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Todesschütze besass eine Armeewaffe

Von Jonathan Spirig. Aktualisiert am 25.05.2011 21 Kommentare

Die Kantonspolizei Bern liefert weitere Details zum Fall des im Emmental erschossenen Polizisten. Die Sonderkommission arbeite auf Hochtouren.

1/28 Wie die TeleBärn-Reporterin vor Ort berichtet, waren schätzungsweise 20 Polizisten im Einsatz.
Bild: Felix Brodmann, newspictures

   

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

  • Zusammenfassung  

    Nach der Tötung eines Polizisten gestern im Emmental laufen die Ermittlungen der Sonderkommission auf Hochtouren. «Wir wissen nun etwas mehr und doch noch zu wenig», sagte der Berner Polizeikommandant Stefan Blättler heute vor den Medien.

    So sei zwar jetzt klar, dass es sich bei der sichergestellten Pistole um eine Armeewaffe handle. Doch wisse man noch nicht, ob es sich um die Tatwaffe handle. Die Pistole war laut Blättler «im Freien» entdeckt worden.

    Schutzweste hätte Polizisten nicht gerettet

    Das Drama hatte sich in Schafhausen abgespielt. Als zwei Polizisten für eine Zwangsräumung eine Wohnungstür öffnen wollten, fielen unvermittelt Schüsse. Ein 39-jähriger Polizist wurde durch zwei Schüsse getötet, sein 29-jähriger Kollege erlitt Verletzungen am Oberarm.

    Der mutmassliche Täter, der 35-jährige Wohnungsmieter, wurde verhaftet. Wie die bisherigen Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft verliefen, ist nicht bekannt.

    Der getötete Polizist trug keine Schutzweste. Nach den ersten Erkenntnissen hätte sie das Leben des Mannes nicht retten können, sagte Polizeikommandant Blättler: «Denn der eine Schuss traf unseren Mann im linken Unterbauch und verletzte die linke Beckenarterie.» Der Mann starb an inneren Blutungen.

    Sonderkommission rekonstruiert Drama

    Die 30-köpfige Sonderkommission versucht nun zu rekonstruieren, wie es zum tödlichen Drama kam. Gemäss bisherigen Ermittlungen hatte das zuständige Gericht den Mieter aufgefordert, die Wohnung bis Mitte Mai zu verlassen. Als dieser der Aufforderung nicht nachkam, wurde das Betreibungsamt beauftragt, die Zwangsräumung zu vollziehen.

    Am Vorabend des Termins, am vergangenen Montagabend, habe der Betreibungsbeamte bei der Polizei vorgesprochen, berichtete Blättler. Dabei sei erwähnt worden, dass es sich um einen «etwas schwierigen Fall» handle. Im Gespräch sei klar geworden, dass die Präsenz der Polizei bei der Zwangsräumung angebracht wäre.

    Verhalten «gestört»

    Das nach der Tat gefundene Schriftstück, das vor dem Täter warnte, habe bei dem Gespräch nicht vorgelegen, sagte Blättler. Nach Informationen der SF-Sendung «Schweiz aktuell» heisst es im Dokument, das Verhalten des Mieters sei «gestört».

    Vor allem sei «nicht voraussehbar, wie er auf die Ausweisung reagieren wird». Der Absender des Schreibens ist nicht bekannt.

    Lagebeurteilung war «nachvollziehbar»

    Blättler sagte, die beiden Polizisten hätten in den letzten Wochen mehrfach Kontakt mit dem Schützen gehabt. Das sei «nicht immer einfach» gewesen. Der Mann habe mehrmals die Annahme amtlicher Schreiben verweigert. Es sei aber nie zu Gewalt gekommen.

    Die Lagebeurteilung der Polizisten sei nachvollziehbar. Die beiden Männer hätten nicht davon ausgehen können, «dass es zu einer derartigen Eskalation kommen würde».


    Schweigeminute für Todesopfer

    Zahlreiche Polizisten in der ganzen Schweiz legten heute um 14 Uhr eine Schweigeminute für das Todesopfer ein. Sie folgten einem Aufruf ihres Berufsverbandes. Allein in Bern versammelten sich rund 200 Polizisten auf dem Waisenhausplatz vor der Polizeikaserne.

    Kommandant Blättler besuchte die Familie sowie Freunde des Verstorbenen. «Diese Begegnungen haben mich tief betroffen gemacht.» Blättler bedankte sich zudem ausdrücklich für die zahlreichen «Zeichen der Trauer und Solidarität» aus der Bevölkerung. Ab morgen sollen Kondolenzbücher in allen Berner Polizeiwachen aufliegen. (sda)

  • Bildstrecke  

    1/8 Die Polizei rekonstruiert am 13. Juli 2011 den Tathergang.
    Bild: Hans Wüthrich

       

  • Bereut der Schütze seine Tat?  

    Ob der Täter Reue zeigt, will Blättler nicht sagen. Der Liveticker ist beendet.

  • 12 Fälle in 50 Jahren  

    Seit den 60er Jahren habe 12 Fälle gegeben in denen auf Polizisten geschossen wurde.

  •  

    Dem verletzten Polizeibeamten gehe es dem Umständen entsprechend gut. Blättler hat sich mit ihm unterhalten. Die seelischen Wunden seien da, er halte sich aber sehr gut.

  • Doch eine Armeewaffe  

    Wie Blättler berichtet, sei eine Armeepistole sichergestellt worden. Ob es die des Täters war und ob er wirklich damit geschossen hat, ist noch nicht bekannt. Die Waffe sei draussen sichergestellt worden. Man müsse abklären, wie er in Besitz der Waffe gekommen ist.

    Wie das VBS auf Anfrage der Berner Zeitung erklärte, wurde Roger F. mit einem Sturmgewehr ausgerüstet. Eine Pistole soll er gemäss VBS-Sprecher Daniel Reist nicht erhalten haben.

  •  

    Der Brief in dem Stand, dass man nicht wisse wie der spätere Täter auf die Zwangsräumung reagiert, befand sich wohl in den Unterlagen des Betreibungsbeamten. Der Brief sei aber wohl nicht von Relevanz. Er diente aber sicher auch als Anlass, zwei Polizeibeamten mitzunehmen. Das Schreiben sei nie an die Polizei gelangt.

  •  

    Das ganze Korps der Polizei werde lange brauchen um den Tod ihres Kollegen zu verarbeiten. Der psychologische Dienst sei für alle Mitarbeiter verfügbar.

    Die Fragerunde ist eröffnet.

  • Weste hätte ihn wohl nicht gerettet  

    Beide Schüsse auf den verstorbenen Polizisten waren offenbar tödlich. Einer der Schüsse ging in den Beckenbereich. Eine Weste hätte ihn nach ersten Erkenntnissen wohl auch nicht retten können. Wenn keine Hinweise auf Gewalttätigkeiten bestehen, sei es dem Polizisten überlassen zu entscheiden, ob er die Weste tragen will.

    Mit welcher Waffe er geschossen hat ist noch immer unklar.

  •  

    Gemäss ersten Kenntnissen habe der Täter eine Aufforderung erhalten, seine Wohnung bis Mitte Mai zu verlassen.
    Der Betreibungsbeamte sprach am Montagabend auf der Wache vor und sagte, dass es ein etwas schwieriger Klient sei. Er bat um die Begleitung durch die Polizei. Man habe, wie in solchen Fällen üblich, das weitere Vorgehen besprochen.

    Es sei müssig, die gemachte Lagebeurteilung zu kritisieren, sagt Blättler.

    Die beiden am Einsatz beteiligten Beamten hatten bereits früher mehrmals mit dem Schützen zu tun gehabt. Zu Gewalt sei es aber nie gekommen und vorbestraft war er auch nicht.

  • Mitarbeiter zeigen keine Angst  

    Der Einsatz vom Dienstag habe deutlich vor Augen geführt, wie gefährlich der Beruf Polizist ist. Angst habe er bei seinen Mitarbeitern aber keine ausmachen können.

    Es sei gut möglich, dass man die eine Antwort auf die Frage erhalten werden, wie es zu dem furchtbaren Vorfall gekommen ist. Man sei es allen Betroffenen schuldig, dass man keine voreiligen Schlüsse zieht.

    Gemäss ersten Kenntnissen habe der Täter eine Aufforderung erhalten, seine Wohnung bis Mitte Mai zu verlassen.
    Der Betreibungsbeamte sprach am Montagabend auf der Wache vor und sagte, dass es ein etwas schwieriger Klient sei.

  •  

    Der Tod des Kollegen sei immer noch unfassbar, sagt Blättler. Er berichtet von der schweizweiten Schweigeminute, die heute um 14 Uhr abgehalten wurde. Dies sei sehr eindrücklich gewesen. Blättler selbst sei in Rüegsauschachen vor Ort gewesen. Er sei mit den Gedanken bei der Familie des Verstorbenen. Er habe diese heute Morgen besucht. Die Besuche hätten ihn zutiefst betroffen gemacht. Er habe heute auch mit den am Einsatz beteiligten Polizisten geredet.

    Auch von der Bevölkerung seien viele Kondolenzschreiben eingegangen. Bei den Polizeiwachen lägen Kondolenzbücher auf. Blättler bedankt sich für die Anteilnahme.

  • Die Medienkonferenz beginnt  

    Blättler und Fichter haben den Raum betreten. Fichter betont, dass es sich nur um eine kurze Orientierung handelt.

  •  

    Der Berner Polizeikommandant Stefan Blättler und Mediensprecher Michael Fichter werden heute Nachmittag informieren.

    Das Medieninteresse ist nicht mehr so gross wie am Vortag, nur etwa 15 Medienvertreter sind vor Ort.

  • Was bisher geschah  

    Dramatische Szene am Dienstagmorgen im Emmental: Kurz nach acht Uhr stehen zwei Polizisten vor einem Dreifamilienhaus in Schafhausen. Sie wollen die Zwangsräumung einer Wohnung vornehmen. Weil sich der 35-jährige Mieter Roger F. nicht zeigt, versuchen sie, die Türe gewaltsam zu öffnen. Da krachen Schüsse. Einer der Polizisten wird von einer Kugel im Bauch getroffen, die durch die Türe abgegeben worden ist. Sein Kollege wird am Arm verletzt, kann aber über Funk Verstärkung anfordern. Kurz darauf trifft eine Patrouille ein, die zufällig in der Nähe war.

    Polizist stirbt am Tatort

    Der schwer verletzte Polizist wird sofort reanimiert, stirbt aber noch vor Ort. Inzwischen ist der Schütze aus dem Haus geflohen, er kann kurz darauf verhaftet werden. Beim Verstorbenen handelt es sich um den Wachtchef des Postens Rüegsauschachen. Der 39-Jährige war verheiratet und Vater zweier Kinder. Der angeschossene jüngere Polizist wird ins Spital übergeführt, am Nachmittag kann er es wieder verlassen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.05.2011, 16:20 Uhr

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21 Kommentare

Benjamin Sourlier

25.05.2011, 19:22 Uhr
Melden 25 Empfehlung

Er besass eine Armeewaffe? Also war er einer dieser pflichtbewussten, verantwortungsvollen, rechtschaffenen und mündigen Schweizern, von denen vor der Abstimmung die Rede war.... Antworten


Martin Dächli

25.05.2011, 18:35 Uhr
Melden 22 Empfehlung

Ich lese hier erstaunlich viele Kommentare! Wo sind jetzt all unsere Patrioten und frommen Schweizer, welche gegen die Waffen-Initiative gestimmt haben? Hauptsache es betrifft nicht einen selber, scheint die Devise zu sein. Antworten



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