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«Auch das liberale Bern ist nicht frei von Rassismus»

Von Hannah Einhaus. Aktualisiert am 14.03.2011 8 Kommentare

Vom 14. bis zum 21. März führt die Stadt Bern eine Aktionswoche gegen Rassismus durch. Der Anlass wird koordiniert vom städtischen Kompetenzzentrum für Integration. Leiterin Ursula Heitz begründet den Anlass.

«Dem Berner Oberland kann ich nichts vorschreiben.» Ursula Heitz, Leiterin vom städtischen Kompetenzzentrum für Integration.

«Dem Berner Oberland kann ich nichts vorschreiben.» Ursula Heitz, Leiterin vom städtischen Kompetenzzentrum für Integration.
Bild: Urs Lindt

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Ein Strauss von Veranstaltungen und ein Sternmarsch ins Zentrum

Das Programm Organisiert wird die Aktionswoche vom städtischen Kompetenzzentrum für Integration, gemeinsam mit Vereinen, Quartierorganisationen und engagierten Einzelpersonen. Der Auftakt zur Aktionswoche gegen Rassismus findet heute Montagabend mit Malerei und Musik statt, ab 19 Uhr im Breitsch-Träff am Breitenrainplatz 27.

Von Dienstag bis Samstag sorgen in verschiedenen Stadtteilen Musik, Kunst, Theater, Literatur, Videos, Workshops und Vorträge für eine Auseinandersetzung mit dem Thema. Die «Living Library» mit Menschen, die ihre Biografie in Bibliotheken erzählen, gehört ebenso dazu wie der African Mirror, der Videointerviews auf den Berner Strassen durchführt. Eine Standaktion zeigt mit Fotokamera und Drucker die Vielfalt der Berner Bevölkerung auf. Eine andere macht das Gegenteil und verwandelt mit wenigen Änderungen im Bild jeden Passanten «innert fünf Minuten zum Terroristen».

Zu den grössten der 19 Aktionen gehört der Sternmarsch am Samstag. In fünf Quartieren besammeln sich um 10 Uhr die Teilnehmenden an den Tramhaltestellen von Burgernziel, Breitenrain-, Lory- und Eigerplatz sowie im Platanenhof der Unitobler. Auf dem Casinoplatz treffen sich die Gruppen. Hier finden weitere kulturelle Veranstaltungen statt, unter anderem eine Lesung mit Pedro Lenz (11 Uhr).

Als Ausklang der Aktionswoche lädt der Verein Halbzeit am 21.März ab 18.30 Uhr in sein Lokal an der Beundenstrasse 13. Er setzt sich gegen Rassismus im Fussball ein.

Wozu braucht Bern eine Aktionswoche gegen Rassismus?
Ursula Heitz: Bern trat infolge eines Postulats im Jahr 2009 der Europäischen Städte-Koalition gegen Rassismus bei. Wir haben in diesem Rahmen einen Aktionsplan mit 10 Themen und 37 Massnahmen ausgearbeitet. Dazu gehört unter anderem eine grössere Veranstaltung, mit der möglichst viele Menschen erreicht und sensibilisiert werden sollen. Wir hoffen mittelfristig auf individuelle Änderungen im alltäglichen Verhalten der Bevölkerung und langfristig auf strukturelle Änderungen wie beispielsweise die Schaffung einer Ombudsstelle.

Bern gehört doch schon heute zu den liberalsten Städten der Schweiz. Das Programm wäre eher angesagt in konservativen Regionen wie dem Oberland...
Nun, ich bin nur zuständig für die Stadt Bern. Auch wir sind nicht frei von Rassismus. Der Begriff bezieht sich nicht nur auf Gewalt an Schwarzen, sondern beispielsweise auch auf den erschwerten Zugang auf eine Lehrstelle oder eine Wohnung. Trotz liberaler Mentalität besteht auch bei uns Handlungsbedarf. Dem Berner Oberland kann ich nichts vorschreiben. Ich bin aber überzeugt, dass unsere Aktionswoche auch auf das Umland der Stadt ausstrahlt.

Zeigt der Aktionsplan Wirkung?
Zu den Erfolgen der Stadt Bern zähle ich die Schaffung und die Durchführung des Forums für Migrantinnen und Migranten. Um Diskriminierungen beim Einlass in Clubs zu verringern, haben wir ein Merkblatt ausgearbeitet, welches für den Clubbetreiber ins Bewilligungsverfahren gehört.

Im vergangenen Jahr fand ein Aktionstag statt, nun ist es eine Aktionswoche. Abgesehen von der Dauer: Was unterscheidet die beiden Anlässe?
Die Organisation der Aktionswoche ist dieses Jahr viel breiter abgestützt. Waren es letztes Jahr neben der Stadt nur noch die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus und die Beratungsstelle «Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus» GGG-Fon. Der Tag stiess letztes Mal auf ein so positives Echo, dass wir diesmal weitere Kreise einbeziehen konnten. Dieses Jahr sind 19 Organisationen und Einzelpersonen mit 19 unterschiedlichen Aktivitäten am Programm beteiligt. Das Programm ist entsprechend bunter geworden.

Was bezahlt die Stadt für diese Aktionswoche?
Die Kosten für die städtischen Aktionen sind bereits im laufenden Jahresbudget einkalkuliert. Bei den mitwirkenden Organisationen leistet die Stadt bei Bedarf einen Beitrag von maximal 2000 Franken. Drittmittel stammen aus dem Fonds für Menschenrechts- und Antirassismusprojekte des Bundes.

Sind die Aktivitäten im März abgestimmt auf andere Städte der Europäischen Städte-Koalition?
Der 21.März ist der Internationale Tag gegen Rassismus. Diesen Tag werden zweifellos auch andere Städte in Europa begehen. Genf und Lausanne führen zurzeit ebenfalls eine Aktionswoche durch. In den kommenden Jahren hoffen wir, neben Vereinen, Quartierorganisationen und Einzelpersonen auch die Wirtschaft zu gewinnen. Dieses Jahr versuchen wir jedoch erst einmal, das junge Publikum besser zu erreichen: Wir haben eine eigene Facebook-Seite und sind damit wohl Pioniere in der Stadtverwaltung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.03.2011, 06:59 Uhr

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8 Kommentare

Patrick Wiedemann

11.03.2011, 07:02 Uhr
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Eine sehr tendenziöse Veranstaltung. Aber für sowas hat die Stadt Bern ja immer Geld parat. Antworten


christoph scheidegger

11.03.2011, 12:44 Uhr
Melden

bern diskriminiert väter im ausserehelichen kindsverhältnis und verstösst damit gegen menschenrechte. vor diesem hintergrund wirken diese "aktionen gegen rassismus" l ä c h e r l i c h + z y n i s c h. das ist meine meinung. Antworten



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