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Sommer, Sex, Syphilis

Von Juliane Lutz. Aktualisiert am 19.07.2010 2 Kommentare

Geschlechtskrankheiten sind in der Schweiz und anderen Ländern wieder auf dem Vormarsch. Sie können heute gut behandelt werden. Doch viele wissen nicht, dass sie infiziert sind.

Freude, Feier, Ferienstimmung. Ist Alkohol im Spiel, fallen die Hemmungen schnell, und oft ist kein Kondom zur Hand. Ärzte stellen fest, dass Geschlechtskrankheiten gerade in Ferienzeiten gehäuft auftreten. Generell erleben Syphilis, Gonorrhöe und Chlamydien ein Comeback.
Bild: Keystone

Party, Party, Party: Und die sexuell übertragbaren Krankheiten feiern oft mit.

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Ein Lächeln, ein Drink, eine Nacht, und wieder daheim, erinnert eine Syphilis an den One-Night-Stand. In den Ferien ist der Mensch oft ein anderer als im Alltag: unbeschwerter, offener und daher schneller bereit, sich auf ein Abenteuer einzulassen. So ergab eine internationale Studie, die unter der Federführung der Universität Zürich zustande kam, dass Männer von Reisen oft Geschlechtskrankheiten mitbringen. Natürlich ärgern sich auch Frauen über unliebsame Mitbringsel mit Namen wie Gonorrhöe. «In den Sommerferienzeit treten Geschlechtskrankheiten gehäufter auf», so Irene Dingeldein, Jugendgynäkologin aus Bern.

Gefährliche Liebschaften

Doch handelt es sich nicht nur um ein saisonales Phänomen. In der Schweiz nehmen laut Beobachtungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis, Gonorrhöe oder Chlamydien wieder zu. «Die Tendenz für 2010 ist steigend», so BAG-Sprecher Jean-Louis Zurcher. Gegen Ende des Jahres wird das BAG deshalb einen Präventionsplan veröffentlichen, der die Wissenslücken bei sexuell übertragbaren Krankheiten schliessen soll. Details dazu gibt die Behörde derzeit noch nicht preis.

Über die Gründe des Comeback von Syphilis und Co. kann nur gemutmasst werden. Einer davon lautet vermutlich Unkenntnis darüber, dass es ausser Aids noch andere sexuell übertragbare Krankheiten gibt. So konnten bei einer Umfrage der basel-städtischen Abteilung für Gesundheitsförderung und Prävention unter 340 Jugendlichen 87 Prozent nichts mit dem Begriff Syphilis anfangen.

Hässliche Geschwüre

Dabei raffte sie einst zahlreiche geniale Köpfe wie Franz Schubert oder Heinrich Heine dahin. Und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekämpfte man sie mit Quecksilber, wobei das Gift zum Ausfall von Zähnen, Körperbehaarung und schliesslich zum Verfall der Körperfunktionen führte. Dank Antibiotikaspritzen stellt die Syphilis längst keine lebensgefährliche Bedrohung mehr dar. Tückisch ist jedoch, dass nicht bei allen Betroffenen Anzeichen wie Geschwüre im Genitalbereich auftreten. Überträgt beispielsweise eine Schwangere Syphilis auf ihr ungeborenes Kind, könnte es missgebildet zur Welt kommen. Wird die Syphilis behandelt, sind die Patienten meist nach zwei Wochen wieder gesund. Wer die Safer-Sex-Regeln beachtet, verringert das Risiko einer Ansteckung. Das gilt für alle Geschlechtskrankheiten. Ausserdem raten Ärzte jenen, die wechselnde Partner haben, ihr Blut regelmässig auf Syphiliserreger untersuchen zu lassen, um andere nicht anzustecken.

Brennende Schmerzen

Eine Gonorrhöe, auch als Tripper bekannt, macht sich in 80 Prozent der Fälle schnell bemerkbar. Frauen leiden unter grünlich gelbem Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlassen. Bei Männern äussert sie sich durch eitrige Tropfen im Genitalbereich. «Wenn eine Patientin erzählt, dass auch ihr Partner irgendwie betroffen sei, kann das ein Hinweis auf Gonorrhöe sein», sagt Dingeldein, die einen leichten Anstieg der Fälle beobachtet. Auch beim Tripper sind Antibiotika die Mittel der Wahl. Wird er nicht rechtzeitig behandelt, können Eileiterinfektionen sowie Haut- und Gelenksbefall die Folge sein. Bei männlichen Patienten kann er zu Hodenentzündungen führen.

Probleme beim Urinieren

«Chlamydien haben sogar stark zugenommen. Vor allem bei sehr jungen Patientinnen», stellt Dingeldein fest. 42 Prozent der Erkrankungen beträfen Frauen bis 20 Jahre. Viele merken jedoch nicht, dass sie mit den Bakterien infiziert sind. «Dabei sind Chlamydien oft der Grund späterer Unfruchtbarkeit», warnt die Frauenärztin. Und empfiehlt deshalb, sich bei der jährlichen gynäkologischen Kontrolle auf Chlamydien untersuchen zu lassen. Ist der Befund positiv, muss der Partner ebenfalls behandelt werden.

Juckende Bläschen

Auch Herpes genitalis kann eine Folge ungeschützten Geschlechtsverkehrs sein. Frauen und Männer, die erstmals davon betroffen sind, bezahlen die Ansteckung mit starkem Juckreiz und Bläschen an den Genitalien sowie Schmerzen beim Wasserlassen. In schlimmen akuten Fällen muss ein Blasenkatheter eingesetzt werden. Die Behandlung erfolgt mit sogenannten Virostatika. Wie beim Lippenherpes kommt der Herpes genitalis gerne wieder. Bricht bei einer Schwangeren die Infektion kurz vor der Geburt auf, wird oft ein Kaiserschnitt nötig. Ansonsten könnte sich das Neugeborene mit dem Virus infizieren und eine Hirnentzündung erleiden.

Leber in Gefahr

Auch die Leberentzündung Hepatitis B wird zu 50 Prozent durch Sexualkontakte übertragen. Das Virus ist 100-mal so ansteckend wie das HI-Virus. In 80 bis 90 Prozent der Fälle bekommt das Immunsystem das Virus unter Kontrolle, und nach ein paar Wochen ist die unkomplizierte akute Form der Hepatitis wieder abgeheilt. Beim Rest entwickelt sich die Krankheit jedoch chronisch und muss bei ungünstigem Verlauf mit antiviralen Arzneimitteln und dem immunstimulierenden Protein Interferon angegangen werden. Unbehandelt kann sie zu Leberzirrhose und -krebs führen. Weltweit sollen 12 Millionen von Hepatitis B betroffen sein, ohne es zu wissen. Deshalb wird Erwachsenen, die in ferne Länder reisen oder wechselnde Geschlechtspartner haben, empfohlen, sich gegen Hepatitis B impfen zu lassen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.07.2010, 12:15 Uhr

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2 Kommentare

willi aerne

19.07.2010, 13:18 Uhr
Melden

Über die Gründe des Comeback von Syphilis und Co. könne nur gemutmasst werden. Einer davon lautet vermutlich Unkenntnis darüber, dass es ausser Aids noch andere sexuell übertragbare Krankheiten gibt. Da gibts nur 1 Rezept: wer die Verkehrsregeln nicht kennt, verkehrt nicht! Wie beim Strassenverkehr. Sonst erwischt statt der Polizei der Trippel-Trappel an seinem Zippel-Zappel. Antworten


Conny Schneider

19.07.2010, 17:28 Uhr
Melden

Ich würde es mit Treue versuchen. Ist der beste Schutz. Antworten



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