu versetzt, die Perrons verbreitert. Da steht man nicht mehr einander so auf den Zehen herum. Antworten


Müller Peter

17.06.2009, 10:25 Uhr
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Zollikofen ist schon heute vom Verkehr stark belastet eine weitere Busline bringt mehr Verkehr und ist daher ungeeeignet - insbesondere wenn die Bahninfrastruktur schon steht! Es gibt nur eine Lösung:neuer Tiefbahnhof Bern. Ich hoffe den Autoren der ETH- Studie gehts finanziell jetzt besser, gebracht hat sie nichts! Antworten



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