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Klassentreffen der Jazzer

Aktualisiert am 14.02.2012

ProgrDie Jazzwerkstatt Bern ist in erster Linie ein Festival

von Musikern und für Musiker. Sofern sich das Publikum aber auf die Klangexperimente einlässt, kann es ab morgen bis am

Sonntag ebenfalls spannende Entdeckungen machen.

Es war vor fünf Jahren, als die drei Berner Musiker Benedikt Reising, Marc Stucki und Andreas Schaerer eine Wiener Idee in die Hauptstadt importierten und gemeinsam die Jazzwerkstatt Bern gründeten: Grundgedanke war, jungen Musikern eine Plattform für neue Ideen zu bieten. «Wir wollten nicht einfach ein weiteres Festival gründen», betont Co-Veranstalter und Saxofonist Benedikt Reising. «Vielmehr soll die Jazzwerkstatt eine Möglichkeit sein, sich mit den Musikern auszutauschen, die man übers Jahr auf der ganzen Welt antrifft.»

Innert kürzester Zeit wurde die Jazzwerkstatt zu einem wichtigen Treffpunkt der hiesigen jungen Jazzszene. Neben den Wiener Jazzwerkstatt-Kollegen, die von Anfang an mit dabei waren, luden die Veranstalter jedes Jahr weitere befreundete Musiker aus dem In- und Ausland ein. Dieses Jahr sind es etwa der Kornettist Josh Berman aus Chicago oder die beiden südafrikanischen Musiker Kesivan Naidoo und Shane Cooper.

Abenteuerliche Formationen

Die Jazzwerkstatt als ein Festival von Musikern und für Musiker also: Das bedeutet unter anderem auch, dass keine hohen Gagen bezahlt werden. «Es soll von allen Beteiligten her eher als ein Meeting denn als ein Festival verstanden werden», betont Reising. Dies wiederum erlaubt, auch abenteuerliche Formationen auf die Beine zu stellen, die sonst an den Finanzen scheitern würden. Bestes Beispiel ist die Hausband der Jazzwerkstatt, das Ballbreaker Ensemble (Konzert am Samstag 21.15 Uhr). Die Bigband-ähnliche Formation steht jedes Jahr einigen jungen Komponisten und Musikern für ihre Experimente zur Verfügung. Dieses Jahr sind dies Marina Sobyanina, Keefe Jackson, Philip Henzi und Shannon Mowday, welche das musikalische Gefährt ausprobieren dürfen. Und wie es sich für eine Werkstatt gehört, sind dabei stets spannende Neuentdeckungen und Experimente zu hören – hie und da aber auch mal eine halbfertige Idee, die sich auf der Bühne und vor Publikum als wenig tragfähig erweist.

Vermittlung gelingt bedingt

Doch die Jazzwerkstatt will mehr als nur ein Klassentreffen sein. Eigentlich hat sich das Festival auch die Vermittlung von aktuellem Jazz und improvisierter Musik auf die Fahnen geschrieben. Mit den öffentlichen Proben am Nachmittag versuchen die Veranstalter dem Publikum nahezubringen, welche Ideen und wie viel Arbeit hinter der Musik stecken. Das gelingt bis jetzt aber nur bedingt: Abgesehen von anderen Musikern, die ihre Kollegen bei der Arbeit beobachten, besuchten in den letzten fünf Jahren seit Bestehen des Festivals jeweils nur eine Handvoll Zuschauer die Proben im Progr. Die Konzerte am Abend waren stets besser besucht. «Das Publikum bekommt vom Meeting-Charakter wohl nicht so viel mit», gibt Reising zu – um dann aber anzufügen: «Für viele ist es wohl einfach ein Festival mit vielfältiger Musik. Was aber bestimmt rüberkommt, ist die Frische der Musik.»David Loher>

Erstellt: 14.02.2012, 00:34 Uhr

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