«Unter Musliminnen Sport zu treiben, ist ja kein Gesetzesverstoss»
Von Lucia Probst. Aktualisiert am 28.04.2010 16 Kommentare
Ueli Studer (SVP).
Organisiert von konvertierter Schweizerin
Rund zehn bis fünfzehn muslimische Frauen aus der Region Bern werden sich heute Abend in Wabern erstmals zu einem gemeinsamen Sporttraining treffen. Die Turnhalle im Dorfschulhaus sei dafür geeignet, weil Männer nicht hineinsehen könnten, sagt Initiantin Daniela Rickli.
Rickli lebt in Bern, ist 20 Jahre alt und macht eine Lehre als kaufmännische Angestellte. Sie ist Schweizerin und vor zwei Jahren zum Islam konvertiert, wie sie erzählt. Seit letztem Herbst gehört sie dem Islamischen Zentralrat an. «Über diesen werden derzeit viele Lügen verbreitet», findet Rickli. Für sie sei der Rat «einfach eine Organisation für die Muslime in der Schweiz». Sie habe Lust gehabt, mit ihren Kolleginnen Sport zu treiben, sagt Rickli. Deshalb sei ihr die Idee für das Sporttraining gekommen. «Es war am einfachsten, dieses über den Zentralrat laufen zu lassen, so haben wir einen Verein im Rücken», sagt Rickli. Sonst hätte sie einen separaten Verein gründen müssen. Ein herkömmlicher Frauenturnverein ist für Rickli keine Alternative: «In vielen Hallen sehen Männer rein, doch wir legen das Kopftuch wirklich nur ab, wenn wir unter Frauen sind.»
Dass es um das Turnen nun Wirbel gibt, ist Rickli unangenehm. Sie betont, man müsse für dieses Sporttraining nicht Mitglied im Zentralrat sein. Diese Frauen hätten zwar Vorrang, doch auch andere Musliminnen und sonstige Frauen seien willkommen. «Wir wollen einfach Spass haben und Sport treiben. Es tut nichts zur Sache, ob wir Musliminnen oder Buddhistinnen sind.»
Ueli Studer, vor ein paar Wochen hat Köniz ein Gesuch des Islamischen Zentralrates (IZRS) für ein Turnen muslimischer Frauen in Wabern bewilligt. Ist Ihnen noch wohl bei der Sache?
Ueli Studer: Das Gesuch ging im März bei uns ein. Zugegeben, heute würden wir es wohl etwas kritischer anschauen. Für uns war es damals ein ganz normales Gesuch. Und bewilligen würden wir es auch jetzt noch. Aber ich merke, dass manche Leute das nicht verstehen.
Sie hatten keine Bedenken, als Sie dazu Ja sagten?
Bis auf meinen Schreibtisch kam das Gesuch gar nicht. Das läuft über unseren Dienstzweig für Anlagen und Sport. Die junge Frau, die dort das Gesuch für ein Frauenturnen im Dorfschulhaus von Wabern eingereicht hat, fiel meinen Leuten in keiner Weise negativ auf.
Weiter abgeklärt wurde nichts?
Nein. Die Halle war noch frei, und die Abteilung hat das Gesuch bewilligt, wie das üblich ist. Warum sollen wir diese Leute anders behandeln als jeden anderen Verein? Wir hätten gar keine rechtliche Handhabe dafür.
Was denken Sie jetzt darüber, wo der IZRS in den Medien zunehmend als fundamentalistische muslimische Organisation gilt?
Natürlich will auch ich mehr wissen und verfolge diese Debatte. Der IZRS muss genau beobachtet werden, die Medien bieten ihm aber im Moment eine zu grosse Plattform. Wir wissen alle viel zu wenig über den Islam, um diese Religion verstehen zu können.
Wo wäre für Sie der Punkt, dieses Turnen zu verbieten?
Den sehe ich im Moment absolut nicht. Der IZRS ist auf Bundes- und Kantonsebene keine verbotene Gesellschaft. Da sollen wir auf Gemeindeebene ein paar muslimischen Frauen verbieten, gemeinsam Sport zu treiben?
Turnen ist das eine. Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass in Wabern nichts anderes geschieht?
Das werden wir beobachten. Sollte das Turnen zweckentfremdet werden, greifen wir ein. Der Hauswart wird das im Auge behalten. Politische oder religiöse Versammlungen in der Turnhalle würden wir nicht tolerieren. Unsere Integrationsbeauftragte hat von mir zudem den Auftrag erhalten, die Debatte um den IZRS weiter zu beobachten. Ich tue das auch, aber ich muss sagen: Ich bin bis jetzt nicht wirklich schlauer geworden. Die Organisation ist schwer einzuordnen.
IZRS hin oder her: Köniz stellte vor kurzem stolz sein Integrationskonzept vor. Eigene Sporttrainings für Musliminnen sind doch alles andere als integrativ.
Natürlich wäre es auch mir am liebsten, diese Frauen würden einfach in einem Damenturnverein mitmachen. Das würde auch dem Integrationskonzept besser entsprechen, da gebe ich Ihnen recht. Aber Integration ist immer ein Geben und Nehmen.
Muslime wie Nicolas Blancho sagen offen, dass sie hierzulande eine muslimische Parallelgesellschaft aufbauen wollen. Sie haben das beim Sport schon erlaubt. Finden Sie das nicht problematisch?
Ein separates Sporttraining ist für mich noch längst nicht der Anfang einer Parallelgesellschaft. Wir können nicht erwarten, dass diese Menschen alle ihre Werte aufgeben. Eine solche Parallelgesellschaft wäre absolut nicht in meinem Sinn. Ich bin auch gegen spezielle Schulen für Muslime. Das widerspricht allen Integrationsbemühungen.Es braucht keine solchen Sonderzüge.
Wo sind für Sie die Grenzen der Toleranz?
Beim Gesetz. Ich merke immer wieder, wie schwer es vielen Migranten fällt, zu akzeptieren, dass hier andere Gesetze gelten als in ihrer Heimat. Dies zu vermitteln, finde ich sehr wichtig. Unter Musliminnen Sport zu treiben, ist ja aber kein Gesetzesverstoss.
Muslimischen Frauen erlauben Sie diesen gesonderten Sportbetrieb. Wie sieht es mit den Muslimmädchen an Könizer Schulen aus? Was für Regeln gelten dort?
Da muss jede Lehrperson mit den Eltern das Gespräch suchen und Regeln für den Turnunterricht oder das Schullager aushandeln. Wenn es zu keiner Lösung kommt, können die Mädchen mit Kopftuch turnen. Ich höre von Lehrpersonen, dass solche Fälle tendenziell zunehmen.
Und was ist mit Schwimmen?
Das könnte ein Problem werden. Führt der Kanton den obligatorischen Schwimmunterricht ein, erwarte ich dazu auch eine kantonale Regelung, in welcher Art muslimische Kinder am Schwimmen teilzunehmen haben.
Sind all diese Debatten für Sie überhaupt mit unserem Verständnis von Gleichberechtigung vereinbar?
Mit dieser Frage sind wir tagtäglich konfrontiert. Viele junge Frauen und Männer muslimischer Herkunft wollen hier leben, wie es in unserer Kultur möglich ist. Sie wehren sich zum Beispiel gegen das Kopftuch oder Zwangsehen. In diesen Fällen Gleichberechtigung herzustellen, ist schwierig. Oft üben die Eltern Druck aus. Aber die Kultur reist eben mit, wenn jemand in ein anderes Land zieht. Interview:Lucia ProbstUeli Studer (SVP) ist Könizer Gemeinderat und hat das Ressort Bildung und Soziales unter sich. ()
Erstellt: 28.04.2010, 07:41 Uhr
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16 Kommentare
@Meier + Rohner: "Diese Leute haben sich endlich unseren Gepflogenheiten anzupassen .." Ja, klar. Bestimmt waren auch Sie in der vordersten Kritikerfront, als BR Calmy-Rey mit einem Kopfschal in Teheran aufgetreten ist. Ach, wie schlimm, ein paar Musliminnen wollen turnen. Panik. Paralellgesellschaft. Antworten
Diese Leute wollen sich nicht integrieren. Sie setzen sich in unser warmes Nest um unsere Sozialwerke zu bestehlen. Wir müssen wieder zu unserem Stolz zurückkehren und von diesen Gästen zu fordern und nicht immer nur den Bückling machen. Alles leidet, die Schulqualität, Ausbildungsplätze Kultur der Schweiz usw. Es darf ihnen keine Plattform in der Presse gegeben werden. Antworten






















