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Gerangel um die Plätze beim Fritzl-Prozess

Von Bernhard Odehnal, Wien. Aktualisiert am 03.03.2009 1 Kommentar

Zehn Tage vor dem Beginn des Gerichtsverfahrens gegen Josef Fritzl steigt die Nervosität der Medien: Wer darf das «Monster von Amstetten» live sehen?

Muss sich bald vor Gericht verantworten und alle wollen dabei sein. Josef Fritzl.

Muss sich bald vor Gericht verantworten und alle wollen dabei sein. Josef Fritzl.

Die Korrespondentin aus dem Iran hat einen Platz im Saal bekommen, der russische Reporter ebenfalls. CNN und BBC sind auch schon akkreditiert. Andere Journalisten müssen hingegen vor dem Gebäude warten: Der Gerichtssaal ist zu klein. Für die Presse sind 98 Plätze reserviert – viel zu wenige für den Ansturm der Medien aus aller Welt.

Am 16. März beginnt im Landesgericht der niederösterreichischen Stadt St. Pölten der Prozess gegen Josef Fritzl. Der 74-Jährige hatte in Amstetten seine Tochter 24 Jahre lang in einem eigens dafür gebauten Keller gefangen gehalten und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Drei von ihnen nahm Fritzl zu sich ins Haus, drei mussten bei der Mutter im Keller bleiben. Ein Kind starb nach der Geburt. Der Staatsanwalt hat deshalb neben Sklavenhandel, Vergewaltigung, schwerer Nötigung und Blutschande auch Anklage wegen Mordes erhoben. Der Fall von Amstetten flog vergangenen April auf, nachdem ein Mädchen aus dem Keller schwer erkrankt und von Fritzl ins Spital gebracht worden war.

Nachdem die Medienhysterie über den Sommer langsam abgeklungen ist, sorgt der Fall jetzt wieder für Schlagzeilen. Für ein Foto des Untersuchungshäftlings sollen ausländische Medien 10'000 Euro geboten haben, heisst es in österreichischen Zeitungen. Die Angebote für ein Bild der Opfer dürften um das 10- bis 50-fache höher sein. Mutter und Kinder leben gemeinsam an einem geheimen Ort in Österreich unter neuem Namen. Ein Fotograf der britischen Zeitung «Sun» fand sie dennoch. Das Foto erschien allerdings nur in Grossbritannien und nicht auf der Homepage der Zeitung. Bei einer Veröffentlichung in Österreich oder Deutschland hätten hohe Strafen gedroht. Über ihre Anwälte liess die Familie mitteilen, dass sie keine Interviews geben werde und keine Zustimmung zur Veröffentlichung von Fotos erteile.

Alternativprogramm für Reporter

Anfang Februar verurteilte eine Wiener Richterin das österreichische Magazin «News» und den deutschen «Spiegel» zu einer Entschädigung von 11'000 resp. 4000 Euro an die Ehefrau von Josef Fritzl. Die Zeitschriften hatten Details über die Frau geschrieben, die laut Gericht ihren persönlichen Lebensbereich verletzten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde vorige Woche über den Konkurs der Firma Josef Fritzl, Vermietung und Verpachtung, verhandelt. Fritzl besitzt neben dem berüchtigten Haus in Amstetten weitere Immobilien in Niederösterreich. Auf diesen lasten jedoch Hypotheken von über drei Millionen Euro. Da der Verkauf der Häuser die Schulden Fritzls kaum abdeckt, dachte vor einigen Tagen der Konkursverwalter laut über eine kommerzielle Verwertung des Schreckens nach: Honorare für Fotos und TV-Interviews aus Fritzl-Häusern könnten den Opfern zugutekommen. Die Idee wurde allerdings schnell wieder verworfen. Gestoppt wurde auch eine Versteigerung auf Ebay. Ein Mieter in einem Fritzl-Haus in St. Pölten wollte seine Wohnung während des Prozesses an den Meistbietenden vermieten.

Es wäre ein gutes Geschäft geworden: Die Nachfrage nach Zimmern in St. Pölten ist enorm, die Hotels der Kleinstadt sind vom 16. bis 20. März ausgebucht. Die Stadtverwaltung arbeitet bereits an einem Alternativprogramm, um die Hunderte Journalisten bei Laune zu halten. Denn über den Prozess wird es nicht viel zu berichten geben. Das Verfahren wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Medien werden nur bei der Verlesung der Anklage und des Urteils zugelassen. An den übrigen Tagen sind sie auf die Informationen des Gerichtssprechers angewiesen. Der will einmal pro Tag eine Pressekonferenz vor dem Gebäude geben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.03.2009, 22:24 Uhr

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1 Kommentar

Heinz Dübendorfer

04.03.2009, 14:20 Uhr
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Da kommen sie wieder, die sensationsgeilen Medienleute! Hiergeht es um einen BEWIESENEN Fall. Dass es einer von zig Millionen ist, welcher zum weltweit grössten Problem (mit allen Folgen von Kindesmissbrauch) unserer Zivilisation beiträgt, wird verschwiegen oder übersehen. Wer zieht die andern zur Rechenschaft, wer schützt die Opfer? Die heutigen Gesetze jedenfalls nicht. Antworten



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