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Abgesang auf die berühmteste Berner Musiker-WG
Von Lucia Probst. Aktualisiert am 11.03.2010
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Der alte Holztisch ist rund. Und ein Kaffee steht rasch bereit. Doch wer sich hinsetzt, sitzt alles andere als in der Schweizer Durchschnittswohnung. Der Holzboden ist abgewetzt. Bad hat es für sieben Leute nur eines. Und warm wird es nur, wenn tüchtig in den Holzofen eingefeuert wird.
«Ich wollte immer hierherziehen», erklärt Beryll Ryder. Vor kurzem ist die Tontechnikerin ins alte Lagergebäude an der Werkstrasse 20 in Wabern gezügelt. Lange wird sie nicht bleiben können. Ende März ist Schluss. Dann muss die Wohngemeinschaft ausziehen, und das Gebäude wird abgerissen (siehe Kasten).
Fast 30 Jahre lang war die Werkstrasse ein Ort, an dem alternatives Wohnen möglich war. «Es ist ein Haus mit Geschichte», sagt Beryll Ryder. Kultur sei hier immer grossgeschrieben worden. Es gibt auch eine einfache Bühne: In einer Ecke des Gebäudes ist der Boden mit Holzplatten um ein paar Zentimeter erhöht.
Als Theater gedacht
Francesco Muzio hat in den 1980er-Jahren den Start der Wohngemeinschaft miterlebt. Er gehört zu deren Mitbegründern. «Wir wollten in Wabern ein eigenes Theater aufziehen», erzählt er. Doch das sei an den Auflagen gescheitert. Zu viert startete man das Projekt. «Weil aus dem Theater nichts wurde, haben wir dann mehr Leute gesucht», erinnert sich Muzio.
Auch heutige Berner Kulturgrössen gingen an der Werkstrasse ein und aus. «Züri West gehörten zu unserem Freundeskreis. Sie haben ab und zu Hauskonzerte gegeben», erzählt Francesco Muzio. Wenn sich das herumgesprochen habe, sei das Haus jeweils voll gewesen. Auch Endo Anaconda oder Stop the Shoppers waren manchmal dort. «Es war ein sensationeller Ort», sagt Muzio. Und doch nimmt er das Ende der Werkstrasse-WG ziemlich emotionslos zur Kenntnis. «Alles hat ein Ende. Punkt.» Dafür werde wieder Neues entstehen.
Noch das alte Körbchen
Wie viele Leute in all den Jahren an der Werkstrasse gewohnt haben, weiss niemand so genau. Manche reden von 50, andere von 250 WG-Bewohnerinnen und -Bewohnern. Manchmal waren es bis zu 14 aufs Mal.
«Es herrscht ein freier Geist bei uns», sagt Gärtnerin und WG-Bewohnerin Noëmi Aeberhard. Hier sei halt alles etwas anders, findet der 39-jährige Patrick Knuchel, der seit sieben Jahren an der Werkstrasse lebt. Man lerne viel Toleranz im Umgang miteinander. Und für den Filmer und Tontechniker Florian Wyss ist klar: «Ein TV wäre bei uns überflüssig. Es gibt immer etwas zu tun – denn für jedes bisschen Luxus müssen wir selbst sorgen.» Überhaupt. «Oft sitzen wir einfach gemeinsam am WG-Tisch.» Der steht praktisch seit den Anfängen da. «Vieles ist seit langem gleich geblieben», weiss Noëmi Aeberhard. Das Duschkörbchen zum Beispiel stamme noch aus den 90er-Jahren. Der Beweis dafür: Auch auf einem alten Film, den frühere WG-Mitglieder vor kurzem zeigten, war es bereits zu sehen. Gerade jetzt in den letzten Tagen schauen ab und zu frühere WG-Bewohner vorbei. «Wer kommt, fühlt sich hier wieder wie daheim», meinen die heutigen Bewohner dazu.
Die letzten kulturellen Anlässe in der WG an der Werkstrasse: «Zeit zu gehen» (Fest mit Konzert und DJ), 26.März Konzert mit Itchy Couch und DJs Fernweh und Till&Struppi. Am 27.März: Copy&Paste und noch unbekannte Band.
> (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.03.2010, 11:31 Uhr




