275 Steuerfranken zahlen Berner für jedes Theaterticket
Von Lucie Machac, Oliver Meier, Stefanie Christ. Aktualisiert am 21.04.2011 12 Kommentare
Das Zentrum Paul Klee, das Kunstmuseum Bern, das Historische Museum, die Dampfzentrale und die neue Institution Konzert Theater Bern, die aus der Fusion von Stadttheater und Symphonieorchester (BSO) hervorgehen wird: Das sind die fünf grossen Kulturbetriebe, über deren Zukunft am 15. Mai das Volk entscheidet.
Den Bernern werden die Subventionsverträge 2012–2015 vorgelegt, insgesamt handelt es sich um einen Kredit von 22,5 Millionen Franken jährlich. Das ist ungefähr die gleiche Summe wie heute. Hinzu kommt lediglich eine Teuerungsanpassung von 2,5 Prozent (rund 540'000 Franken pro Jahr).
Kultur macht Abstimmungskampf
Im Mai wird allerdings nicht wie bisher über einen Gesamtkredit, sondern erstmals über jede Institution einzeln abgestimmt. Einen entsprechenden Vorstoss von Jimy Hofer (parteilos) hat der Stadtrat letzten November angenommen. Seither herrscht in der Kulturszene Nervosität. Einige fürchten, dass es – je nach Abstimmungsresultat der einzelnen Institution – zu einem öffentlichen Kulturranking kommt. Christian Pauli, Präsident von Bekult, dem Dachverband der Berner Kulturveranstalter, findet den Entscheid für die Einzelabstimmungen «politisch falsch».
Er entspreche nicht der städtischen Kulturstrategie, die von einem Gesamtangebot ausgehe, das verschiedene Kultursparten berücksichtigt. «In der Kulturstrategie ist klar festgehalten, dass die Stadt Bern sowohl etablierte Häuser wie auch die freie Szene fördern will», so Pauli. Deshalb hätte der Kulturkredit auch als Gesamtpaket vors Volk kommen sollen, damit die Stimmbürger über die kulturpolitische Richtung entscheiden können, statt über einzelne Institutionen. Mit der Abstimmung vom 15.Mai werde nun aber «vor allem populistischen Reflexen Aufwind verliehen», hält Pauli weiter fest.
Der Stadtrat empfiehlt alle Verpflichtungskredite zur Annahme, doch bei der Abstimmung im März gab es auch kritische Voten, insbesondere zur neuen Institution Konzert Theater Bern. Damit die Volksabstimmung nicht doch zu einer Zitterpartie wird, betreiben die Kulturhäuser unter dem Slogan «Fünfmal Ja zu Kultur!» erstmals auch einen kleinen Abstimmungskampf.
Stammwähler gehen an die Urne
Bisher wurden die städtischen Kulturkredite vom Volk jeweils durchgewunken. Dennoch haben es Kulturvorlagen an der Urne schwerer als politische Vorlagen. «Kultur wird als Luxusangebot wahrgenommen. Deshalb ist die Zustimmung generell geringer als bei als notwendig eingestuften Projekten wie Spitälern oder Lawinenüberbauungen», sagt Adrian Vatter, Professor für Politikwissenschaft an der Uni Bern. Gleichzeitig gibt er Entwarnung: «Bei kantonalen und Gemeindeabstimmungen gehen vor allem Stammwähler an die Urne.»
Das bedeutet: Es stimmen politisch interessierte Bürger ab, die sehr gute Sachkompetenzen mitbringen. Die Stammwähler kommen eher aus der konservativen Ecke (FDP und SVP), die den traditionellen Kulturinstitutionen (Kunstmuseen, Stadttheater, Orchester) prinzipiell wohl gesinnt ist. Gleichzeitig ist Bern rot-grün-dominiert, was wiederum der freien Kulturszene in der Dampfzentrale zugutekommen sollte. (Berner Zeitung)
Erstellt: 21.04.2011, 09:44 Uhr
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12 Kommentare
Es ist richtig, wenn das Kostenbewusstsein in der Stimmbürgerschaft ansteigt und nicht alles, was Kultur heisst, einfach durchgeht. Namentlich so Luxusprojekte wie das Zentrum Paul Klee müssten es schwerer haben. Und wegen der "Notwendigkeit" von Spitälern: Hoffentlich steigt dort das Kostenbewusstsein noch mehr, denn von denen hat es ohnehin (viel) zu viele. Antworten
Die im Titel erwähnten 275 Steuerfranken für jedes Theaterbillet schlagen dem Fass den Boden aus. Es wird Zeit, einige Kühe aus der Herde "Kultursubventionen" zu schlachten. Ich kann auch nicht einfach hingehen und beim Staat die hohle Hand machen. Antworten
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