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Nach dem Gift-Smog nun auch noch Unwetter

Aktualisiert am 16.08.2010

Kaum sind die schwersten Waldbrände in der Geschichte Russlands etwas eingedämmt, drohen dem Land heftige Gewitter. Orkane entwurzelten bereits Bäume und liessen 100'000 Menschen im Dunkeln sitzen.

1/30 Entwurzelte Bäume: Der Sturm fegte über St. Petersburg und zieht jetzt Richtung Moskau.

   

Liess Moskau Website sperren?

Im Zusammenhang mit den Waldbränden in atomar verseuchten Gebieten ist der russische Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu in die Kritik geraten.
Schoigu habe persönlich die Sperrung der offiziellen Website der Waldschutzbehörde angeordnet, weil diese «Falschinformationen über die Brände in der Region Brjansk» veröffentlicht habe, meldete die Zeitung «Kommersant» am Montag.

Der Betreiber sei am Wochenende von den Behörden kontaktiert und zur Sperrung der Website aufgefordert worden. Der stellvertretende Leiter der Behörde sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Internetseite funktioniere seit Freitagnachmittag nicht mehr.

«Die Behörden beginnen damit, Informationen über die Waldbrände zu vertuschen», hiess es in der Zeitung «Trud». Durch die Brände drohe Russland ein zweites Tschernobyl.

Die dem Landwirtschaftsministerium unterstellte Waldschutzbehörde hatte Mitte vergangener Woche mitgeteilt, dass es seit Juli auf rund 3900 Hektar Land, das als radioaktiv verseucht gelte, gebrannt habe. Allein in der westrussischen Region Brjansk hätten insgesamt 300 Hektar in Brand gestanden.

Die Region wird auf einer Liste mit den am stärksten durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 24 Jahren verseuchten Gebiete geführt. Das Katastrophenschutzministerium hatte Gesundheitsrisiken dementiert.

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Nach ersten Grossschäden durch Orkane um St. Petersburg wies der russische Regierungschef Wladimir Putin die Behörden an, Schutzmassnahmen zu ergreifen. Die Orkane hatten in der Nacht im Nordwesten des Landes zu Stromausfällen für fast 100'000 Menschen geführt. Insgesamt waren mehr als 1500 Orte betroffen. Etwa 50 Züge konnten nicht fahren, weil umgefallene Bäume die Schienen blockierten.

Auch Moskau und andere Regionen stellen sich auf schwere Stürme und Hagel ein. Wegen der Kaltfront sollten die Temperaturen in Moskau in den nächsten Tagen von mehr als 30 Grad Celsius auf nur noch 15 Grad fallen.

Noch 500 Feuer brennen

Unterdessen brannten landesweit noch etwa 500 Feuer. Allerdings verringerte sich die betroffene Fläche weiter auf knapp 46'000 Hektar. Das teilte der russische Zivilschutz nach Angaben der Agentur Interfax mit.

Bei den Bränden entspanne sich die Lage, sagte der Leiter des Krisenzentrums, Wladimir Stepanow. Es würden mehr Feuer gelöscht als neue hinzukämen. Landesweit kämpften noch mehr als 160'000 Einsatzkräfte gegen die Flammen, darunter auch Hunderte Helfer aus dem Ausland.

Auch die Lage um das atomare Forschungszentrum in Sarow - gut 400 Kilometer östlich von Moskau - sei unter Kontrolle, teilte der Zivilschutz mit. Dort seien alle Feuer gelöscht. Die russischen Behörden betonten erneut, dass es in den Wäldern, die von der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 radioaktiv verseucht wurden, nach den Bränden keine erhöhten Strahlenwerte gebe.

Etwas Regen erwartet

In Moskau verzog sich der giftige Smog von den Bränden des Umlandes wieder etwas. Die seit mehr als zwei Monaten andauernde Gluthitze ende nun, teilte der Wetterdienst mit. In den kommenden Tagen sei in den von der Dürre geplagten Teilen des Landes mit Regen zu rechnen.

Die Schäden am Getreide könnten dadurch aber wohl nicht kompensiert werden, sagte Anna Straschnaja, Abteilungsleiterin beim Institut Rosgidromet, der Nachrichtenagentur Reuters. Wegen der befürchteten Ernteausfälle hat die Regierung ein Exportverbot für Getreide verhängt.

Höhere Opferzahlen befürchtet

Bei der Feuersbrunst waren in den vergangenen Wochen nach offiziellen Angaben mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Hilfsorganisationen gehen von höheren Opferzahlen aus.

Tausende Menschen wurden obdachlos. Viele Dörfer wurden zerstört. Medien schätzten den Gesamtschaden samt Ernteausfällen auf mindestens 25 Milliarden Euro. Das sind zehn Prozent des russischen Haushalts. (bru/sda)

Erstellt: 16.08.2010, 18:52 Uhr

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