«Verzweifelte Frauen sind nicht weniger radikal als Männer»
Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 10.02.2011 33 Kommentare
«Die heutigen Verhältnisse im Scheidungsrecht bergen ein grosses Gefahrenpotential»: Oliver Hunziker, Präsident des Vereins verantwortungsvoll erziehender Väter und Mütter (VeV).
Artikel zum Thema
- Polizei sucht in drei Ländern nach entführten Waadtländer Zwillingen
- «Der Vater muss eventuell die Suchkosten übernehmen»
- «Er war autoritär»
- «Ich stand allein da mit meinen Angehörigen»
- Von den Zwillingen fehlt weiterhin jede Spur
Sind Sorgerechtsverhältnisse schuld?
Die Reaktionen auf den Entführungsfall in St. Sulpice fielen heftig aus. Schnell kam die «Unterdrückung» von geschiedenen Familienvätern zur Sprache. «Möglich, dass dieser Mann einer der vielen ist, welche mit den einseitigen schweizerischen Sorgerechtsgesetzen nicht klar kommen», schreibt ein Kommentator. Ein anderer schreibt: «Mir wurden die Kinder genommen. Ich bezahle mehr als 9000 Franken im Monat für die Frau und 3 Kinder und Hausmiete ich wohne in einer Einzimmerwohnung. Der Richter meinte, ich müsse den Lebensstandard meiner Ex-Frau halten. BMW inklusive. Sie wohnt mit einem Studenten in meinem Haus und macht Yoga in Indien auf meine Kosten. Kann es hier einem Mann nicht aushängen?»
Stichworte
Herr Hunziker, innerhalb von nur kurzer Zeit sind zwei Familienväter mit ihren Kindern verschwunden. Können Sie sich vorstellen, dass die Männer von der Angst vor den Folgen einer Scheidung getrieben waren?
Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Auch wenn ich es anders formulieren würde: Männer werden nicht zu einer Tat getrieben, es ist am Ende immer eine persönliche Entscheidung. Die heutigen Verhältnisse im Scheidungsrecht bergen aber ein grosses Gefahrenpotenzial, dass es zu solchen Kurzschlusshandlungen kommt.
Wie gross ist das Frustpotenzial solcher Männer?
Das ist eben das Verrückte. Sie sind nicht frustriert, sie sind verzweifelt. Aus finanziellen Gründen: Sie haben unter Umständen kaum mehr Geld zum Leben. Und aus emotionalen Gründen: Möglicherweise ist alles, wofür sie gelebt haben – Frau, Kinder, Haus, Job – weg. Und sie wissen vielleicht nicht mal genau, warum. Und niemand scheint ihnen zuzuhören.
Sie können also nachvollziehen, dass Männer in solchen Situationen ausrasten?
Nachvollziehen ja, verstehen nein. Ich kann nachvollziehen, wie es so weit kommen kann. Aber bei Frauen kann das genauso gut passieren wie bei Männern. 71 Prozent der Kindesentführungen werden von Frauen begangen.
Bei den aktuellen Fällen sind es zwei Männer.
In rund 80 Prozent der Trennungen und Scheidungen liegt die Obhut über die Kinder bei den Frauen. Das heisst, es gibt per se viel mehr Männer, die mit diesem Problem umgehen müssen.
Männer neigen auch zu radikalerem Verhalten, etwa zum erweiterten Suizid.
Das hat man untersucht. Wenn sie verzweifelt sind, tendieren Männer offenbar wirklich eher dazu, ihre Angehörigen ebenfalls in den Tod zu nehmen, weil sie diese als nicht mehr überlebensfähig betrachten. Das ist zwar ein totaler Denkfehler, aber ein möglicher Hintergrund.
Sie glauben aber nicht, dass es eine Geschlechterfrage ist?
Nein. Ich möchte den Versuch nicht wagen, wie eine Frau in derselben Situation reagiert. Ich kenne Frauen, deren Ex-Männer die Obhut über die Kinder haben und die ihnen das Besuchsrecht verweigern. Glauben Sie mir, die sind nicht weniger wütend oder radikal als Männer. Es ist vielmehr eine subjektive Frage, wie man damit umgeht: Der eine engagiert sich in Betroffenenorganisationen, der andere springt in den See, viele resignieren aber und wenden sich aus Verzweiflung von den Kindern ab.
Haben Sie tagtäglich mit Menschen zu tun, die jederzeit ausflippen könnten?
Nein, so ist das nicht. Wir haben es hier nicht nur mit wandelnden Zeitbomben zu tun. Dennoch erlebe ich immer wieder, wie vernünftige und bodenständige, verankerte Männer plötzlich die Contenance verlieren.
Angesichts des Abstimmungswochenendes sei diese Frage auch erlaubt: Finden Sie es da bedenklich, dass in fast jedem Schweizer Haushalt ein Sturmgewehr herumliegt?
Bei diesen beiden jüngsten Fällen kam kein Sturmgewehr vor. Ich persönlich bin zwar nicht der Meinung, dass das Gewehr in die eigenen vier Wände gehört. Ich würde deswegen aber nicht auf die Barrikaden gehen. Was mich hingegen stört, ist, dass von einigen Initiativ-Befürwortern jeder Mann als potenzieller Täter betrachtet wird. Männer sind quasi von sich aus schon gefährlich. Und das ist eine schlimme Verallgemeinerung. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.02.2011, 10:31 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
33 Kommentare
Annahme: Kinder leben noch. Da gibt es für mich drei Möglichkeiten: Kinder wurden jemanden Unbekanten (ev. unter einen Vorwand) übergeben (1), Kinder wurden in einer unbelebten Gegend ausgesetzt (2) und Kinder wurden einer dem Entführer bekannten Person, welche über die Hintergründe informiert ist, übergeben (3). Antworten
Panorama
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Bitte warten



