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Aus der Wohnzimmer-Vitrine wird später ein Sarg

Von Wolf Röcken. Aktualisiert am 04.05.2011 1 Kommentar

Einen solchen Stand gab es an der BEA noch nie. Werner Locher aus Uetendorf verkauft Särge – aber eigentlich sind es auch Vitrinen fürs Wohnzimmer.

Werner Locher mit einer Vitrine  mit Beleuchtung und Tablaren. Wenn sie nicht stehen würde,   sähe man keine Unterschiede zu den Särgen rechts.

Werner Locher mit einer Vitrine mit Beleuchtung und Tablaren. Wenn sie nicht stehen würde, sähe man keine Unterschiede zu den Särgen rechts.
Bild: Wolf Röcken

Die BEA-Messeleitung habe erst etwas zurückhaltend reagiert, als er sich gemeldet habe, erzählt Werner Locher. Seine Anfrage für einen Stand müsse im Gesamtgremium besprochen werden, hiess es. Dann aber kam das Okay. Zusammen mit der Rückfrage, ob er denn im Ressort Dienstleistungen oder Möbel ausstellen wolle.

Nun steht Werner Locher mit seiner Ware in der Möbelhalle zwischen Matratzen, Küchentischen und Ständerlampen. Er verkauft Vitrinen – denken jedenfalls jene Besucher, die rasch am Stand vorbeigehen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Denn Lochers Vitrinen sind auch Särge. «Zuerst stehen sie im Wohnzimmer und werden zur Aufbewahrung gebraucht, später sind es Särge», erklärt der Schreiner aus Uetendorf. Sein Spezialgebiet sind Möbelrestaurationen – und eben Särge aus verschiedenen Holzarten.

Als sein Vater vor einem Jahr starb, kam Werner Locher ins Nachdenken: «Eine eckige Kiste als Sarg kann es nicht sein.» So entstand sein ovaler und konisch geformter Sarg ohne Kanten und Ecken. Die Form ist jener einer Wiege nachempfunden, das Modell heisst deshalb «Cradle». Schon länger trug er die Idee mit sich rum, dass man seine Särge, mit einem Sockel, auch als Vitrinen verwenden könnte. Einen Monat vor der BEA entschloss er sich, an der Messe diese zweifache Verwendung zu bewerben.

Zu 98 Prozent seien die Reaktionen der Besucher positiv, sagt Werner Locher, der früher jahrelang als Bestattungsunternehmer arbeitete. «Sie staunen über die Form und die Idee.» Der kleine Rest mache Bemerkungen, dass das doch makaber sei, was er mache. Er hat jedenfalls bereits Geschäfte abgeschlossen. Eine ältere Frau sei mit ihrer Tochter gekommen und habe einen Sarg ausgewählt, den sie eben vorher noch als Vitrine brauchen werde. Ein Kunde mit einem grossen Bärentattoo auf dem Oberarm wollte ein Airbrushbild von genau diesem Bären auf seinem Sarg. Auch er will ihn vorher aber noch als Vitrine nutzen.

Locher verkauft die Särge üblicherweise über die Bestatter. Wer sie vorher aber als Vitrine brauchen will, kann sie direkt bei ihm beziehen, für 2700 bis 3500 Franken, je nach Holz.

Es ist das erste Mal, dass an der BEA Särge verkauft werden. Vielleicht auch das letzte Mal. Locher selber denkt jedenfalls nicht, dass er wiederkomme. Er wolle in diesem Jahr die spezielle Form seiner Särge bekannt machen. Ende Monat ist er an einer Messe in Dresden. Danach möchte er lieber an Fachveranstaltungen für seine Kreation werben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.05.2011, 08:21 Uhr

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1 Kommentar

Schönenberg Jean-Pierre

04.05.2011, 12:04 Uhr
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Die Idee finde ich genial! Herzliche Gratulation und viel Erfolg. Antworten



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