Kölner Hauseinsturz:«Absehbare Katastrophe»

Ein langjähriger Abteilungsleiter des Historischen Stadtarchivs in Köln ist vom Einsturz des Gebäudes nicht überrascht. Es habe klare Warnungen gegeben, die er den Behörden gemeldet habe, sagte er. Die Polizei sucht nach drei bis fünf Vermissten.

1/17 Das Kölner Stadtarchiv ist im März 2009 eingestürzt.

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Der Häuserblock stürzte mitten in Köln an der Georgstrasse zusammen



Video: «Es war wie ein Donner»

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Szenen wie nach einem Erdbeben: Historisches Stadtarchiv in Köln eingestürzt (Quelle: Reuters).

Nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln haben Polizei und Feuerwehr am Dienstag in einem dramatischen Rettungseinsatz nach Verschütteten gesucht. Am Abend wurden laut Polizei noch drei bis fünf Menschen vermisst. Die Feuerwehr sprach von zwei bis neun Vermissten. Es gebe widersprüchliche Aussagen, ob sich in einer Spielhalle in einem der zerstörten Nachbargebäude Personen aufgehalten hätten. Auch wurde nicht ausgeschlossen, dass Passanten von dem einstürzenden Haus begraben wurden.

Glück hatten dagegen die Bediensteten und Nutzer des Stadtarchives selbst. Sie konnten nach Angaben des Feuerwehrdirektors Stephan Neuhoff unverletzt verlassen. Der Einsturz habe sich durch rumpelnde Geräusche angekündigt. Dies habe den Menschen Zeit gegeben, das Gebäude zu räumen.

Ursache der Katastrophe noch offen

Polizeisprecher Wolfgang Baldes sagte: «Am Unglückshaus sieht es aus wie nach einem Erdbeben.» Die Trümmer bedeckten nach seinen Worten eine Fläche von 50 mal 70 Metern und reichten bis zu einem benachbarten Gymnasium. Doch war der Unterricht dort zum Unglückszeitpunkt schon beendet.

Die Ursache der Katastrophe war zunächst unklar. Direkt neben der Unglückstelle befindet sich eine U-Bahn-Baustelle. Ob diese den Einsturz ausgelöst hat, stand aber nicht fest. «Mir sind keine Arbeiten bekannt, die das momentan hätten verursachen können», sagte die Sprecherin der Nord-Süd-Stadtbahn Gudrun Meyer auf n-tv. Projektleiter Rolf Papst berichtete, es habe in den letzten 30 Tagen keine grösseren Tunnelbohrarbeiten gegeben.

Das Gebäude des Stadtarchivs stürzte nach Angaben des Feuerwehrsprechers auf die U-Bahn-Baustelle. Deren Decke brach ein. Ausserdem lief Wasser in den Tunnel.

Kritik des früheren Archiv-Leiters

Der langjährige Abteilungsleiter des Archivs, Eberhard Illner, bezeichnete im Deutschlandradio Kultur den Einsturz als «absehbare Katastrophe». Es habe klare Warnungen gegeben, sagte Illner. Er selbst habe im vergangenen Sommer Senkungsrisse im Keller des Gebäudes festgestellt und dies auch an die Archivleitung weitergegeben.

Das Volumen des Schadens sei erheblich grösser als beim Brand der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek, sagte Illner. «Wir reden hier von ungefähr 18 Regalkilometern wertvollsten Archivgut, und zwar europäischen Ranges.» Dazu habe auch ein grosses Nachlassarchiv von Schriftstellern und Komponisten sowie ein bedeutendes Architekturarchiv gehört. Das in einem Neubau aus dem Jahr 1971 untergebrachte Archiv war zum Unglückszeitpunkt für den Publikumsverkehr geöffnet.

Grösstes Archiv nördlich der Alpen

Das Historische Archiv der Stadt Köln war nach eigenen Angaben das grösste kommunale Archiv nördlich der Alpen und umfasst 65'000 Urkunden, 104'000 Karten und Pläne und 50'000 Plakate sowie 500'000 Fotos zu Kölner Ereignissen. (vin/bru/ap)

Erstellt: 03.03.2009, 22:56 Uhr

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