Schweden werfen Weihnachtsbäume raus

In Schweden endet die Weihnachtszeit erst am Freitag mit dem Knutfest. Dann werden die Weihnachtsbäume hinausgeworfen. Allerdings regnen die Tannen nicht auf Strasse und Passanten wie in der Ikea-Werbung. Das ist streng verboten.

Jedes Jahr wirbt Ikea mit der Tradition des Knutfests. In Wahrheit ist es aber strengstens verboten, mit den Weihnachtsbäumen nach Passanten zu werfen. Video: Youtube/frjobst


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Am Freitag ist endlich wieder Knuttag. In grossen Teilen des Christentums dauert die Weihnachtszeit maximal dreizehn Tage. Sie endet mit dem Tag der Heiligen Drei Könige.

Doch in Schweden, Finnland und Teilen Norwegens ist erst am 20. Tag endgültig Schluss. Es ist der Namenstag von Sankt Knut. Der posthum heiliggesprochene dänische Prinz Knut wurde im Januar 1131 von einem Thronfolge-Konkurrenten ermordet.

Seit dem 17. Jahrhundert gilt der Knuttag als Endpunkt, um Weihnachten zu verlängern. Seit dem heisst es in Schweden «Knut för julen ut!» (Knut bringt Weihnachten zu Ende).

In einigen schwedischen Familien und Kirchen wird der Knuttag noch heute gefeiert. So lädt etwa die Östra Karups Kirche im südschwedischen Bastad am frühen Nachmittag zum Knutgottesdienst mit anschliessendem Knutfest ein.

Stille Nacht im Januar

Da dringen dann mitten im Januar nochmal «Stille Nacht» und andere von der Orgel und dem bedächtigen Gesang der Kirchengänger begleitete Weihnachtslieder aus den Kirchenpforten.

«Es ist ein schöner Abschied vom Weihnachtsfest und markiert den Neubeginn. Die Kinder lieben es», sagt die Gemeindepädagogin Karin Fick dieser Zeitung. Nach dem Gottesdienst wird im Gemeindehaus gegessen und getrunken, eine Kindertheatergruppe tritt auf. Zu Volksliedern tanzt man um den Weihnachtsbaum, genauso wie um die Mittsommerstange.

Es folgt die Weihnachtsbaumplünderung. In bescheideneren Zeiten konnten die Kinder sich dann endlich die im Baum hängenden Süssigkeiten herausklauben. Heute werden kleine Plastikbeutel mit frischem Naschwerk an den Baum gehängt, damit die Kinder sie abpflücken können. Der folgende Hinauswurf des Weihnachtsbaumes bildet den Abschluss des Knuttages.

Geldbusse für Fensterwurf

Glaubt man der deutschsprachigen Ikea-Werbung, werfen die Schweden dann ihre Tannen einfach aus Fenstern auf Strassen und Passanten, um Platz für neue Möbel zu schaffen. Die Weltmeisterschaft im Weihnachtsbaumwerfen am Knuttag im deutschen Weidenthal ist vermutlich davon inspiriert wurden. In Schweden wirft jedoch niemand so weit. Ein Wurf auf die Strasse kann Geldbussen und gar eine Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr nach sich ziehen, warnt etwa die Rentnerzeitung «Senioren» ihre Leser.

«Sowas habe ich noch nie gesehen! Entweder die Leute verbrennen ihre Bäume im Garten oder sie bringen sie zu Sammelplätzen der Müllabfuhr», sagt auch Fick und lacht. Tatsächlich wirbt etwa die Müllabfuhr Stockholm um die ordnungsgemässe Abgabe der Tannen. Die werden zu Biokohle umgewandelt. «Ein Weihnachtsbaum kann so vier volle Waschmaschinen mit Strom versorgen», wirbt sie.

Im hohen Bogen in den Garten

Ein bisschen geworfen wird aber auch in Schweden. «Mein Vater hat den Baum am Knuttag immer in hohem Bogen von der Terrasse in den Garten geworfen. Es war traurig für uns Kinder, das Weihnachten dann zu Ende war, aber den Knuttag fanden wir immer lustig», erinnert sich die 26-jährige Stockholmer Köchin Hanna Olsson.

Sogar ein sich - im Schwedischen hübsch reimendes - Weihnachtsabschlussliedchen singen die Schweden beim Hinauswurf des Weihnachtsbaums: «Nun ist das frohe Weihnachten vorbei, bei, bei / Der Weihnachtsbaum wird rausgeworfen, raus, raus/ Aber zum nächsten Jahr wieder/ kommt unser alter Freund zurück/ denn das hat er versprochen.» (Berner Zeitung)

(Erstellt: 11.01.2017, 16:39 Uhr)

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