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Freie Fahrt ist kein Menschenrecht

Von Erwin Haas. Aktualisiert am 28.12.2010 130 Kommentare

Die Empörung über die schwierigen Verkehrsverhältnisse zielt ins Leere.

Die Fahrweise ist den Strassenverhältnissen anzupassen, nicht umgekehrt.

Die Fahrweise ist den Strassenverhältnissen anzupassen, nicht umgekehrt.
Bild: Keystone

Nichts ärgert den Menschen mehr, als wenn ihm jemand ins Handwerk pfuscht. Doch wenn es Eis und Kälte sind, die sich in den gewohnten Lauf der Dinge mischen, zielt jede Empörung ins Leere. Denn das Wetter ist kein Ansprechpartner. Also greift der Mensch zur uralten List der Projektion, die ihn seit Adam und Eva davor bewahrt, den Fehler bei sich selbst zu suchen: Er beschuldigt Schneeräumer, Salzlagerchefs, Bahnmanager und Flugzeugenteiser, für das Wetterchaos und die ungemütliche Weihnacht auf einem Airport verantwortlich zu sein.

Die Strassendienste hätten nur die halbe Arbeit gemacht, reklamierte ein Stadtzürcher, der mitten im Winter sommerliche Strassen verlangte. Er überlege sich, künftig auch nur noch die halben Steuern zu zahlen. Solche Worte sind Ausdruck von Allmächtigkeitsfantasien. Aus ihnen spricht die Arroganz einer technikgläubigen Gesellschaft, die vergessen hat, dass sie mit ihrem industriellen Machbarkeitswahn der Natur seit Generationen ins Handwerk pfuscht.

Menschenrecht auf Selbstverantwortung

Es gibt kein Menschenrecht, mit dem Zug in 55 Minuten über vereiste Weichen von Bern nach Zürich zu fahren. Auch die Garantie auf schwarz geräumte Strassen und stets verfügbaren Luftverkehr ist im Weltgefüge nirgends verbrieft. Die Komplexität des technisch vernetzten Fortschritts, der das Leben mit tausend erwünschten Möglichkeiten bereichert und mit ebenso viel Schnickschnack belastet, macht das Räderwerk verletzlich. Wenn dieses Räderwerk harzt, sind weder das Wetter noch die Salzstreuer schuld, sondern eine Reihe unvermeidlicher Abhängigkeiten im Gesamtsystem.

Das Menschenrecht auf Selbstverantwortung stellt hingegen niemand infrage. Für Autofahrer empfehlen sich Schneeketten, eine «angepasste Fahrweise» und eine Portion Geduld. Für Fussgänger auf vereisten Trottoirs gibt es griffige Stöcke und «Senioren-Iseli», die man an die Schuhe schnallen kann. Sie kosten nur 30 Franken – 300-mal weniger als ein künstlicher Knochen nach einem Oberschenkelhalsbruch. Allen, die vom Winter dieselbe Normalität verlangen wie vom Rest des Jahres, stünde etwas Demut gegenüber übergeordneten Mächten gut an.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.12.2010, 20:48 Uhr

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130 Kommentare

Peter Steiner

28.12.2010, 09:08 Uhr
Melden

@ Simon Gisi: Danke für diese Klärung, Herr Gisi. Bei Ihrem ersten Beitrag war mir nicht ganz klar, ob Sie es ironisch meinen, aber mit Ihren zweiten Wortmeldungen (8:52 und 8:55) haben Sie diese Zweifel beseitigt. Ich hatte schon Angst, dass Sie das tatsächlich ernst meinten... ;-) Antworten


Harry Sass

28.12.2010, 08:18 Uhr
Melden

Noch ist es zu warm, wenn man den Grünen weltweit glaubt. Wir stecken schliesslich in eine Phase der Klimaerwärmung, das glauben immer noch über 90% aller Menschen weltweit. Wir müssen also alles tun damit der nächste Winter endlich wieder etwas kühler wird. Aber spätestens im Frühjahr ist alles wieder vergessen. Dann können wir uns wieder auf neue Ökosteuer freuen. Liebe die NWO! Liebe die Welt! Antworten



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