Grosi rockt und witzelt im Zelt
Leise Töne und feinsinniger Humor sind seine Sache nicht. Grosi ist eine Rampensau, die rockt, was das Zeug hält. Als der Komödiant und Musiker im Zelt auf der Allmend die Bühne betritt, tobt das Publikum, darunter wohl viele Fans seiner einstigen Comedy- und A-cappella-Formation Bagatello, die zwischen 2002 und 2009 grosse Erfolge feierte. Heute ist er gekommen um das Publikum, sich selbst und seine Band zu therapieren mit seinem überarbeiteten Programm von 2011, der Show «Therapie – die doppelte Dosis». Dabei sind auch seine Bandmitglieder, der Schlagzeuger Thies Steiner, der Bassist Marco Mazotti und der Gitarrist Andreas Sigrist. Sie spielen Insassen der fiktiven Klinik Smile, die heute Infoabend hat. Der Walliser Marco Mazotti leidet an chronischer Passivität. Sein Running Gag besteht darin, dass er stoisch antwortet «Lieber nid», wenn er irgendwo mitmachen soll. Da hilft auch die von Grosi verordnete Musiktherapie mit Klangröhren nichts.
Dafür kann Grosi das Publikum zum gegenseitigen Händedrücken animieren, was eine sogenannte «Réaction totale» auslösen soll. Und auch Mitsingen ist an dieser von Hits wie «Papa Was a Rolling Stone» oder «Je ne regrette rien» durchzogenen Show, die immer wieder zum Rockkonzert wird, erlaubt. Schnell kommt Stimmung auf, der Funke von Grosi zum Publikum springt über. Die Witze sind allerdings zeitweise ziemlich abgedroschen, besonders wenn Grosi den Geschlechterkampf entfacht. Dass Frauen angeblich gerne Schuhe kaufen und erregte Männer sich wie Paviane benehmen – darüber hat man einfach zu viel Kalauer gehört. Lustiger ist Grosi, wenn er in diverse Rollen schlüpft und etwa selbst als Patient auftritt. Sein Kiffer, der am Tourette-Syndrom leidet und Rucolasalat so hasst, dass er ihn nicht einmal rauchen würde, amüsiert. Zuletzt will Grosi sich selbst und das Publikum von Rassismus heilen. Da wird gegen die Walliser und gegen die Zürcher geschossen. Am meisten Fett ab bekommen aber die Deutschen. Zur Versöhnung singt Grosi als krönenden Abschluss ein Duett mit dem ehemaligen Frontmann der Söhne Mannheims, dem Entertainer Rolf Stahlhofen. Das Publikum dankt mit Standing Ovations und verlässt wohl nicht von allen Neurosen geheilt, aber bestens gelaunt Das Zelt.
Helen Lagger
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Erstellt: 09.01.2012, 00:33 Uhr
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