Region

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Blogs
  • Forum

Orientalische Tagträume

Aktualisiert am 13.05.2011

Französische KircheDas «Morgenland» im Zerrspiegel Europas: Der Unichor brachte mit Mahmoud Turkmani und dem Ensemble Phoenix das packende Musiktheater «L’Orient n’existe pas» zur Uraufführung.

«Er lag unbeweglich, den Kopf in das Kissen vergraben. Er fantasierte, und seine Fantasien waren sehr eigenartig; er sah sich in Afrika, in einer ägyptischen Oase.» Im Dämmerlicht werden die Sätze aus Dostojewskis Roman «Verbrechen und Strafe» in den Kirchenraum geworfen. Dann gehen die Scheinwerfer an. Sie «wecken» die Instrumentalisten, die nun mit Klangfragmenten eine gespenstische Szenerie entwerfen. Sie «wecken» auch die Solisten: In grellen Farben, halb sprechend, halb singend, tragen sie ihre Worte vor. Und auch das arabische Ensemble stimmt nun mit ein: Mahmoud Turkmani zupft seine Laute (Oud), begleitet von der Geige. Dazwischen rauscht der Wind.

«L’Orient n’existe pas» heisst das Musiktheater. Der Komponist und Dirigent Matthias Heep hat es eigens für das 25-Jahr-Jubiläum des Unichors geschrieben, zusammen mit Mahmoud Turkmani, dem Wahlberner Komponisten und Musiker mit libanesischen Wurzeln.

Es hätte eines dieser west-östlichen Begegnungsprojekte werden können, die besser gemeint sind als gemacht. Doch davon ist «L’Orient n’existe pas» schon im Ansatz weit entfernt. Das Werk für «fünf Sänger, einen Schauspieler, Chor, arabisches Ensemble und Kammerensemble» zeigt das «Morgenland» im Zerrspiegel Europas. Es ist eine Kopfreise voller Klischees, aber auch voller Brechungen und Reibungen.

Glausers Studer in Marokko

Heep hat für das Libretto die europäische Literatur des 19. und 20.Jahrhunderts «geplündert». Resultat ist eine Collage aus Zitaten, schillernd zwischen Faszination, Irritation und Ablehnung. Als Hauptquelle dient – neben Rimbauds Gedichtsammlung «Une Saison en enfer» – der Roman «Die Fieberkurve» von Friedrich Glauser, in dem es Wachtmeister Studer auf eine rauschhafte Dienstreise nach Marokko verschlägt. Auch musikalisch herrscht das Prinzip Montage: Heeb greift in den Fundus der europäischen Musik, spielt mit Versatzstücken, verfremdet sie, pflanzt sie ein in seine atonale Tonsprache. Dazwischen sind Stücke von Mahmoud Turkmani zu hören, die sich stilistisch an traditionell arabischer Musik orientieren.

Ein überambitioniertes Flickwerk? Die halbszenische Uraufführung beweist das Gegenteil. Natürlich: Weniger wäre mitunter mehr – zu oft müssen die Beteiligten die Worte auch noch darstellerisch illustrieren. Doch das 80-minütige Werk kommt über weite Strecken wie aus einem Guss daher. Das liegt an der straffen, abwechslungsreichen Dramaturgie. Das liegt an den Kompositionen, die mit ihren griffigen Farben und Rhythmen einen einheitlichen Klangraum schaffen. Es liegt an der Ironie, die immer wieder aufblitzt. Vor allem aber am Chor, den Solisten und Musikern, die ebenso auf hohem Niveau agieren wie der Schauspieler Simon Grossenbacher. «L’Orient n’existe pas» ist ein unprätentiöser Assoziationsreigen, der gerade deshalb zum Nachdenken anregt, weil er ohne gut gemeinte Botschaft auskommt. Oliver Meier>

Erstellt: 13.05.2011, 00:31 Uhr

Region

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Was halten Sie von der Sondermarke für die Eishockey-Nati?




Umfrage

Werden Sie am «Tanz dich frei» die Innenstadt meiden?




WERBEN SIE ONLINE

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir beraten Sie gerne.

DAS GELD und ich

Börsen auf Höchstständen: Wie weiter?

Online-Wettbewerb

Wir feiern - Sie profitieren. Einen Tag lang freie Fahrt ab CHF 25.- mit Bahn, Bus und Schiff im gesamten BLS-Gebiet.