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Der Riese und die Jungspunde

Aktualisiert am 01.10.2010

Mit dem ukrainischen Trainer Oleg Petratschenko startet der NLA-Aufsteiger VBC Münchenbuchsee morgen in die neue Saison. Das Saisonziel lautet Ligaerhalt sowie Förderung

der zahlreichen Nachwuchsspieler.

Es ist schwer übersehbar, wer der Chef dieser Truppe ist. Oleg Petratschenko ist eine eindrückliche Erscheinung, 215 Zentimeter gross, ein dicker Nacken und ein Händedruck mit Nachhaltigkeitsgarantie. Dem VBC Münchenbuchsee ist mit der Verpflichtung des Ukrainers, der seit 18 Jahren in der Schweiz lebt, ein guter Zug gelungen. Präsident Urs Kolb ist auch ein bisschen stolz, wenn er über den Transfer spricht, der «erst spät im Sommer definitiv war, es hatten sich noch andere um ihn bemüht».

Dabei ist Petratschenko als Trainer schon länger nicht mehr in den höheren Spielklassen tätig. 1992 wechselte er als Spieler aus der polnischen Liga zu Chênois und spielte auch gegen Urs Kolb, der beim jurassischen Plateau-de-Diesse engagiert war. Der Kontakt blieb über die Jahre bestehen.

Petratschenko wurde mit Chênois zweimal Meister, erreichte den dritten Platz im Europacup, bevor er dann zum Basler Uni-Team wechselte, wo er seine Coaching-Karriere als Spielertrainer einläutete. Nach Basel trainierte er noch die TGV Tramelan, bevor er sich im Jura und in Neuenburg vor allem als Trainer der kantonalen Juniorenauswahlen profilierte.

Vereinsbeitrag statt Lohn

Auch jetzt ist Petratschenko für eine junge Truppe verantwortlich. Der Kern des Kaders von Münchenbuchsee ist noch derselbe wie in der Aufstiegssaison, mit Marco Bürgi, Jonas Stadelmann, Mats Kovatsch, Fabio Berta und Mirco Gerson wurden junge, talentierte Spieler verpflichtet. So nennt Urs Kolb neben dem Ligaerhalt auch die Nachwuchsförderung als ein Saisonziel: «Wir wollen über die nächsten Jahre eine neue Generation junger Spieler ausbilden, und das möglichst auf NLA- Niveau.» Und Trainer Petratschenko freut sich auf die Zusammenarbeit mit seinen Jungspunden: «Sie arbeiten gut mit und hören zu, die meisten verstehen ja etwas Französisch», sagt der gutmütige Riese schmunzelnd.

Sein Engagement bei Buchsi bezeichnet er eher als Zufall. «Ich hatte eigentlich nicht vor, wieder eine Profimannschaft zu übernehmen.» Trainiert wird bei Münchenbuchsee zwar durchaus professionell, finanziell übt man sich aber in Verzicht. Die meisten Spieler bezahlen noch den Mitgliederbeitrag für den Verein, und Petratschenko ist der Einzige, der ein bisschen etwas verdient. Doch auch das seien nur Fahrspesen, wie Kolb sagt, «schliesslich muss er jeden Tag von Colombier nach Bern pendeln.»

Genügsamer Gerson

Bei Münchenbuchsee ist also der Trainer der Star. Trotzdem gelang noch ein anderer Glückstransfer: Mirco Gerson, Sohn von Ex-Münsingen-Trainer Marc Gerson, ist mit 17 Jahren einer der talentiertesten Liberos des Landes. Nach dem Abstieg seines Stammvereins Münsingen in die NLB hatte er auf der Suche nach einem neuen Verein die Qual der Wahl. Es lagen Angebote von Lausanne, Schönenwerd und Amriswil vor, zum Teil auch finanziell verlockend. Doch Gerson, der eine KV-Lehre nach Sportmodell in Bern absolviert, ging zu Münchenbuchsee. «So kann ich weiterhin zu Hause wohnen und doch NLA spielen», sagt er. Und im Bernbiet will Gerson vorerst auch bleiben, zu den grossen Schweizer Klubs zieht es ihn (noch) nicht: «Ich spiele nicht wegen des Geldes Volleyball.»

Mit seiner Einstellung passt Mirco Gerson ganz gut zur jungen, ambitionierten Truppe, die mit ihrem erfahrenen Riesen-trainer in der Nationalliga A bestehen will.

Moritz Marthaler>

Erstellt: 01.10.2010, 00:32 Uhr

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