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Areal am Centralweg besetzt

Ein Ultimatum liessen die «Stadttauben» bereits verstreichen. Doch die Stadt Bern duldet die neue Wagenburg in der Lorraine nicht. Der Leist ärgert sich trotzdem. Die Stadt mache am Centralweg zu wenig schnell vorwärts.

Seit Samstag besetzen  die «Stadttauben» ein Grundstück  am Centralweg. Nun hat die Stadt neben dem Puff im Hintergrund ein zweites Problem.

Andreas Blatter

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«Am Samstag um 15 Uhr brachen die Besetzer den Abgrenzungszaun auf», sagte gestern Gemeinderätin Barbara Hayoz (FDP). Sie ist oberste Chefin der städtischen Liegenschaftsverwaltung, welcher das Areal am Central-weg 9 gehört. Hayoz liess den «Stadttauben», wie sich die Besitzer der etwa zehn Wagen nennen, ausrichten, dass sie bis gestern Mittag abziehen müssten.

Um diese Zeit sass die Schar junger Menschen vor ihren bunten Wagen. Die Sonne schien zwar, vermochte aber wegen der beissenden Bise nicht zu wärmen. Ungemütlich eigentlich, aber nicht für die Besetzer: «Wir gehen im Moment nicht weg», meinte einer. Hergekommen seien sie von der Murtenstrasse; weiterführende Pläne haben die Wagenbewohner keine.

Hayoz wird also zusätzliche Schritte in die Wege leiten: «Wir werden bei der Polizei Anzeige erstatten und die Räumung verlangen.» Normalerweise überbringe anschliessend jemand die Weisung, und dann vergingen ein paar weitere Tage, bis etwas geschehe, so Hayoz. Die Polizei werde in Rücksprache mit dem Untersuchungsrichteramt handeln, war auf deren Pressestelle lediglich zu erfahren.

Verärgerter Leist

Die Besetzung empört den Lorraine-Leist. Er wirft der Stadt in einer E-Mail vor, sich ungenügend für die Entwicklung der Parzelle einzusetzen. Man habe bereits 2007 vor einer Besetzung gewarnt. «Wir haben befürchtet, dass die Stadt es wieder nicht fertigbringt, ein Projekt korrekt auf den Schlitten zu kriegen», sagte Vizepräsident Edwin Stämpfli und ergänzte: «Bevor der Neubau der Gewerbeschule realisiert wurde, besetzten damals die rollenden Möpse die Brache.» Deshalb habe der Leist darauf gedrungen, den laufenden Mietvertrag mit der Erb-Garage so lange aufrechtzuerhalten, bis ein baureifes Projekt vorliege.

Puff um Bordell

Doch die Liegenschaftsverwaltung, die seit längerem im Clinch mit der Mieterin gelegen sei, habe die Einwände in den Wind geschlagen. Nun gehe es wieder nur schleppend vorwärts. Die Stadt habe zuerst das Puff am Lagerweg weghaben wollen. Sie habe gar den Leist zur Anzeige ermuntert. «Aber wir lassen uns dafür nicht einspannen», betonte Stämpfli. Das Bordell habe in den beinahe 25 Jahren seines Bestehens nie Probleme bereitet. Die Anzeige ging trotzdem ein. Von wem, kann Stämpfli nur vermuten. Ein erster richterlicher Termin vom 9.April 2009 hätten die Puffbetreiber nicht beachtet.

Fernand Raval, Leiter der Liegenschaftsverwaltung, führte auf Anfrage aus, dass im Sinne einer Gesamtplanung die Parzelle einst einbezogen werden sollte. «Es kam jedoch nie zu Verhandlungen», weiss Raval. Zurzeit versuche die Eigentümerschaft des Bordells über ein Baugesuchsverfahren, die heutige Nutzung zu legalisieren. Das zuständige Bauinspektorat bestätigte gestern nur, dass das Verfahren am Laufen sei. Die Entwicklung der Stadtparzelle sei dadurch jedoch nicht tangiert, so Raval.

Wohnungen geplant

Eigentlich hätte der Leist an dieser Stelle einen Park bevorzugt. Dieser wurde in der 2007 abgeschlossenen Gesamtplanung zum Quartier auch als wünschbar erwähnt. Doch nicht an den abweichenden Plänen der Stadt stösst sich Stämpfli: «Gegen Wohnungen sind wir sicher nicht. Was wir uns wünschen, sind saubere Planungsabläufe.»

Laut Hayoz wurde das Grundstück zuerst von Altlasten gesäubert. Im Frühsommer wird nun ein offener Wettbewerb ausgeschrieben. Vorgesehen seien – je nach prämierter Eingabe – 10 bis 20 Wohnungen und Ateliers. Bis Baumaschinen auffahren, wird es aber noch eine Weile dauern. Hayoz rechnet mit mindestens einem Jahr. Die jetzigen Besetzer werden bis dahin längst weg sein. Hayoz hat einschlägige Erfahrungen: «Normalerweise lassen sie es nicht auf eine Räumung ankommen.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 09.03.2010, 08:08 Uhr

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3 Kommentare

florian kappeler

09.03.2010, 19:09 Uhr
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die schweiz hat doch beste erfahrungen wie man mit "fahrenden" umzugehen hat: wiederholt doch einfach die geschichte und weist die "besetzter" in psychiatrische kliniken, heime, haftanstalten und arbeitserziehungslager. am besten noch zwangsterilisieren... die ach so tolerante schweiz ist eben immer noch ein spiesserbünzli! leben und leben lassen... Antworten


Robert Aeschlimann

09.03.2010, 15:18 Uhr
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Offensichtlich haben Vandalen und Chaoten in Bern mehr Rechte als jeder Normalbürger.Wenn sich irgend ein normaler Mensch gegen Gesetzte verstösst,wird ohne jede Verzögerung gebüsst oder verhaftet.Aber hier gelten Ausreden und Verzögerungstaktik als Grundregel im Umgang mit diesen Besetzern.Vor dem Gesetz sind alle gleich,ausser man wird von der Stadt geschützt. Antworten


Anina Kornfelder

09.03.2010, 09:23 Uhr
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Mein Vorschlag an die Besetzer: Baut ein Dach darüber und schreibt hin "Nebenstall der Reithalle". Das dürfte ausreichen um die Sache zu etablieren. Ach so und vieleicht noch ein bisschen Randale als Gewürz hinzu.. Antworten



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