Jungbär 4 wurde eingeschläfert

BernIm Berner Tierpark Dählhölzli ist auch der zweite Jungbär gestorben. Er wurde eingeschläfert. Zuvor hatte ihn sein Vater immer heftiger traktiert. Mutter Mascha verlor zudem das Interesse an ihm.

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Für zwei Tage war die Hoffnung zurückgekehrt in den Bärenwald des Tierparks Dählhölzli: Nachdem Bärenvater Mischa am vergangenen Mittwoch eines seiner Jungen getötet hatte, schien ihn 4, der vermeintlich grössere und stärkere der beiden Jungbären, nicht zu interessieren. Unbedrängt von seinem Vater erkundete dieser ein erstes Mal das Freigehege. Mutter Mascha wich ihm dabei nicht von der Seite.

Doch der Familienfrieden währte nicht lange. Bereits am Samstag wurde 4 von Mischa gepackt und aus den Stallungen geholt. Das grobe Spiel, das zuvor 3 das Leben gekostet hatte, begann aufs Neue. Immer heftiger wurde der kleine Bär von den Pranken seines Vaters traktiert – so heftig, dass die Tierparkleitung sich am Montag zu dem Entschluss durchrang, ihn einzuschläfern. «Wir haben das Jungtier eingeschläfert, um es von weiterem Stress und Schmerz zu schützen», sagt Jürg Hadorn, stellvertretender Direktor des Tierparks. Man habe den kleinen Bär per Schiebetür von seinen Eltern getrennt, als diese die Stallungen verlassen hatten, und ihn vor Ort eingeschläfert.

Mutter kümmerte sich nicht mehr um das Junge

Die Tierpfleger hatten zuvor festgestellt, dass Mischas immer gröber werdendes Spiel mit 4 in Zusammenhang stand mit der Tatsache, dass Bärenmutter Mascha mehr und mehr das Interesse am eigenen Nachwuchs verlor. «Mischa hat das Kleine eindeutig dazu missbraucht, um die Aufmerksamkeit seiner Gefährtin auf sich zu lenken», sagt Jürg Hadorn. Da ihm das nicht gelungen sei, hätte das Jungtier sowieso den Tod gefunden: entweder durch die Übergriffe des Vaters oder weil ihn die Mutter weiter vernachlässigt und später auch nicht mehr gesäugt hätte.

Warum Mascha ihrem Nachwuchs immer weniger Beachtung geschenkt hat, bleibt offen. Die Tierparkleitung geht jedoch davon aus, dass ihr ohnehin schwacher Mutterinstinkt in zunehmendem Masse von ihrer innigen Beziehung zu Mischa überlagert wurde. «Diese beiden Bären waren mit der Elternrolle überfordert», sagt Jürg Hadorn.

Generell sei es aber auch bei anderen Tierarten nicht selten, dass Muttertiere das Interesse am eigenen Nachwuchs verlören, sagt Hadorn. Er weist darauf hin, dass es bei den Moschusochsen im Dählhölzli drei Würfe gebraucht habe, bis es erstmals einer Kuh gelang, ein Junges grosszuziehen.

Handaufzucht war niemals in Betracht gezogen worden

Alternativen zu der drastischen Massnahme, den Jungbären einzuschläfern, sah die Tierparkleitung keine. Ein Versuch, Mischa von Gefährtin und Nachwuchs zu trennen, musste vergangene Woche bereits nach dreissig Minuten abgebrochen werden: Zu gestresst hätten die beiden Bären darauf reagiert.

Die letztmögliche Option, um Jungbär 4 am Leben zu lassen, hätte darin bestanden, ihn von Hand aufzuziehen. Diese wurde von der Tierparkleitung jedoch gar nicht in Betracht gezogen: «Wir würden damit ein Tier produzieren, das keine Chance hat, jemals ein bärengerechtes Leben zu führen», sagt Jürg Hadorn. 4 hätte danach fern von anderen Bären in Einzelhaltung leben müssen. «Der Teufelskreis der Handaufzucht musste durchbrochen werden.» (Berner Zeitung)

(Erstellt: 08.04.2014, 06:25 Uhr)

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