Die grösste kleine Stromfabrik
Lüftchen weht.
Murzelen ist ein kleines Dorf. Aber jetzt geschieht hier Grosses. In der Nähe der Ortschaft zwischen Wohlen und Innerberg entsteht die grösste Schweizer Windturbine mit Vertikalachse. Die Anlage ist fast 30 Meter hoch (siehe Grafik). Auf einem 22 Meter hohen Mast drehen sich 12 Meter grosse Flügel. Sie rotieren vertikal und nicht horizontal wie die Propeller der bekannten Windkraftwerke auf dem Jura.
Der H-Rotor der Firma Envergate produziert maximal 40 Kilowatt. Das reicht, um 40 Einfamilienhäuser zu versorgen, ist aber im Vergleich mit den herkömmlichen Windanlagen wenig. Diese liefern mehr als das Zehnfache. Der wichtigste Vorteil: H-Rotoren drehen sich auch bei schwachem Wind, bei dem die grossen Propeller längst bockstill stehen.
Grosszügiges Vermächtnis
Hinter dem Projekt steht die Genossenschaft Solarkraftwerk Wohlen, die sich für alle Arten der erneuerbaren Energie einsetzt. Das Kapital für die rund 200000 Franken teure Anlage stammt aus einer Hinterlassenschaft. Die BKW übernimmt den Strom für 5 bis 12 Rappen pro Kilowattstunde. Die Gemeinde Wohlen verpflichtet sich, der Genossenschaft für die Hälfte der produzierten Energie zusätzlich weitere 25 Rappen pro Kilowattstunde zu bezahlen.
Das Bundesamt für Energie listet in seinem Windkraftkataster rund 3000 Standorte auf. Murzelen gehört nicht dazu. Weil der Rotor hier geringere Windstärken nutzt, unterläuft die Anlage die Planung des Bundes. Eine Baubewilligung durch die Gemeinde ist trotzdem nötig. Bisher sind keine Einsprachen eingegangen. Genossenschaftspräsident Andreas Matter hofft, dass ab Herbst 2011 Strom fliesst.
Lärmt nicht, stört nicht
Die Rotorblätter drehen sich auf einem Mast, der die Bäume überragt. Bei kräftigem Wind rotieren die Aussenkanten der Flügel mit einer Geschwindigkeit von etwa 140 Stundenkilometern. Da stellen sich drei Fragen: Lärmt die Maschine, tötet sie Vögel, stört sie mit Schatten?
Envergate-Geschäftsleiter Roman Bühler liefert drei beruhigende Antworten. Weil sich die Flügel verhältnismässig langsam drehten, töne die Maschine kaum lauter als der Wind. Weil die Vögel die Rotorblätter gut sähen, drohe keine Gefahr. Und weil Mast und Flügel dünn seien, stehe die Anlage niemandem vor der Sonne. Peter Steiger
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Erstellt: 22.01.2011, 00:30 Uhr
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